Der Autoerfinder und der Ausbrecher

Er hatte noch den grauweiß gestreiften Gefängnisanzug an und suchte nun ein Auto, das ihn möglichst weit aus dem Bereich der Suchtrupps bringen sollte. »Ah«, sagte er, als er um eine neue Ecke bog und hundert Schritt weiter vorne in der Abenddämmerung die dunkle Silhouette eines Wagens erblickte. »Oh«, seufzte er, nachdem er mit geübten Griffen die verschlossene Türe erbrochen hatte. Er merkte gleich, dass er an einen Wagen geraten war, dessen Zündschloss eine besondere Sicherheitsvorrichtung besaß. Aber schließlich hatte er sich nicht umsonst seine alte »Autoschlüsselsammlung« ins Gefängnis schmuggeln lassen. Mit einem geeigneten anderen Schlüssel würde er schon – patsch, die Sicherung war draußen! Sämtliche Sicherungen schienen gleichzeitig durchgebrannt zu sein. »Sicher der Wagen von einem Verrückten!« knirschte der entsprungene Häftling böse und stieg aus. Er würde den Motor auch so anbringen. Der Mann, der an einem unbeleuchteten Fenster des gegenüberliegenden Hauses stand, nickte beifällig. Dann schritt er gemächlich zum Telefon. Wenig später hatte der Ausbrecher tatsächlich den Motor in Gang gebracht. Er warf die Motorhaube zu und schwang sich wieder hinter das Steuerrad, schob ungeduldig den ersten Gang ein, löste die Bremse. Aber in dem gleichen Augenblick, da sich der Wagen in Bewegung setzte, fing eine Hupe zu dröhnen an – das Überfallkommando mochte keinen größeren Lärm machen. »Egal!« knirschte der Ausbrecher. »Nur weg von hier! Nur rasch weg!« Trotz kreischender Hupe wäre die Flucht wohl auch – wenigstens zunächst – geglückt, wenn der Wagen nicht nach zehn, zwanzig Metern wie von Geisterhänden abgestoppt worden wäre. Der Motor, der eben noch so vollgelaufen war, setzte aus. Der Wagen rollte noch langsam bis zur nächsten Straßenlaterne und blieb dann mitten in ihrem Lichtkegel endgültig stehen. Als der Ausbrecher den Wagen verließ, bogen von vorn und von hinten bereits zwei Polizeiwagen in die einsame Straße ein. An Flucht war nicht mehr zu denken. Der Besitzer des Wagens aber, der den Vorfall vom Fenster aus gesehen und der Polizei gemeldet hatte, steckte seinen »Selbstwählschlüssel«, der sechsunddreißig Kombinationen zuließ, in das Zündschloss – und schon öffnete sich das magnetisch gesteuerte Kraftstoffventil, das an einer unzugänglichen Stelle im Motor die Benzinzufuhr abgedrosselt hatte, und der Wagen fuhr im Rückwärtsgang die wenigen Meter zu dem alten Abstellplatz zurück. »Mein Auto stiehlt mir so leicht niemand«, meinte der Besitzer noch zu dem Polizeiwachtmeister, der ihn als Zeugen um die Personalien bat, und er gab ihm seine Visitenkarte. Als Beruf war dort »Erfinder« angegeben.