Wie man Gespenstergeschichten erzählt

Ein paar Regeln für Jugendführer – und natürlich auch für Führerinnen, denn Mädchen hören Gespenstergeschichten kaum weniger gern als Jungen. 1. Erzählte Gespenstergeschichten sind wirkungsvoller als vorgelesene – wenn man sie erzählen kann! Auch das will nämlich geübt sein. Und wenn es sein muss, erst einmal daheim im Kohlenkeller! 2. Öftere Wiederholung eines bestimmten Ausdruckes erhöht meistens die Spannung – vorausgesetzt, dass man dabei nicht übertreibt.
Da erzählt man zum Beispiel: Jetzt war die Alte noch vier Meter von mir weg; in der linken Hand hielt sie das Kerzchen, in der rechten Hand so ein langes Messer. Jetzt war sie noch drei Meter von mir weg. Und in der linken Hand hielt sie das Kerzchen und in der rechten so ein langes Messer. Jetzt – jetzt war sie nur noch einen Meter, nur noch einen Meter von mir weg; in der linken Hand das Kerzchen … 3. Man muss beim Erzählen Sorge tragen, dass nicht nur den Ohren, sondern auch den Augen etwas Ungewöhnliches geboten wird; das kann ein Kerzenstumpen als einzige Beleuchtungsquelle sein oder eine Taschenlampe, die zur Decke strahlt oder in einer großen hohen Vase liegt; oder das Streichholz, das du anbrennst und auslöschst, während du gerade erzählst: … und da löschte mir der Wind das letzte Streichholz aus. 4. Die unsinnigste Gespenstergeschichte muss – doch noch einen Sinn haben! Meist ist es ja der: zu unterhalten und dabei in der etwas beängstigenden Atmosphäre ein kleines Erlebnis zu schaffen. Mitunter kann auch die Erkenntnis erstrebt werden: Was sich bisweilen so geheimnisvoll anlässt, stellt sich am Schluss ganz harmlos heraus! Niemals darf es uns darum gehen, Gespenstergeschichten zu erzählen, für die wir keine Lösung haben. So etwas ist nicht Aufgabe einer Gruppenstunde! Ganz abgesehen davon, dass wir den einen oder anderen damit nur fürchten machen. 5. Man sollte gewöhnlich keine Gespenstergeschichte erzählen, die länger als 10 Minuten dauert; die Hälfte tut es nämlich auch schon! Unsere Zuhörer werden sonst müde, und die Spannung lässt nach. 6. Gespenstergeschichten sollte man nicht zu oft erzählen! Auch wenn sie immer wieder gefragt sind! Hie und da, hauptsächlich im Winterhalbjahr gegen Ende der Heimstunde, und im Sommer am abendlichen Lagerfeuer; das ist genug!

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Info 20.11.2017 05:04
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