Die Frühzeit Vorderasiens

Unter Vorderasien versteht man heute das Gebiet der (asiatischen) Türkei, Syriens, des Libanon, Israels, Jordaniens, Saudi-Arabiens, des Irak und Iran sowie Afghanistans. In der Frühgeschichte beherrschten dieses Gebiet nacheinander Sumerer, Babylonier, Assyrer und Perser, aber auch Hethiter, Hebräer und Phönizier. Am Rande spielten auch Elamiten, Churriter, Urartäer und Aramäer eine Rolle. Meist ging das Wissen um diese Kulturen mit deren Niedergang verloren, ihre Wiederentdeckung und Erforschung war lange Zeit wegen administrativer Eingriffe erschwert. Außerdem erwiesen sich die meisten Gebiete als schwer zugänglich. Die Entwicklung der Schrift In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden unsere Kenntnisse über Vorderasien vor allem durch die Entzifferung der altpersischen Keilschrift erweitert. Eine dreisprachige (babylonische, elamitische, altpersische) Felsinschrift gab uns den Schlüssel in die Hand für das bessere Verständnis einer großen Zahl assyrischer, babylonischer und sumerischer Keilschrifttexte. Die Keilschrift entwickelte sich im späten 4. Jahrtausend v. Chr. aus der von den Sumerern im südlichen Mesopotamien verwendeten Bilderschrift. Der Sprache der Sumerer bediente man sich im frühen 2. Jahrtausend v. Chr. nicht mehr. Die von ihnen verwendete Keilschrift behielten aber ihre Erben, die Babylonier, bei. Sie verwandten diese Schrift für ihre eigene Sprache, das Akkadische, das zur semitischen Sprachgruppe gehört. Das Akkadische unterschied sich wesentlich von der sumerischen Sprache. Die Entzifferung der Inschriften
Auch andere akkadisch sprechende Volksgruppen, insbesondere die Assyrer, benutzten die Keilschrift. Die gleiche Schrift, mit relativ kleinen Änderungen, wurde in anderen Teilen Vorderasiens für weitere, ganz unterschiedliche Sprachen wie Hethitisch, Elamitisch, Churritisch und Urartäisch verwendet. Das gleiche Prinzip – wechselnde Gruppen keilförmiger Zeichen – gebrauchten die Achämeniden für die einfachere altpersische Schrift, ebenso auch die Phönizier für ihre Buchstabenschrift, einen Vorläufer unseres heutigen Alphabets. Verständnis und Studium der Keilschrift und ähnlicher Schriften wurden gefördert, als es 1872 gelang, die assyrische Fassung der biblischen Geschichte von der Sintflut zu entziffern, die auf einer Tafel in Ninive im nördlichen Irak entdeckt wurde. Andere Keilschrifttexte konnte man leichter entschlüsseln, weil das Akkadische, in der viele geschrieben waren, eine semitische Sprache ist. Das Akkadische ist mit dem Hebräischen, Aramäischen und Arabischen verwandt, die wir relativ gut kennen. Die Texte der Inschriften sind fast alle in Keilschrift geschrieben, gelegentlich werden sie ergänzt durch Texte in anderen Schriften, z. B. durch Hieroglyphen des Hethitischen, Bodenfunde ergänzen die einzelnen Textaussagen. Für die Kenntnis prähistorischer Perioden, also der Zeiten vor der Erfindung der Schrift, sind Ausgrabungen die wichtigste Informationsquelle. Die geographische Lage und das Klima
Die Gebiete Vorderasiens, in denen sich die großen Kulturen der Frühzeit entwickelten, unterscheiden sich in bezug auf geographische Lage, Klima, Wirtschaftsbedingungen usw. Von den Küsten des Schwarzen Meeres und des Mittelmeers steigt das Land steil zum anatolischen Hochland an. Das Zentrum dieses Hochlands ist ein Wüstengebiet, im nördlichen Zentralanatolien lag innerhalb einer Schlinge des Flusses Kizilirmak (im Altertum Halys genannt) die alte Hauptstadt der Hethiter Hattusa – in der Nähe des Dorfes Bogazköy (heute Bogazkale), östlich von Ankara. Die Ruinen der Hethiterstadt wurden 1834 von dem Franzosen Charles Texier (1802-71) entdeckt. Ausgrabungen erfolgten in den Jahren 1905-07 und 1911-12, weitere Freilegungen 1931-39. Im Süden sperrt das Taurusgebirge den Weg aus der kilikischen Ebene, im äußersten Osten und Nordosten behindern hohe Berge (darunter der 5165 m hohe Ararat) jeden Verkehr mit den Nachbarländern. In diesem Gebirge entspringen auch die Flüsse Euphrat und Tigris. Zunächst fließen beide Ströme nach Westen. Dann wenden sie sich nach Südosten, bilden den größten Teil des »Fruchtbaren Halbmondes« und bewässern die Ebenen Mesopotamiens. In dieser Ebene lagen die Hauptstädte der alten Imperien – vor allem Babylon, Assur und Ninive. Westlich Mesopotamiens liegen die Wüste, die Flusstäler des Jordan und Orontes und schließlich die Mittelmeerküste. Durch die schroffe Sagroskette im Osten Mesopotamiens winden sich Täler zu der trockenen iranischen Hochebene hinauf. Dort lagen das elamitische Susa und die achämenidisch-persischen Hauptstädte Pasargadä und Persepolis. Die früheste Besiedlung Westasiens
In einigen dieser Gebiete haben Ausgrabungen die Vermutung bestätigt, dass diese schon 9000 v. Chr. von Menschen besiedelt waren. Wilde Getreidearten wuchsen fast überall in Vorderasien. Ackerbau ist allerdings erst für 6000 v. Chr. nachgewiesen. Von da an liefert der systematische Anbau von Getreide (»des Menschen kostbarstes Erzeugnis«) eine sichere Basis für den Lebensunterhalt. Allmählich wuchs die Bevölkerungszahl, Arbeitskräfte wurden für andere Tätigkeiten frei. Im Handwerk und Handel, in der Verwaltung und Religion trat eine Spezialisierung ein. Dies war die Voraussetzung dafür, dass sich differenzierte Gesellschaften unterschiedlicher Organisation und unterschiedlicher Kulturhöhe ausbilden konnten.

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Info 14.12.2017 16:07
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