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Die Babylonier (2000 bis 323 v. Chr.)

Durch den Fall von Ur im Jahre 2006 v. Chr. konnten die semitisch sprechenden Amoriter unter Ischbi-Erra eine starke unabhängige Dynastie in Isin errichten. In Larsa übernahm ein anderer amoritischer Anführer namens Naplanum die Macht. Beide Dynastien herrschten hundert Jahre nebeneinander über Babylonien. Von ihnen unangefochten wurde im frühen 19. Jahrhundert v. Chr. noch eine dritte Dynastie semitisch sprechender Amoriter in der Stadt Babylon begründet. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts v. Chr. brachte Rim-Sin aus Larsa, »der wahre Hirte«, Isin in seine Gewalt und wurde damit zum Hauptrivalen um die Macht in Babylon. Hammurapi und seine Gesetzessammlung
Die ersten fünf Könige der neuen Dynastie von Babylon waren ausschließlich damit beschäftigt, Verteidigungs- und Tempelbauten zu errichten und Kanäle wieder schiffbar zu machen. Ihren Herrschaftsbereich vergrößerten sie kaum. Erst Hammurapi (Regierungszeit 1792-1750 v. Chr.) erweiterte sein Reich. Er beherrschte schließlich nicht nur Babylonien, sondern auch Assyrien, Elam und das Sagrosgebirge. Als Hammurapi Larsa erobert hatte, trat er die Nachfolge in der sumerischen und akkadischen Königstradition an. Aber Hammurapi war weit mehr als nur ein Krieger. Er ist der erste große Gesetzgeber der Geschichte. Der »Codex Hammurapi« gilt als die berühmteste Sammlung von Rechtssätzen des Vorderen Orients und ist in Akkadisch geschrieben, einer semitischen Sprache, die zu dieser Zeit zur führenden Sprache in Mesopotamien geworden war. Auch in der Literatur förderte er das Akkadische gegenüber dem Sumerischen. Das Sumerische fand nur noch im religiösen Bereich Verwendung. Bis jetzt haben sich in zeitgenössischen Dokumenten keinerlei Hinweise darauf ergeben, dass die Gesetze Hammurapis auch angewendet wurden. Die Funktion des Kodex ist also noch nicht geklärt. Er war wohl ein Versuch, Rechtssätze und Brauchtum besonders des Grundstücksrechts in Gebieten unterschiedlicher Rechtsordnung zusammenzufassen und zu vereinheitlichen. Hammurapis Nachfolger erfreuten sich einer langen und ruhigen Regierungszeit. Obwohl belegt ist, dass im späten 18. Jahrhundert v. Chr. Kassiten (wahrscheinlich Bergbewohner aus dem Nordosten) in Babylon einfielen, hat erst ein Angriff des Hethiterkönigs Mursili I. um das Jahr 1595 v. Chr. die Zerstörung Babylons und den Niedergang der Dynastie Hammurapi verursacht. Die »dunkle Zeit« Babylons
Über Babylon gewannen dann Kassiten die Herrschaft. Nennenswerte Aussagen über die ersten 200 Jahre ihrer Herrschaft existieren nicht. Im Jahr 1157 v. Chr. zerschlugen die Elamiten die kassitische Dynastie. Aber auch sie herrschten nur bis zum Ende des Jahrhunderts über Babylonien. Dann wurden die Elamiten von der 2. Dynastie von Isin verdrängt: Unter der Herrschaft Nebukadnezars I. (Regierungszeit 1128-1106 v. Chr.) ging so das elamitische Zwischenspiel zu Ende. Nach etwas mehr als hundertjähriger stabiler Herrschaft stürzte auch die Isin-Dynastie. Darauf folgte eine Zeit großer Unruhen, die 997 v. Chr. ein Ende hatten, als sich eine neue, die 8. Dynastie von Babylon, durchsetzte. Diese unterhielt für ein Jahrhundert enge Beziehungen mit dem aufstrebenden Assyrien. Salmanassar III. von Assyrien (Regierungszeit 858-824 v. Chr.) wurde zu Hilfe gerufen, um in Babylon einen Aufstand niederzuschlagen. Zu dieser Zeit tauchten im südlichen Babylonien zum ersten Mal starke chaldäische Volksstämme auf. Kämpfe mit Assyrien und anarchische Zustände schwächten das Land. Erst nach dem Regierungsantritt (729 v. Chr.) von Tiglatpileser III., König von Assyrien (745-727 v. Chr.), blühte das Reich wieder auf. Seine Nachfolger Salmanassar V. (Regierungszeit 726-722 v. Chr.), Sargon II. (Regierungszeit 722-705 v. Chr.) und Sanherib (Regierungszeit 705 ^681 v. Chr.) lebten in ständigen Auseinandersetzungen mit den Chaldäern. Die Wirren im 7. Jahrhundert v. Chr. beendete der bis dahin unbekannte Nabupolassar (Regierungszeit 626-605 v. Chr.), »der Sohn eines Niemand«. Mit ihm begann die chaldäische oder neubabylonische Dynastie, unter der das Reich einen großen Aufschwung nahm. Der Aufstieg der Neubabylonier
Nabupolassar war als Bundesgenosse der Nieder an der Zerstörung Ninives im Jahr 612 v. Chr. und am Sturz der assyrischen Dynastie beteiligt. Der eigentliche Begründer des Neubabylonischen Reiches war jedoch Nebukadnezar II. Er zerstörte 587-586 v. Chr. Jerusalem und deportierte viele der Einwohner nach Mesopotamien (Babylonische Gefangenschaft). Unter seiner Regierung (605-562 v.Chr.) wurde Babylon die größte und prächtigste Stadt des Altertums, eine terrassenförmig angelegte Dachgartenlandschaft, die berühmten »hängenden Gärten«, zählt heute zu den Sieben Weltwundern. Der König verschönerte die Prozessionsstraße, durch die zu Ehren des Stadtgottes Marduk jährlich die prunkvolle Neujahrsprozession zog. Nebukadnezars Sohn wurde ermordet. Der Verfall Babyloniens beschleunigte sich unter dem Frömmler Nabonid. 539 v. Chr. fiel Babylon ohne Kampf an den Perserkönig Kyros den Großen aus dem Geschlecht der Achämeniden (Regierungszeit 559-529 v. Chr.). 482 v. Chr. wurde Babylon von Xerxes (um 519-465 v. Chr.) zum großen Teil zerstört. Als kultisches Zentrum spielte die Stadt für kurze Zeit noch eine Rolle, dann wurde Babylon endgültig bedeutungslos.

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