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Indien: Vorgeschichte bis 500 v. Chr.

Die durch, zahlreiche Funde belegten stein- und bronzezeitlichen Kulturen in Indien lassen sich bisher nicht eindeutig chronologisch einordnen. Auch die ethnische Zugehörigkeit der Urbevölkerung ist nicht geklärt. Erst über die früheste uns bekannte Hochkultur, die Indus- oder Harappa-Kultur (nach der Fundstätte, der Ruinenstadt Harappa im Pandschah. benannt), sind wir besser unterrichtet. Diese Kultur hatte ihr Zentrum im Indus-Tal, erstreckte sich nach Westen bis zur heutigen iranischen Grenze, östlich über Delhi hinaus und südlich mit der Halbinsel Kathiawar bis zum Golf von Khambat (Cambay). Die Siedlungen
Die Ausgrabung von Städten, besonders von Harappa und Mohendscho Daro, lassen eine wohlüberlegte, einheitliche Stadtanlage mit befestigter Zitadelle, offener Unterstadt, schachbrettartiger Straßenführung, durchdachtem Kanalisationssystem und Badeanlagen erkennen. Öffentliche Einrichtungen, wie die großen Getreidespeicher, Versammlungshäuser und öffentlichen Bäder einerseits sowie ein einheitliches Maß- und Gewichtssystem andererseits, deuten auf eine zentrale Verwaltung hin. Dafür spricht auch das Vorhandensein einer Bilderschrift: Man hat Tausende von Specksteinsiegeln gefunden, in die neben Tieren, Menschen und Göttern kurze Inschriften in einer Hieroglyphenschrift eingeschnitten sind. Diese Siegel waren vermutlich Kaufmannszeichen und wurden sogar in Syrien gefunden, das belegt damals bestehende Handelsbeziehungen. Das Ende der Induskultur
Die Anfänge dieser Kultur hat man bis jetzt noch nicht bestimmen können. Auch über ihr Ende weiß man nur wenig. Nach einer 500 bis 600 Jahre währenden Blütezeit (etwa von 2300-1750 v. Chr.) scheint sie durch mehrere Überschwemmungskatastrophen um das Jahr 1700 stark geschwächt worden zu sein. Um 1500 v. Chr. wurden die Städte offenbar durch Indoarier, (Viehzüchter und Streitwagenkämpfer) vernichtet, die vom Nordwesten her eindrangen. Bis zum 13. Jahrhundert v. Chr. siedelten die Indoarier im Pandschab. Die zahlreichen Stämme befehdeten sich untereinander und auch die früheren Einwohner. Zu einer staatlichen Einigung scheint es jedenfalls nicht gekommen zu sein. Vom Indus-Tal aus drangen sie dann in das Gangesbecken und südwärts bis Gudscherat (Halbinsel Kathiawar) und Maharaschtra vor. Ihre Sprache verbreitete sich über den Norden des Subkontinents. Eine umfangreiche Sammlung heiliger Hymnen, der »Rigweda«, der in einem altertümlichen Sanskrit geschrieben ist, geht auf diese frühe Phase zurück (2. Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr.). Diese Hymnen werden, wie die anderen Sammlungen der indischen Weden, auf göttlichen Ursprung zurückgeführt und sind zunächst mündlich tradiert worden, ehe sie in einer aus dem Phönizischen entwickelten Schrift (Brahmi) niedergeschrieben wurden. Die Weden regten eine Auslegungsliteratur an, zu der die »Upanischaden« gehören. Aus diesen Texten lässt sich schließen, dass die Arier nur sehr langsam sesshaft wurden. Hinduistische Vorstellungen tauchen in diesen Texten auch bereits auf. In der spätwedischen Zeit (1000-550 v. Chr.) hatten sich die Indoarier fast überall im nördlichen Indien angesiedelt. Das belegt ihre eigentümliche Keramik mit einem typischen grauen Scherben, die man überall gefunden hat. Sie brannten die Wälder nieder und bebauten allmählich das fruchtbare Land, sie benutzten auch schon Eisenwerkzeuge. Diese Stämme lebten nicht in Städten wie die Träger der Induskultur. Der Wechsel zur Sesshaftigkeit hatte bedeutende politische und kulturelle Folgen. Aus den Stämmen wurden Königreiche, die nicht mehr auf Sippenzugehörigkeit, sondern auf dem Territorialprinzip beruhten. Die Königreiche wurden von der Kriegerklasse (Kschatrija) unter Führung des Königs regiert. Eine wichtige Rolle spielte auch die erbliche Priesterschaft (Brahmin). Diese beiden Gruppen herrschten über freie Bauern, Kaufleute und Handwerker, die den dritten Stand (Vaissja) bildeten. Die teilweise abhängigen Arbeiter, Jäger und Fischer, oft Nachfahren der Ureinwohner, gehörten zur niedersten Kaste (Schudra). Die Angehörigen dieser Kaste, deren Lebensweise die Indoarier als unsauber oder abstoßend empfanden, wurden als Unberührbare klassifiziert. Das war der Anfang des Kastensystems. In dieser Zeit entwickelten sich, zum ersten Mal nach dem Niedergang der Indus-Städte, wieder Großsiedlungen. Die wichtigsten waren Hastinapura am Ganges (östlich vom heutigen Delhi) und Radschgir (um 500 v. Chr.) mit stattlichen Mauern im südlichen Binar. Gleichzeitig bildeten sich auch einige grundlegende Gedanken des Hinduismus heraus: der Glaube an die Seelenwanderung (Reinkarnation), an Gewaltlosigkeit und an die Heiligkeit der Kuh. Die wedischen Opferhandlungen überdauerten zwar, sie erstarrten jedoch und entwickelten sich im Laufe der Zeit zu einer Geheimwissenschaft. Der Buddhismus
Die offizielle Religion genügte den Bedürfnissen nicht mehr: Es entstand eine Gegenströmung, die Meditation sollte höhere Einsichten vermitteln. Die Angehörigen der herrschenden Stände sollten sich in ein Leben der Betrachtung zurückziehen, sobald ihre Familien sie nicht mehr brauchten. Von dieser geistigen Haltung ging Siddharta Gautama (um 550 v. Chr. -483 v. Chr.) aus, als er die Lehre des Buddhismus formulierte und danach lebte.

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