Das Experiment mit dem Pullover

Nach dem Geburtstagskaffee hielten es die Jungen nicht mehr an der Festtafel aus. Die Kaffeekannen waren leer, die Kuchenberge abgetragen – was sollte man also noch sitzen bleiben? Otto, der Vetter, hatte einen Einfall. »Habt ihr einen Spazierstock im Haus?« fragte er. Die Zwillinge rannten und schleppten den Spazierstock des Großvaters herbei. Währenddessen hatte sich Otto von Tante Helga eine Postkarte geben lassen. Den Spazierstock legte er nun über eine Stuhllehne und balancierte ihn sorgsam aus, sodass er im Gleichgewicht lag. Schließlich reichte Otto die Postkarte herum; es war ein Urlaubsgruß von irgendeiner Tante, und es war keine Besonderheit an der Karte festzustellen. Otto rieb die Karte mehrmals über den Ärmel seines Pullovers, während er geisterhafte Sprüche murmelte. Dann hielt er die Karte in einem Abstand von etwa fünf Zentimetern an den Griff des Spazierstocks. Der Stock bewegte sich, schwankte, fiel polternd auf den Boden herunter. Dabei hatte Otto den Stock ganz bestimmt nicht berührt! Alle hatten ihn genau beobachtet.
»Noch einmal!« baten die Zwillinge.
Otto nickte gönnerhaft. Und diesmal sahen auch Onkel und Tante kritisch zu. Aber es war wie beim ersten Mal: Kaum hatte Otto die Spukkarte in die Nähe des Stockes gebracht, als dieser auch schon aus dem Gleichgewicht rutschte. Die Zwillinge machten große Augen.
»Damit ihr euch aber nun nicht fürchtet«, erklärte Otto, nachdem er sich lange genug hatte anstaunen lassen, »will ich euch verraten, dass meine Spukkarte kein bisschen verhext ist. Durch das Reiben mit Wolle ist sie lediglich elektrisch aufgeladen worden und bringt – ähnlich wie ein Magnet – den Stock aus seiner ausbalancierten Lage.« Otto rieb die Karte noch einmal tüchtig an seinem wollenen Pullover. Dann hielt er sie dicht über das Haar von Bruno, dem einen der Zwillinge. Und diesem standen daraufhin buchstäblich die Haare zu Berge.

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Info 24.09.2017 - 03:16
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