Schule: Gespielte Gespenster und Gespensterstreich

Kennt ihr schon die Sache mit der Geisterzahl? Edgar fragte es, und als wir alle verneinten, führte er uns den gespenstischen Trick gleich vor.
Aus einer Mappe nahm er eine beiderseits unbeschriebene Schiefertafel heraus, zeigte sie vor und wickelte die Tafel dann in einen Bogen Zeitungspapier. Wir sollten ihm nun eine zweistellige Zahl zurufen; diese würde dann, behauptete er, auf der Tafel erscheinen.
Und die Zahl erschien auch tatsächlich, sodass unser Gespenster-Unglaube für einen Augenblick ins Wanken geriet. Aber dann ließ uns Edgar hinter die Kulissen schauen und wir entdeckten den Trick.
Während wir Zuschauer uns nämlich leise über die Zahl besprachen, hielt Edgar die Tafel mit beiden Händen weit von sich gestreckt. Als wir uns schließlich geeinigt hatten und ihm »siebzehn« zuriefen, schrieb er mit dem linken Daumen die erste Ziffer, also eins, mit dem rechten Daumen die zweite Ziffer, nämlich sieben auf die Rückseite der Tafel. Für den Zuschauer war das nicht zu bemerken. Nun hatte er aber das Zeitungspapier vorher an der Stelle, die auf die Rückseite der Tafel zu liegen kommt, mit Schulkreide fest eingerieben. Als wir das erfahren hatten, war es für uns natürlich kein Geheimnis mehr, wieso die erwünschte Zahl auf der Tafel steht, sobald der Geisterbeschwörer die Tafel aus dem Zeitungspapier auspackt. Franz – er ist Piccolo im Hotel zum »Doppelköpfigen Adler« – erzählte uns von einem Gespensterstreich, der ihm eine – wie er sagte – beinahe gespenstische Ohrfeige eingetragen hat. Franz nahm ein rohes Ei, stach vorsichtig an beiden Enden hinein und trank es aus. Dann steckte er einen Käfer, den er gefangen hatte, in diese leere Eierschale, verschloss die beiden Öffnungen bis auf zwei winzige Luftlöcher mit Wachs und brachte das Ei einer Gesellschaft, die zu irgendeiner Feier zusammengekommen war und zum Abendessen unter anderem gekochte Eier verlangt hatte. Sein präpariertes Ei legte Franz einfach neben den Teller mit den übrigen Eiern.
Es sah wie eine kleine Achtlosigkeit aus und fiel niemandem auf. Bis sich das Ei auf einmal bewegte! Und zu rollen anfing! Jemand wollte schon mit der Hand danach greifen, da blieb es plötzlich liegen, um im nächsten Augenblick nach der anderen Seite zu rollen, ganz unregelmäßig und nach den verschiedensten Richtungen. Die Tischgäste wagten nicht mehr zu atmen.
In diesem Augenblick erschien der Ober mit den Salaten. Schleunigst griff Franz nach dem verhexten Ei, sagte zu den noch immer fassungslosen Leuten, er würde ihnen ein anderes bringen, und verschwand schleunigst im Garten, wo er dem Käfer wieder die Freiheit gab. Dann rannte er in die Küche zurück.
Der Ober schien nichts gemerkt zu haben, denn er kam in die Küche, ohne Franz Beachtung zu schenken. Aber plötzlich – der Piccolo wusste nicht, wie ihm geschah – klatschte es, und Franz hatte eine gesalzene Ohrfeige weg. »So«, sagte der Ober hinter ihm, »das ist dafür, dass du Gäste erschreckt hast! Und das hier« – der alte Ober hielt plötzlich eine große Portion Früchte mit Eis in der anderen Hand – »das hier ist für den gelungenen Streich!« Und er lachte und lachte noch lange. Heinrich, der für seine tollen Einfälle in der ganzen Gruppe bekannt ist, spielte auf der letzten Fahrt in der Scheune, wo er mit den anderen übernachtete, außerhalb der Geisterstunde das »Phosphorgespenst«. Und wenn er es auch den anderen angekündigt hatte, so machte sein Knochentanz doch einen ungeheueren Eindruck. In der Runde wagte man kaum mehr zu atmen.
Heinrich hatte sich mit Leuchtfarbe ein Knochengerippe auf Karton gemalt und sich die einzelnen Teile dann umgebunden. Die Füße freilich hatte er etwas kürzer gehalten, damit der Eindruck entstand, der tanzende Knochenmann würde über dem Boden schweben.
Wenn er sich umdrehte, so war er in der Dunkelheit kaum zu erkennen und konnte leicht in eine andere Ecke der Tenne huschen, um dort seinen Tanz von Neuem zu beginnen.
Einmal streifte er den Karton vom linken Arm ab, sodass es aussah, als würde seine rechte Knochenhand den linken Arm in der Luft schwenken.
Und als er am Schluss das gleiche Experiment mit seinem Kopf – Entschuldigung, mit dem gemalten Pappdeckelkopf machte, schrie Benno vor Schrecken laut auf.

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Info 20.11.2017 08:46
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