Reformierte Rechtsprechung Karls

Aus den geschilderten Vorstellungen sucht Karl der Große besonders im Rechtswesen den »Geist wahrer Gerechtigkeit« für alle sichtbar werden zu lassen. Der Geschichtsschreiber Niethard, ein Enkel Karls, stellte dem Großvater das Zeugnis aus, dieser habe stets dahin gewirkt, dass niemand etwas anderes zu unternehmen wagte, als was dem »allgemeinen Besten« entsprach. Karl ging bei seinen Rechtsreformen mit Augenmaß vor und tat nur das Mögliche und Nötige wie z. B. bei der Reform des »echten« Things, das eine in regelmäßigen Abständen stattfindende Versammlung der freien, waffenfähigen Männer eines Dorfes oder größeren Verbands war, auf der vor allem Gericht gehalten wurde und zu der allgemeine Erscheinungspflicht bestand. Diese »Thingpflicht« empfanden viele als lästig und überflüssig, zumal sich langsam der Brauch durchsetzte, Grafen als Beisitzer (Schöffen) oder Richter bei der Rechtsprechung mitwirken zu lassen. Karl verringerte die Zahl der »verpflichtenden Grafenthinge« auf drei im Jahr und befahl, dass die »gebotenen Thinge«, die ursprünglich nach Bedarf durch Gebot einberufen werden konnten, nun 14tägig stattfanden und nur von wirtschaftlich unabhängigen, erfahrenen und vereidigten Männern geleitet werden sollten. Erscheinen mussten nur Gerichtsvorsitzender, Schöffen und Parteien. Mit seinen Reformen legte Karl der Große den Grund zu einer Schöffengerichtsbarkeit, die ein einheitliches Vorgehen gewährleisten sollte, indem sie den Schöffen klar umrissene Rechte und Pflichten auferlegte. Karl setzte sich auch für eine bessere Aufklärung von Straftaten ein. Manches Verbrechen blieb bisher ungesühnt, weil es keinen Kläger gab, denn viele Geschädigte unterließen die Klage aus Angst vor der Rache des Täters. Karl bestellte deshalb sogenannte »Rügezeugen«, die verpflichtet waren, alle in ihrem Aufsichtsbezirk bekannt gewordenen Verbrechen anzuzeigen. Der Gerügte, d. h. der Verdächtigte, wurde vom Rügezeugen vor Gericht geladen. Wenn er seine Unschuld beteuerte, musste er einen Reinigungseid leisten, andernfalls wurde er verurteilt. Mit dieser Einrichtung wirkte Karl auch der Selbsthilfe in Form von Fehde und Blutrache mit Erfolg entgegen. Aus der Verordnung Karls des Großen über Krongüter und Reichshöfe
Unsere Amtmänner sollen die Weinberge in ihrem Amtsbezirk empfangen [oder auch: Trauben ernten] und sie gut bearbeiten, den Wein haben sie in feste Behälter zu füllen und sorgsam darauf zu achten, dass er auf keine Weise vergeudet wird. Ferner sollen sie noch Landwein kaufen lassen, um damit unsere Gutshöfe versorgen zu können. Wird mehr von diesem Wein angeschafft, als zur Versorgung unserer Gutshöfe nötig ist, so muss man uns das melden.
Auf jedem unserer Krongüter sollen die Amtmänner einen möglichst großen Bestand an Kühen, Schweinen, Schafen, Ziegen und Böcken halten, fehlen darf dies Vieh niemals. Außerdem sollen sie Kühe bereithalten, um mithilfe unserer Knechte die anfallenden Arbeiten zu verrichten, sodass sich der Bestand an Kühen und Pflug und Wagen für unsere Wirtschaft auf keinen Fall verringert.
Mit ganz besonderer Sorgfalt ist darauf zu achten, dass alles, was mit den Händen verarbeitet und zubereitet wird – wie Speck, Rauchfleisch, Sülze, Pökelfleisch, Wein, Essig, Brombeerwein, Würzwein, Most, Senf Käse, Butter, Malz, Malzbier, Met, Honig, Wachs, Mehl -, dass dies alles mit größter Sauberkeit hergestellt wird.
Jedes Krongut soll in seinem Lagerraum vorrätig haben: Bettdecken, Matratzen, Federkissen, Bettlinnen, Tischtücher, Bankpolster, Gefäße aus Kupfer, Blei, Eisen und Holz, Feuerböcke, Ketten, Kesselhaken, Hobeleisen, Spitzhauen, Bohrer, Schnitzmesser – kurzum alles nötige Gerät, sodass man es nicht anderswo zu erbitten oder zu entleihen braucht. Auch das eiserne Kriegsgerät muss man hier verwahren, damit es gut erhalten bleibt.
Von den Fastenspeisen sollen jährlich zwei Drittel für unseren Hofhalt geliefert werden: Gemüse und Fisch, Käse, Butter, Honig, Senf Essig, Kolben- und Fenchelhirse, getrocknetes und frisches Küchengewürz, Rettich, Steckrüben, ferner Wachs, Seife und andere Kleinigkeiten.
Unsere Frauenarbeitshäuser sind in guter Ordnung zu halten: die Wohnhäuser, Werkstuben und gedeckten Schuppen oder Webkeller. Ringsum sollen sie mit starken Zäunen umgeben sein und feste Türen haben, damit die Frauen die Arbeit für uns ungestört durchführen können.
Jeder Amtmann sehe zu, dass in seinem Bereich unter unseren Leuten keine Strolche und Zauberer aufkommen können.
Jeder Amtmann soll in seinem Bezirk öfters Gerichtstage abhalten, Recht sprechen und dafür sorgen, dass unsere Hofleute ein ordentliches Leben führen.
Aus: Capitulare de villis.

Forum (Kommentare)

Info 18.12.2017 00:27
Noch keine Kommentare zu diesem Artikel vorhanden.