Zum Vortragen: Messer-Ballade

Sitzt der Vater mit dem Sohn
in der dämmerfahlen Stube,
schaut ihn an, spricht keinen Ton.
Hu! – Es zittert bang der Bube.
Gleich wird Schluss sein;
doch – es muss sein! »Bring ein Messer!« würgt er tonlos
endlich vor. »Doch – dass es tauge!«
Und dabei starrt er den Sohn groß
an mit glasig trübem Auge.
Gleich wird Schluss sein;
doch – es muss sein! »Nimm die Kerze in die Linke!
In der Rechten halt das Messer!
Heb’ es höher, dass es blinke!
So seh’ ich’s im Keller besser!«
Gleich wird Schluss sein;
doch – es muss sein! Und sie schleichen aus der Stube.
Vorneweg mit Dolch und Leuchter
wankt der zitterbange Bube;
von der Stirn perlt’s feucht und feuchter.
Gleich wird Schluss sein;
doch – es muss sein! VortragenMesser-Ballade Dunkle Treppen geht’s hinunter,
dann durch einen finst’ren Gang.
Schwarze Schatten huschen munter
an der Kellerwand entlang.
Gleich wird Schluss sein;
doch – es muss sein! In der letzten Kammer spricht
kalt der Vater: »Leuchte besser,
denn im Dunkeln seh’ ich nicht!
So ist’s gut! – letzt reich das Messer!«
Gleich wird Schluss sein;
doch – es muss sein! Und der Vater zückt den Stahl,
dass die blanken Schneiden blinken,
und – stößt zu!
—– Im Räuchersaal
schnitt er ab den letzten Schinken.
Zum wirkungsvollen Vortrag der Messerballade gehört, dass den Refrain »Gleich wird Schluss sein; doch – es muss sein« ein ganzer Chor düster schauender und noch düsterer sprechender Buben wiederholt.

Forum (Kommentare)A.Sauter 08.04.2017 um 21:17:49 Uhr.
Ich wüßte gern aus welchem Buch das Gedicht und die Zeichnung stammen,suche es schon seit Jahren Admin 12.04.2017 um 08:43:19 Uhr.
@A.Sauter
Gespenstergeschichten, dickes schwarzes buch. Ende 60er oder anfang 70er jahre, mehr infos habe ich leider nicht.