Ägypten (1570 bis 332 v. Chr.)

Den Anfang des Neuen Reiches, die dritte Blütezeit Ägyptens (um 1552-1080 v. Chr.), datiert man auf den Zeitpunkt, als die Streitkräfte Thebens die damaligen Herrscher Ägyptens, die Hyksos, besiegten. Dieses Neue Reich erstreckte sich vom Norden des Sudan bis nach Syrien und gehörte zu den Großreichen der Alten Welt. Amun, der Gott Thebens, wurde zum wichtigsten Gott erhoben und mit dem Sonnengott Re – auch Ra genannt – unter dem Namen Amun-Re zum König der Götter verschmolzen. Viel von dem Reichtum, der durch die Eroberungen nach Ägypten strömte, diente dem Unterhalt der Priesterschaft und des Amunkultes. Die ägyptische Herrschaft festigt sich
Die ersten Könige der 18. Dynastie waren vor allem darauf bedacht, Ägypten gegen weitere Einbrüche der Beduinen im Osten sowie der Nubier im Süden abzusichern. Als sie die östlichen Grenzen befestigt hatten, unternahmen sie eine Reihe von Feldzügen, um das Königreich Nubien zu erobern. Da Gott Amun und das Herrscherhaus als eng verbunden galten, hatte sich die Sitte herausgebildet, dass – fehlte ein männlicher Thronerbe – die weibliche Nachfolgerin Titel und Rang einer »Gottesgemahlin des Amun« erhielt. So übernahm z. B. Hatschepsut, Witwe und Halbschwester Thutmosis IL, für ihren minderjährigen Stiefsohn Thutmosis III. die Regierung (um 1503-1482 v. Chr.) und ernannte ihn später zum Mitregenten (um 1504-1450 v.Chr.). Nach Hatschepsuts Tod wurde Thutmosis III. Alleinherrscher. Überliefert sind eine Reihe kriegerischer Unternehmungen bald nach seiner Herrschaftsübernahme. Das ägyptische Großreich erreichte unter ihm seine größte Ausdehnung und erstreckte sich vom Euphrat bis Napata am 4. Katarakt in Nubien. Unter Amenophis III., der um 1403-1365 v. Chr. regierte, und seiner Frau Teje erreichte der ägyptische Hof mit seinem Pomp höchstes Ansehen. Sein Sohn Amenophis IV., der unter dem Namen Echnaton bekannt wurde, heiratete die schöne Nofretete und regierte etwa 1365-1348 v. Chr. Er revolutionierte die ägyptische Religion durch einen Sonnenmonotheismus, also die alleinige Verehrung der Sonnenscheibe. Die Residenz wurde nach Amarna verlegt. Diese Veränderungen stießen bei der Priesterschaft der alten Götter auf erbitterten Widerstand und führten schließlich zur Anarchie im Inneren und zur Schwächung des ägyptischen Ansehens jenseits der Grenzen. Unter den Nachfolgern Echnatons errang die alte Religion wieder ihren ursprünglichen Platz. Nach dem Ende der Dynastie übernahm sein Wesir Ramses I. für zwei Jahre die Regierung und begründete die 19. Dynastie (um 1320-1200 v.Chr.). Auseinandersetzungen mit den Hethitern
Die Herrscher der 19. Dynastie waren bestrebt, ihre Vorherrschaft gegenüber der wachsenden Macht der Hethiter zu festigen. Die Rivalität zwischen diesen beiden Reichen führte im fünften Regierungsjahr von Ramses II. (Regierungszeit 1290-1224 v. Chr.) bei der Stadt Kadesch in Syrien zu einem militärischen Zusammenstoß. Sowohl Ägypter wie Hethiter bezeichneten sich als Sieger. Im 21. Regierungsjahr von Ramses II. wurde schließlich zwischen Ägypten und dem Hethiterreich Frieden geschlossen, einige Jahre später besiegelt durch Heirat von Ramses II. mit einer Hethiterprinzessin. Ramses II. gilt als der größte Bauherr Ägyptens (Karnak, Luxor, Ramesseum, Abydos, Abu Simbel u. a.). Ramses »der Große« wurde 90 Jahre alt und regierte fast 70 Jahre lang. Seine Nachfolger mussten sich zunehmender Bedrohungen durch libysche Stämme und räuberische »Seevölker« erwehren. Ramses III. aus der 20. Dynastie (Regierungszeit 1193-1162 v. Chr.) bekämpfte mit Erfolg die Seevölker in zahlreichen Land- und Seeschlachten. Der bei Theben gelegene Totentempel Medinet Habu wurde von ihm erbaut. Die nachfolgenden Pharaonen (Ramses IV. bis XI.) waren ohne Bedeutung. Unter den jeweiligen Regierungen sank der Einfluss der Krone. Die Einfälle der Libyer wurden häufiger; die Macht örtlicher Gouverneure, insbesondere auch des Amunpriesters in Theben, nahm zu. Ägyptische Besitzungen in Palästina und Nubien gingen am Ende der Dynastie verloren; Ägypten selbst kam schließlich unter die Kontrolle ausländischer Machthaber. Der libysche General Scheschonk I. (Regierungszeit 945-924 v. Chr.) stellte die Einheit Ägyptens wieder her. Er begründete die 22. Dynastie und machte seinen Sohn zum Amunpriester. Aber schon unter seinen Nachfolgern zerbrach das Land wieder in Teile; Stadtstaaten entstanden. Im Süden entwickelte sich ein unabhängiges Königreich in Nubien; dessen Herrscher eroberten Ägypten um das Jahr 712 v. Chr. und gründeten die 25. Dynastie. Die nubische Herrschaft endete, nachdem mehrmals Assyrer in das Land eingefallen waren. Mithilfe griechischer Söldner gelang es Psammetich I. (Regierungszeit um 664-610 v. Chr.) aus der 26. Dynastie, das ganze Land unter seine Herrschaft zu bringen und die Assyrer aus dem Land zu treiben. Die Herrschaft der 26. Dynastie war geprägt durch eine Zeit neuerlichen Wohlstandes. Ägypten hoffte, dass es seine ursprüngliche Machtposition wiedererlangen konnte. In der Schlacht von Karkemisch (605 v. Chr.) machten die Babylonier diese Hoffnung endgültig zunichte. Schließlich wurde Ägypten 525 v. Chr. eine Provinz des persischen Weltreiches. Mit kurzen Unterbrechungen behaupteten die Perser ihre Herrschaft bis zum Jahre 332 v. Chr., als Alexander der Große Ägypten seinem Weltreich einverleibte.

Forum (Kommentare)

Info 21.02.2018 18:34
Noch keine Kommentare zu diesem Artikel vorhanden.