Steinkolosse der Pharaonen – Pyramiden von Gizeh

»Die Zeit trotzt allem, aber die Pyramiden trotzen der Zeit«, sagt ein arabisches Sprichwort. Vor rund 4500 Jahren, etwa in dem Jahrhundert zwischen 2650 und 2550 v. Chr., wurden die drei großen Pyramiden von Gizeh errichtet, die des Cheops, des Chephren und des Mykerinos, dreier Könige aus der 4. Dynastie, von denen man nicht viel mehr weiß, als dass sie die Bauherren »ihrer« Pyramiden waren. Auch von der Entstehungsgeschichte weiß man kaum etwas. Die detailliertesten Berichte über den Bau der Pyramiden stammen von Herodot, dem »Vater der Geschichte«. Er bereiste Ägypten im Jahre 450 v. Chr. und ließ sich von Priestern Einzelheiten erzählen, die er der staunenden Nachwelt überlieferte und die unsere Vorstellungen bis auf den heutigen Tag bestimmen. »Zunächst wurde eine Straße angelegt«, schrieb Herodot über den Bau der Cheops-Pyramide, »auf der die Steine zum Nil vom libyschen Gebirge herangeschafft wurden.« Diese Vorarbeit dauerte 10 Jahre. Um die gleiche Zeit legte man die Sargkammern an. Die eigentliche Pyramide wurde, immer nach Herodot, innerhalb von 20 Jahren errichtet. 100000 Menschen arbeiteten alljährlich an dem Bau, und zwar jeweils nur 3 Monate lang, vermutlich während der Zeit der Nilüberschwemmung, in der die Feldarbeit ruhte. Aufgeschüttete Rampen, Rutschen, Hebel und Rollen dienten zum Transport der über 2 Millionen Kalksteinblöcke. »Mit ägyptischer Schrift war an der Pyramide verzeichnet, wie viel für Rettiche, Zwiebeln und Knoblauch ausgegeben worden war, und wenn ich mich recht erinnere, was der Dolmetscher, der die Schrift las, mir sagte, wären 1600 Talente (etwa 7 Millionen Mark) verwendet worden« notierte Herodot. Spätestens an dieser Stelle des Berichtes beginnt man zu, stützen. Es klingt allzu unwahrscheinlich, dass die Dragomane zur Zeit Herodots Hieroglyphen zu lesen verstanden. Aber wie steht es mit den anderen Angaben? Paul Rieppel, der sieb eingehend mit den Pyramiden, ihrer Baugeschichte und der mit ihnen verbundenen Zahlenmystik beschäftigte, rechnete aus, dass bei einer Arbeiterzahl von 100 000 und einer Bauzeit von 20 x 3 Monaten auf den einzelnen Menschen auch bei der Verbrennung einfachster Hilfsmittel nur eine sehr geringe Tagesleistung entfallen konnte. Die verbreitete Vorstellung von den Fronsklaven oder unter der Peitsche gebeugten Zwangsarbeitern verliert damit schon an Glaubwürdigkeit. Aber konnte man an der Baustelle überhaupt solche Arbeitermengen einsetzen? Rieppel verneint diese Frage. 6000, höchstens 8000 Männer waren das Maximum, Vielleicht war man sogar mit 4000 Arbeitern ausgekommen – mehr hatten in dem großen Gebäude, das es einst neben der Cheops-Pyramide gegeben haben muss, auch gar nicht Platz. So beginnt sich die Vorstellung von den Pyramiden als einer Stätte frevelhafter Menschenschinderei allmählich zu wandeln. Mag sein, dass die Männer der Baukolonnen glücklich darüber waren, an den göttlichen Bauten mitwirken zu dürfen. Die Namen der Bautrupps, durch Hieroglypheninschriften überliefert, lassefi diesen Schluss jedenfalls zu.

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Info 18.01.2018 05:02
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