Buddha und der Buddhismus

Im 6. Jahrhundert v. Chr. waren die halbnomadischen Stämme Nordindiens sesshafte Bauern geworden, sie lebten in Adelsrepubliken oder Monarchien. Es war eine Zeit gesellschaftlichen Umbruchs. Neue Ideen kamen auf: Zu den bedeutendsten gehören die philosophischen und ethischen Lehren des Buddhismus. Das Leben des Buddha
Es gibt verschiedene Berichte über Buddhas Leben, die jedoch im Wesentlichen übereinstimmen: Siddharta Gautama (um 550-483 v. Chr.), der spätere Buddha (»der Erleuchtete«), war der Sohn des Schuddhodana, eines Königs aus dem Geschlecht der Schakja, und dessen Gemahlin Maja. Lumbini, Buddhas Geburtsort, liegt am Nordrand des Ganges-Tales nahe Kapilavastu, dort verlebte er seine ersten Lebensjahre. Als der Prinz nach einer sorgenfreien Jugend mit menschlichen Leiden konfrontiert wurde, beschloss er, mit seiner Vergangenheit zu brechen und in der Meditation höchste Wahrheit zu suchen. Heimlich floh er von zu Hause. Nach Jahren abgeschiedenen Lebens erlangte er »Erleuchtung«, als er unter dem Bodhibaum in Bodh Gaya (nahe Gaya im südlichen Binar) meditierte. Bald danach hielt Buddha seine erste Predigt im Hirschpark von Sarnath nahe Benares, mit der er »das Rad der Lehre in Bewegung setzte«. Die buddhistische Lehre vertrat einen »mittleren Weg«, indem sie die Extreme von Kasteiung und Wohlleben vermied. Vom Hinduismus übernahm sie die Vorstellungen der Wiedergeburt und des Karma-Gesetzes, wonach Handlungen eines Menschen sein weiteres Schicksal bestimmen. Sittlichkeit sah sie als den Weg zur Erlösung. Leiden wird nach Buddha durch Begehren verursacht. Folgt man dem »edlen achtfachen Pfad« des rechten Lebens und Handelns, ist es möglich, vom Begehren freizukommen und das Nirwana zu erlangen, jenen Zustand der Seligkeit, in dem es keine Wiedergeburt mehr gibt. Die mönchische Disziplin eignet sich, nach der Lehre des Buddhismus am ehesten dazu, das Nirwana-Ideal zu verwirklichen. Die Mönchsorden (Sangha) sind auf materielle Unterstützung durch die Laien angewiesen. Buddha zog predigend durch die nordöstlichen Gebiete Indiens. Die herrschende Schicht und die aufsteigende Klasse der Kaufleute unterstützten ihn. Als er in hohem Alter ins »vollkommene Nirwana« eintrat, hinterließ er einen Mönchsorden, aber kein schriftliches Vermächtnis. Die Ausbreitung des Buddhismus
In den ersten zwei Jahrhunderten nach Buddhas Tod breitete sich seine Lehre langsam immer mehr aus, trotz der Widerstände der hinduistischen Brahmanen, die um ihre Privilegien fürchteten. Als dann der indische König Aschoka (Regierungszeit 272-232 v. Chr.) zum Buddhismus bekehrt wurde, breitete sich die Lehre unter seinem mächtigen Schutz aus. Die ältesten erhaltenen Stupas (runde, überkuppelte Bauten zur Aufbewahrung von Reliquien) gehören dieser Periode an. Zur Zeit Aschokas fasste der Buddhismus auch in Sri Lanka Fuß, wo er bis heute die vorherrschende Religion geblieben ist. In den nächsten Jahrhunderten fand der Buddhismus in Indien immer mehr Anklang, mit Schwerpunkten in Mittelindien (Bharhut, Santschi), Maharaschtra und Andhra Pradesch. Dort blühten die buddhistische Kunst und Architektur auf. In Maharaschtra (Nasik, Karli) entstanden viele Höhlenklöster und Andachtshallen (Tschaitja-Hallen), die aus dem Felsen herausgeschlagen wurden. In Andra (Amaravati und Nagardschunakonda) errichtete man große Stupas. Für Spaltungen zeigte sich der Buddhismus immer anfällig. Konzile, die die Einheit fördern sollten, hatten oft gegenteilige Wirkung. Etwa um 200 v. Chr. zeichnete sich eine Spaltung zwischen den Anhängern des »Großen Fahrzeugs« (Mahajana) und denen des »Kleinen Fahrzeugs« (Hinajana) ab. Unter den ersteren gibt es auch Mönche, doch betont diese Richtung das Ideal des frommen Laien, der sich für das Wohl seiner Mitmenschen einsetzt. Die Anhänger verehren die historischen sowie früheren Buddhas als Gottheiten, ebenso die Bodhisattwas, »Erleuchtungswesen«, die aus Mitleid mit den noch unerlösten Menschen auf den Eintritt ins Nirwana verzichten. Die Buddhas und Bodhisattwas verehrte man in Bildern. Aus der Heiligenverehrung empfing die buddhistische Kunst starke Impulse. Die Hinajana-Anhänger hielten sich enger an die Lehren des historischen Buddha. Mit Beginn der christlichen Zeitrechnung bekannten sich auch jenseits der Grenzen Südasiens Menschen zu dieser Lehre, im 1. Jahrhundert sogar in China. Von dort breitete sie sich nach Korea und Japan aus. In Tibet fasste sie um 650 n. Chr. Fuß und entwickelte sich dort zum Lamaismus. In Südostasien ist der Einfluss des Mahajana, der besonders von Bengalen aus dieses Gebiet erreichte, in solch großartigen Bauwerken wie Borobudur auf Java (9. Jahrhundert n. Chr.) und Bayon in Kambodscha (12. Jahrhundert n. Chr.) erkennbar. Der Therawada, die »Lehre der Älteren« – diese Schulrichtung hatte sich im Hinajana durchgesetzt -, dehnte sich im 11. Jahrhundert n. Chr. in Hinterindien aus, als der birmesische König Anuruddha (Regierungszeit 1044-77) ihn zur Staatsreligion erhob. Im 13. Jahrhundert wurde er offizielle Religion in Thailand, von dort erreichte er Kambodscha und Laos. Zwar konnte auch der Buddhismus den Frieden zwischen diesen Ländern nicht immer gewährleisten, hat aber doch Sri Lanka und dem südostasiatischen Festland eine reiche Bildungstradition und eine stabile Weltanschauung vermittelt.

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Info 21.02.2018 18:25
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