amo

Die Sumerer (4000 bis 2000 v. Chr.)

Die zum Teil freigelegte Stadt Eridu ist die bisher älteste in Babylonien gefundene Siedlung. Sie liegt etwa 19 km südwestlich vom »Ur der Chaldäer« nach der Bibel die Heimat Abrahams. Einer Überlieferung zufolge hielten die Sumerer Eridu für die erste der fünf Städte, die vor der Sintflut bestanden. Ausgrabungen haben diese Annahme bestätigt. Spätere prädynastische Siedlungsperioden, die sich über mehr als vier vorchristliche Jahrtausende erstrecken, hat man nach den bedeutendsten Grabungsstätten im Zweistromland benannt: Tell-el-Obed (bei Ur), Uruk und Dschemdet-Näsr (bei Babylon). Zeugnisse dieser Zeit
Die früheste Siedlung bei Eridu bestand offenbar aus Schilfhütten, teils aus Lehmziegelhäusern. Die Entwicklung in den folgenden prädynastischen Zeiträumen ist gekennzeichnet durch die Abfolge, in der bemalte Keramik, Fischerboote und Jagdschleudern, Feuerstein und Obsidian klingen, Sicheln aus gebranntem Ton, Schrift und Töpferscheibe, Pflug und Kampfwagen, Rundplastik sowie Gefäße aus Silber, Kupfer und Blei auftreten. Die Schrift kannte man in der Uruk-Zeit seit etwa 3000 v. Chr. Nicht gesichert ist, ob die Sumerer sie schon mitbrachten (möglicherweise kamen sie aus Chusestan, einem Gebiet am Rande des Sagrosgebirges) oder ob sie sie erst im Zweistromland entwickelten. Die sumerische Königsliste enthält eine Reihe von Herrschern vor der Sintflut, deren Existenz man historisch allerdings nicht belegen kann. Ob die Sintflut der sumerischen und hebräischen Überlieferung mit den trockenen vorsumerischen Schichten in Ur, Kisch und Schuruppak in Zusammenhang gebracht werden kann, ist ebenfalls nicht gesichert. Ziusudra von Schuruppak, der die Sintflut überlebt haben soll, ist aus dem Epos des Gilgamesch als der Mann bekannt, der den Samen lebender Dinge bewahrte und unsterblich war. Es war aber in Kisch, wo nach der Sintflut »das Königtum auf Erden wiedereingesetzt wurde«. Die erste Dynastie von Ur
Von den ersten Königen ist wenig bekannt. Nach einem Kampf übernahm der berühmte Gilgamesch von Uruk die Herrschaft, aus der sich die erste Dynastie entwickelte. Die Namen einiger Nachfolger sind historisch fassbar, gefunden hat man wahrscheinlich auch die großartige Königsnekropole. Hier entdeckte man kostbare Grabbeigaben, darunter auch das Mosaik der »Königlichen Standarte von Ur«, das Szenen aus Krieg und Frieden zeigt. Es besteht aus Muscheln, Lapislazuli und rotem Kalkstein. Über die Zeit nach der ersten Dynastie von Ur sind uns nur wenige aussagefähige Quellen bekannt. Eine Ausnahme bildet Lagasch, wo die königliche Herrschaft durch Ur-Nansche begründet wurde. Seine Macht bekunden Bauten, Kunstwerke (die zum Teil noch recht archaisch und roh sind) und Inschriften. Letztere weisen auf Holzladungen aus dem Persischen Golf hin. Ur-Nansches Enkel Eannatum errang eine überragende Stellung in Sumer. Er eroberte Mari am Euphrat und Subur, das wahrscheinlich im Norden lag. Die Vorherrschaft von Lagasch wurde durch Eannatums Neffe Entemena gefestigt. Für die weitere Geschichte der frühen Dynastie von Lagasch, ja, über Sumer als Ganzes ist die Quellenlage ebenfalls schwierig. Jedoch weiß man von Urukagina, dass er im 24. Jahrhundert v. Chr. regierte und verschiedene soziale Reformen einführte. Er wurde von Lugalzaggisi von Umma gestürzt den wiederum entthronte, nach energischer und offensichtlich erfolgreicher Regierungszeit, Sargon der Große von Akkad (um 2340-2284 v. Chr.). Sargon der Große, König von Akkad Sargon, von semitischer Herkunft, stürzte Lugalzaggisi und unterwarf die sumerischen Stadtkönige in Mesopotamien. Er schuf das erste semitische Großreich, das vom persischen Randgebirge bis Syrien und Kleinasien reichte. Aufstände gegen seine Herrschaft schlug er nieder, als sein Nachfolger regierte sein Enkel Naram-Sin ruhmreich 37 Jahre lang. Sargons Dynastie endete mit dem Einbruch der Gutäerstämme Nomaden aus den nördlichen Gebirgen. Sie galten in dem babylonischen Kulturland als Barbaren und hinterließen nur wenig fassbare Spuren. Trotz der Gutäer-herrschaft konnte Fürst Gudea von Lagasch ein neues sumerisches Reich mit hoher Kultur begründen (u. a. in den Städten Lagasch, Ur, Uruk und Nippur). Die Gutäer wurden von Utuchegal von Uruk vertrieben, dieser wiederum von seinem General Urnammu gestürzt, der die dritte Dynastie Ur gründete. Die dritte Dynastie von Ur
Urnammu nannte sich »König von Sumer und Akkad«. Seine 18jährige Regierungszeit war eine Epoche mit bemerkenswertem Wohlstand. Das belegen viele großartige öffentliche Bauten. Dazu gehört auch die Wiederherstellung einer direkten Schifffahrtsstraße zum Golf. Sein Nachfolger Schulgi (etwa 2093-2046 v. Chr.) erweiterte seinen Herrschaftsbereich im Nordosten und Osten in Auseinandersetzungen mit Gutäern und Churritern. Mit seinen Briefen und Königshymnen erwarb er auch literarischen Ruhm, er soll außerdem ein Meister auf acht Musikinstrumenten gewesen sein. Sein zweiter Nachfolger Schu-Sin (Regierungszeit um 2036-2028 v. Chr.) musste Übergriffe aus dem Westen abwehren. Ibbi-Sin (um 2027-2003 v. Chr.) besiegte die Amöriter (unter Ischbi-Erra von Mari). Der sumerische Staat unterlag schließlich den Elamiten, die Ur um 1960 v. Chr. eroberten.

emu