Die Phönizier (1500 bis 332 v. Chr.)

Das alte Phönizien umfasste die Küstenstreifen des heutigen Libanon und Israel. Wohlstand und Macht der Phönizier beruhten in erster Linie auf dem Handel über den gesamten Mittelmeerraum. Die Handelsrouten sicherten sie durch Kolonien und Handelsniederlassungen. Die Geschichte dieses Landes ist die Geschichte seiner großen Stadtstaaten Byblos, Tyros, Sidon, Berytos (Beirut) und Ugarit sowie ihrer Kolonien. Phönizien unter fremdem Einfluss
Die phönizischen Städte blieben, wie die Stadtstaaten im klassischen Griechenland, selbstständig und voneinander unabhängig. Es war jedoch für diese kleinen Stadtstaaten nicht immer leicht, die Freiheit gegenüber ihren mächtigeren Nachbarn zu bewahren. So wurden die Städte im frühen 16.Jahrhundert v.Chr. zunächst Ägypten tributpflichtig, später kamen sie dann auch politisch unter die Kontrolle des mächtigen Nachbarn. Dieser Einfluss blieb lange erhalten, wurde in den phönizischen Gemeinwesen allmählich aber immer mehr verdrängt, und zwar durch Mesopotamien, zumindest in kultureller Hinsicht. Das bezeugt neben vielen Artefakten auch die frühe phönizische Keilschrift. Nach einer kurzen Periode hethitischer Herrschaft wurden die phönizischen Städte dem assyrischen König Tiglatpileser I. (Regierungszeit 1117-1078 v. Chr.) tributpflichtig. Phönizien gewann jedoch seine Handlungsfreiheit wieder, eine Zeit großen Wohlstands folgte. Zwischen den Großmächten Ägypten, Assyrien, Babylonien und Persien gelegen, machte Phönizien auch weiterhin die wechselvolle Geschichte des syrisch-babylonischen Raumes mit. Die Küstenstädte konnten teilweise ihre Selbstständigkeit bewahren. Im 6. Jahrhundert v. Chr. wurde Phönizien unter Kyros dem Großen ein Teil des Persischen Großreiches, blieb aber eine bedeutende Seemacht. Das starke Kontingent, mit dem Phönizien die Flotte Xerxes (Regierungszeit 485-465 v. Chr.) im Kampf gegen Griechenland unterstützte, erlitt 480 v. Chr. in der Schlacht von Salamis schwere Verluste. Alexander der Große (Regierungszeit 336-323 v. Chr.) hat nach seinem Sieg in der Schlacht von Issos 333 v. Chr. und nach der Eroberung von Tyros im folgenden Jahr Phönizien seinem Imperium einverleibt. Seit den Anfängen des Handelsverkehrs mit Ägypten und Mesopotamien beruhte die phönizische Wirtschaft auf der Einfuhr von Gold, Elfenbein, Vieh, Getreide und auf der Ausfuhr von Bauholz, Metallen, Textilien, Glas, Keramik und Schiffen. Oft beförderten phönizische Handelsschiffe auch die Güter anderer Völker, so aus dem asiatischen Hinterland nach Ägypten, Griechenland und Zypern, später auch nach Nordafrika, Spanien und auf die Inseln des Mittelmeeres. Zu den blühenden phönizischen Industrien gehörten die Färberei, die in Sidon und Tyros konzentriert war, die Edelmetallbearbeitung, die Herstellung von Glas und Keramik sowie Schnitzereien aus Elfenbein und Knochen. Phönizien als Kolonialmacht
Im 12. Jahrhundert v. Chr. entstanden die ersten phönizischen Kolonien. In dieser Zeit gab es auf Zypern bereits phönizische Siedlungen. Es ist wahrscheinlich, dass gleichzeitig auch die ersten Kontakte mit den Mykenern zustande kamen. In der Ägäis, auf Rhodos und wahrscheinlich auf Kreta gründeten die Phönizier Handelsniederlassungen. Für ihre Anwesenheit auf dem griechischen Festland und in Italien gibt es dagegen nur literarische Hinweise. Allerdings begründeten die Phönizier an den Küsten des zentralen und westlichen Mittelmeeres (in Sizilien, auf Malta, in Spanien, auf Sardinien und den Balearen) eine Reihe von Kolonien, die ihnen in diesem Gebiet eine beherrschende Stellung sicherten. Relativ früh errichteten sie Niederlassungen an der nordafrikanischen Küste, dazu gehörten Utika, Hadrumetum (jetzt Sousse) und Leptis Magna. Aber die berühmteste von allen war Karthago, eine Tochterstadt von Tyros, die Tochter überflügelte die Mutter aber bei weitem. Unter den phönizischen Kolonien im Westen nahm Karthago eine Vormachtstellung ein, ohne die Kolonien jedoch zu beherrschen. Karthagos bedeutendste Gründungen im 7. Jahrhundert v. Chr. waren Gades (das moderne Cadiz) und Ebusus (das jetzige Ibiza). Hannibals Schwager Hasdrubal gründete 227 v. Chr. zwischen dem 1. und 2. Punischen Krieg Carthago Nova (Cartagena). Oft ist eine Kolonisierungspolitik mit einem gewissen Forschertrieb verbunden, auch die Phönizier scheinen sehr unternehmungslustig gewesen zu sein. Nach einem Bericht des griechischen Historikers Herodot haben ihre Schiffe sogar Afrika umsegelt und sind nach drei Jahren wieder in Ägypten gelandet. Herodot selbst mag dieser Geschichte keinen allzu großen Glauben geschenkt haben, aber die von ihm berichteten Einzelheiten lassen diese ungewöhnliche Reise doch als möglich erscheinen. Ein römisches Geografiewerk aus wesentlich jüngerer Zeit berichtet von einer Fahrt des Karthagers Himilko (1. Hälfte des 5 Jh.s v. Chr.). Von Spanien aus entlang der gallischen Küste bis zur Bretagne und nach Cornwall. Das Vermächtnis einer reichen Literatur
Durch die Entdeckung und Entzifferung der Keilschrifttexte von Ugarit sind wir über Mythologie und Religion dieses Gebietes in der Voreisenzeit relativ gut informiert. Obwohl nur wenige Inschriften und Dokumente aus der reichen phönizischen Literatur erhalten geblieben sind, haben diese dennoch große Bedeutung, weil das phönizische Alphabet die Grundlage des griechischen wurde. Die Griechen haben den 22 Konsonanten der phönizischen Schrift noch die Vokalzeichen hinzugefügt.

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Info 18.11.2017 13:06
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