Der Fernschreiber von Leuchtturm am Roten Felsen

Der Oberingenieur der Leuchtturmgesellschaft zündete sich die dritte Zigarette an. Was sollte er tun? Ausgerechnet heute, am letzten Tag des alten Jahres, war der Wächter vom »Leuchtturm am Roten Felsen« erkrankt und musste abgelöst werden. Freilich gab es da Ersatzleute, die man schicken konnte. Der Oberingenieur hielt die Liste mit den Namen in Händen. Aber es waren alles Männer mit Familien, die den Jahreswechsel gerne mit ihren Frauen und Kindern gefeiert hätten! Wer weiß, seit wieviel Jahren es ihnen wieder einmal vergönnt war! Und nun hatten sie sich ganz darauf eingestellt … Während der Oberingenieur einem Rauchkringel nachstarrte, kam ihm der Gedanke, doch selber die paar Tage, die bis zur nächsten Wachablösung blieben, zum Roten Felsen zu gehen. Er kannte sich in den Obliegenheiten eines Leuchtturmwächters wie kein zweiter aus, und was seine eigene Bereitschaft als leitender Ingenieur betraf – die würde ihm sicher sein Freund, der im Dienst gleichzeitig sein Stellvertreter war, abnehmen. Nach ein paar Telefongesprächen war alles geordnet, und ein paar Stunden später schaute der Oberingenieur schon von der Plattform am Roten Felsen auf das Meer hinaus. Der Leuchtturm war nicht allzuweit vom Land entfernt, sodass man schon vor Jahren ein Kabel hinübergelegt hatte. Der angeschlossene Fernschreiber stand im Dienstraum. Kurz vor Mitternacht fing der Apparat zu ticken an. Der Oberingenieur nahm den Papier streifen zur Hand – er las den übermütigen Neujahrswunsch seines Freundes. »Und pass auf, wenn die Gespenster kommen!« schloss der Streifen. »Auf einem modernen Leuchtturm mit elektrischem Licht und Fernschreiber ist kein Platz mehr für Gespenster!« schrieb der Oberingenieur zurück. Aber bei sich selber dachte er, ohne jede Angst: Auch die Technik kennt das Unheimliche … Und während er so in der Glaskanzel saß, fielen ihm eigene Erlebnisse ein und später auch ein paar Berichte, die er irgendwo gehört oder gelesen hatte …