Afrika (Kusch und Aksum)

Im Laufe der altägyptischen Geschichte verlegten die Pharaonen die Grenze ihres Reiches immer weiter nach Süden, entlang dem Niltal, der Lebensader des Reiches, bis in das tropische, schwarze Afrika. Zur Zeit des Neuen Reiches (um 1500 v. Chr.) hatten die Ägypter die Ländereien zu beiden Seiten des Nils teilweise besiedelt. Ihr Herrschaftsbereich erstreckte sich bis zum 4. Katarakt, der etwa in der Mitte der großen S-Schleife des Nils liegt. Sie bezeichneten dieses Land als Kusch, später wurde es Nubien genannt. Die Entstehung des Kuschiten-Reiches
Etwa 1000 v. Chr. bildete sich nach dem Zusammenbruch des Neuen Reiches Kusch als Staat heraus, der sowohl politisch als auch kulturell unabhängig war. Nach 200 Jahren Herrschaft hatten die Machthaber so große Selbstständigkeit erlangt, dass sie nun durch das Niltal nordwärts zogen, ganz Ägypten eroberten und die 25. Dynastie gründeten. Ihre Herrschaft in Ägypten war jedoch nur von kurzer Dauer. Zwischen 676 und 663 v. Chr. besetzten und verwüsteten assyrische Armeen Ägypten – zuerst unter Asarhaddon, später unter Assurbanipal. Der kuschitische Pharao Taharka zog sich daraufhin nach Süden zurück. Die Assyrer waren den Gegnern durch ihre Eisenwaffen weit überlegen und im Mittleren Osten fast unbesiegbar geworden. Die kuschitischen Befehlshaber hatten aber nicht umsonst Lehrgeld bezahlt, sie eigneten sich die assyrische Kunst der Eisenbearbeitung an. Das wurde die Grundlage ihrer militärischen Stärke. Sie bauten ihren Herrschaftsbereich nun nach Süden hin aus. Das Land zu beiden Seiten des Nils war damals fruchtbarer als in den folgenden Zeiten, z. B. fanden auch große Viehherden ausreichend Futter. Im 6. Jahrhundert v. Chr. lag die Grenze von Kusch südlich des heutigen Khartum, wo es damals dichte, ausgedehnte Wälder gab. Die Vorherrschaft der meroitischen Kultur
Als das Land um das alte Zentrum Napata (in der Nähe des 4. Katarakts) die Viehherden nicht mehr ernähren konnte, wurde die Hauptstadt noch weiter in den Süden verlegt, nach Meroe, südlich vom Zusammenfluss des Atbara mit dem Nil. Von da an galt Meroe als Hauptstadt Nubiens. In den nördlichen Teilen von Kusch gab es nur wenige Farbige, in und um Meroe war dagegen die Mehrheit der Bewohner schwarz. Dieses Gebiet verfügte über große Vorkommen an Eisenerz, auch über das nötige Holz zum Verhütten. Eisengewinnung und Verarbeitung wurden in großem Stile betrieben. Noch heute verschandeln riesige Schlackenhaufen die Landschaft. Gutbewaffnete Reiter der meroitischen Armee verteidigten die Siedlungen gegen Angriffe der Wüstennomaden. Mit Ägypten, Arabien, ja sogar mit Indien betrieb Meroe intensiven Handel. Der Niedergang des Reiches
Etwa mit Beginn der christlichen Zeit verfiel die Kultur von Kusch/Meroe. Der Niedergang war eine Folge ökonomischer Schwierigkeiten: Das einst fruchtbare Weide- und Ackerland wurde langsam Wüste, der Staat verlor seine Ernährungsgrundlage. Immer häufiger mussten die Armeen Einfälle von Nomaden abwehren. Als das benachbarte Aksum über Kusch/Meroe herfiel, erfolgte der Zusammenbruch dieses Reiches um 350 n. Chr. Das kuschitisch-meroitische Reich bestand über 1000 Jahre und hat großartige kulturelle Leistungen vollbracht. Diese sind weit mehr als nur eine afrikanische Form ägyptischer Kultur: Diese Kultur hat eigenständigen Charakter. Sie fußt auf dem ägyptischen Erbe und entwickelte sich unter hellenistischem und indischem Einfluss zu hoher Blüte. Die Bewohner kannten auch eine Buchstabenschrift. F. L. Griffith hat sie zwar entziffert, ihr Sprachcharakter wurde aber noch nicht entschlüsselt. Aksum, der Konkurrent aus Äthiopien
Aksum hatte seinen Ursprung nicht auf dem afrikanischen Kontinent, sondern in Arabien. Eine Reihe kleiner, aber wohlhabender Staaten war im frühen 1. Jahrtausend v. Chr. im Jemen entstanden. Einer dieser Kleinstaaten war Saba, vermutlich das Saba der Bibel aus der Zeit König Salomos. Um das 7. Jahrhundert v. Chr. zogen semitisch sprechende Bevölkerungsgruppen aus dem übervölkerten Jemen über das Rote Meer zum Horn von Afrika und siedelten als Bauern am nordöstlichen Rand des Hochplateaus von Äthiopien. Die Siedlungen blühten rasch auf, von hier aus gelang es den Einwanderern, die eingeborene kuschitische Bevölkerung zu unterwerfen. Eine dieser Gruppen, die Halaschat, gründete im 3. Jahrhundert v. Chr. ein Königreich mit dem Mittelpunkt in Aksum. Hellenistische Griechen gewannen am Königshof von Aksum an Einfluss und bereiteten den Weg für das Christentum. Der Syrer Frumentios (um 300- um 380) verbreitete diese neue Lehre am Hof des Königs und wurde vom Patriarchen Athanasius zum Bischof ernannt. Innerhalb von wenigen Jahrzehnten war das Land christianisiert. Die Herrscher von Aksum eroberten im 6. Jahrhundert Teile des südlichen Arabien, wurden aber später durch persische Armeen wieder vertrieben. Von da an verlor Aksum mehr und mehr an Bedeutung. Mohammedanische Araber eroberten immer größere Teile Ägyptens und blockierten so die Handelswege über das Rote Meer. Endgültig zu Ende ging das Königreich Aksum, als Nomaden über das Land herfielen und es verwüsteten. Seine politischen, religiösen und kulturellen Traditionen blieben jedoch erhalten.

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Info 22.11.2017 17:34
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