Das Weltreich der Achämeniden

Das persische Reich war in seiner Glanzzeit zwischen 550 v. Chr. und 480 v.Chr. nach Ausdehnung und Leistung das größte, das die Welt bis dahin gekannt hat. Das Zentralgebiet umfasste allein den größten Teil des heutigen Iran und Afghanistan. Etwa 40 Millionen Menschen lebten innerhalb seiner Grenzen. Der Staat gab ihnen ein einheitliches Recht, ein Münzsystem, Post und Bewässerung sowie ein vorzügliches Straßennetz. Die Macht der Achämeniden wurde 330 v. Chr. durch Alexander den Großen gebrochen, ihr Einfluss lebte aber unter den Parthern und Sassaniden wieder auf und verlor sich nach einer erneuten Blütezeit erst im 7. Jahrhundert, als arabische Eroberer in das Land einfielen. Die Frühgeschichte
Persien bildet die natürliche Brücke zwischen Europa und Asien. Seine Geschichte reicht bis ins 6. Jahrtausend v. Chr. zurück. Das Land verfügt über 250 000 Ausgrabungsstätten, allein 1000 in der Ebene vor Persepolis. Um 1500 v. Chr. kamen arische Nomaden aus dem Norden. Sie gaben dem Land den Namen Iran oder »Land der Arier«. 550 v. Chr. vereinigte Kyros der Große ihre Nachfahren, die Meder, mit den Persern im Süden des Landes: Das war die Geburtsstunde des persischen Reiches. Kyros der Große nannte es nach einem Vorfahr das Reich der Achämeniden. Kyros der Große respektierte die Rechte und Religionen aller unterworfenen Staaten, ebenso ihre Gesetze und Sitten. Nach seinem Sieg über Babylon 539 v. Chr., durch den die jüdische Gefangenschaft beendet wurde, ließ er den Tempel in Jerusalem wieder aufbauen: Über 40 000 Juden kehrten aus Babylon nach Palästina zurück. Seine Armee gliederte Assyrien, Lydien und Kleinasien dem Reich ein und machte dieses zur größten politischen Einheit der vorrömischen Zeit. Die Eroberungszüge führten bis zum Mittelmeer im Westen und in den Hindukusch im Osten. 529 v. Chr. fiel er im Kampf. Auf Kyros folgte sein Sohn Kambyses II. (Regierungszeit 530-522 v. Chr.), der nicht die Vorzüge seines Vaters, wohl aber dessen gelegentlichen Hang zur Grausamkeit geerbt hatte. Kambyses II. ermordete zu Beginn seiner Regierungszeit seinen Bruder Smerdis und zog dann aus, um das reiche Ägypten zu erobern. Mehr als 50 000 seiner Soldaten kamen bei dem Feldzug ums Leben. Schließlich tötete Kambyses II. seine Frau und seine Schwester Roxana, erschlug seinen Sohn Prexaspes und ließ zwölf Adelige lebendig begraben. Er selbst starb während des Rückzuges. Die Herrschaft des Dareios
Dareios der Große (Regierungszeit 522-486 v. Chr.) war vor der Thronbesteigung Befehlshaber der »zehntausend Unsterblichen«, der Elite des persischen Heeres. Aufstände in den eroberten Ländern schlug er nieder. In Babylon ließ er 3000 führende Bürger kreuzigen. Wissend, wie zerbrechlich sein großes Reich war, milderte er das Militärregime zugunsten einer klugen Verwaltung und machte aus seinem Reich ein Musterbeispiel imperialer Organisation, gleichsam als Voraussetzung für Rechtssicherheit und allgemeinen Wohlstand. Nachdem er so Frieden und Stabilität im Inneren gesichert hatte, führte er seine Armeen zunächst im Westen über den Bosporus und die Donau bis an die Wolga, dann – im Osten – bis in das Industal. Das persische Reich erreichte dabei seine größte Ausdehnung. Ackerbau und Viehzucht bildeten die wirtschaftliche Grundlage des Landes. Man sorgte für künstliche Bewässerung und baute Tunnel, die mitunter kilometerlang waren. Religion und Verwaltung
Die ursprüngliche Religion des Landes beruhte auf der Verehrung Mithras, des Sonnengottes, und der von Anahita, der Göttin des Wassers und der Fruchtbarkeit. Diese Religion verschmolz später mit dem Kult um das höchste Wesen, nämlich Ahuramazda, des »weisen Herrn« – wie er im 6. Jahrhundert von dem Propheten Zoroaster (oder Zarathustra) gepredigt wurde. Als Schöpfer und Beherrscher der Welt bekleidete sich Ahuramazda mit dem Firmament. Sonne und Mond waren seine Augen und alle Naturerscheinungen sein Werk: die Erde, das Feuer, der Wind und das Wasser. Um diese Elemente nicht zu verunreinigen, setzten die Parsen (die noch heute in Indien dem zoroastrischen Glauben anhängen) ihre Toten auf »Türmen des Schweigens« den Geiern zum Fraß aus. Die monarchische Regierungsform Persiens beruhte auf der Idee, dass die Freiheit des einzelnen am besten durch einen Souverän, dem »König der Könige«, gewährleistet sei. Demgegenüber vertrat der Stadtstaat Athen das Prinzip der Demokratie (außer für Sklaven und Fremde). Dareios der Große hielt die griechischen Stadtstaaten und ihre Kolonien für eine Gefahr. Als Ionien revoltierte und Hilfe aus Sparta und Athen erhielt, überquerte er deshalb die Ägäis, wurde aber von einer athenischen Streitmacht bei Marathon geschlagen. Während der Vorbereitung eines neuen Feldzuges gegen Griechenland starb der Herrscher im Jahr 486 v. Chr. Xerxes I. (Regierungszeit 485-465 v. Chr.), Sohn des Dareios, überschritt den Hellespont und schlug die Spartaner bei den Thermopylen. Aber auch er musste sich später aus Europa zurückziehen, nachdem er die Akropolis von Athen niedergebrannt hatte. Mit diesem Rückzug setzte der Niedergang des achämenidischen Reiches ein, den Alexander der Große (Regierungszeit 336-323 v. Chr.) schließlich mit seinem Sieg über Dareios III. (331 v. Chr.) bei Gaugamela besiegelte. Danach bildete Persien einen Teil des makedonischen Reiches Alexanders des Großen.

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Info 18.12.2017 00:18
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