Der zusammengesetzte General

Der General war schon mehrmals in dem Hotel abgestiegen, und der Portier wusste auch sofort wieder Bescheid. »Der Boy steht Ihnen jederzeit zur Verfügung, mein Herr«, sagte er. »Sie brauchen nur zu klingeln.« Und seinem Kollegen, der ihn hinter der Empfangstheke ablöste, raunte er eine Weile später zu: »Armer Kerl, der General! Hat allerlei mitgemacht! Ein Bein verloren, einen Arm verloren und sogar ein Auge verloren! Lässt sich aber nichts anmerken! Hat mehr Humor als viele Gesunde!« Der Hotelboy, ein Negerjunge, hatte von diesem Gespräch allerdings nichts gehört, und als er am frühen Abend zum General geschickt wurde, raunte ihm der Portier lediglich zu, dem alten Herrn beim Zubettgehen behilflich zu sein. Sam hatte dem General eben geholfen, den Rock auszuziehen, da sagte dieser: »So, und nun nimm mir das Bein ab!« Er sagte es in einem so sachlichen Ton, wie man etwa bittet, das Fenster zu schließen. Sam glaubte, er müsse sich verhört haben. Aber da drehte sich der General nach ihm um und meinte: »Dann muss ich es eben selber machen!« Und er schnallte sein hölzernes Bein ab und legte es auf die Schuhbank. »So, jetzt nimm wir wenigstens den Arm ab, Sam!« lautete der nächste Befehl. Sam war schon ganz grau im Gesicht. »Massa«, rief er mit vor Angst krächzender Stimme, »ich habe noch niemandem einen Arm abgenommen!« »Das ist doch ganz einfach!« tat der General geringschätzig, schnallte auch seinen künstlichen Arm ab und legte ihn auf den Tisch. Der Negerjunge war schon ein paar Schritte rückwärts zur Tür gegangen, da rief ihm der General zu: »Komm her, heute will ich mir auch die Augen herausnehmen!« Und mit geübtem Griff entfernte er das Emailleauge aus der Augenhöhle. Sam starrte zitternd auf den unheimlichen Gast. Als dieser sich aber jetzt behaglich im Bett streckte und dem Jungen lachend zurief: »Nun komm schon her und nimm mir meinetwegen auch noch den Kopf ab!«, da war es bei Sam mit aller angelernten Selbstbeherrschung vorbei. Er stürzte aus dem Zimmer, die Treppen hinunter und in die Portierloge hinein. »Droben, auf Nummer dreizehn«, keuchte er, »das muss ein Spukgeist sein! Der Herr liegt da und reißt sich selber in Stücke.«