16 Ladies und die Fliegenden Untertassen

Noch hielten die braven Bürger den Atem an, weil sie beinahe jeden Abend über dem Himmel ihrer Stadt einen geheimnisvollen Flugkörper sahen, der nichts anderes sein konnte als eine Fliegende Untertasse; noch drehten sich die Stammtischgespräche um nichts anderes, da wurde die Polizei dringlich von einer anderen Stelle her alarmiert. Ein Streifenposten glaubte einer Diebesbande auf die Spur gekommen zu sein. Er hatte in einer abgelegenen Feldscheune vielerlei Stimmen und Geräusche wie Geschirrklappern gehört. Zwei Funkstreifenwagen brausten ab. Die Beamten umstellten die Scheune, drei rissen das morsche Holztor auf und brüllten gleichzeitig: »Hände hoch!« Mit schrillen Angstschreien fuhren da sechzehn Frauen von ihren Stühlen auf, nahmen die Hände hoch und harrten der schrecklichen Dinge, die nun kommen mussten. Aber es kamen nur gestammelte Entschuldigungen der Polizisten. Die Frauen hier waren nämlich lediglich zum gemeinsamen Kaffeetrinken zusammengekommen, weil keine ihrer Wohnungen für so viele Gäste Platz bot (und wahrscheinlich auch, weil die Ehemänner einen so ausgedehnten Kaffeeklatsch nicht allzugern sahen). Die unternehmungslustigen Frauen hatten die Scheune für ihre Zusammenkünfte vom Besitzer zur Verfügung gestellt bekommen und sich sogar eine fast drei Kilometer lange Lichtleitung legen lassen. Dass sich aber die Polizei eines Tages mit ihnen befassen würde, hatten sie sich nicht im Traum gedacht! Beim nächsten Kaffeeklatsch hatte man selbstverständlich Gesprächsstoff in Fülle. Als die Ladies aber nach acht Tagen wieder beisammensaßen, waren erneut die Fliegenden Untertassen an der Reihe. Die zuletzt angekommene Dame hatte nämlich eine aufsehenerregende Neuigkeit aus der Stadt mitgebracht: Der gespenstische Flugkörper war lediglich von einem Ingenieur aus Draht, Stanniolpapier, einigen Blitzlichtern und einem Uhrwerk zusammengebastelt worden. Diese Untertasse hatte er an einem Ballon etwa zweihundert Meter hochgelassen und den Apparat dann mit einer Spielzeugrakete in den »Raum« geschossen. Durch das Uhrwerk angetrieben, kreiste die Untertasse – von Blitzlichtern grell beleuchtet – am Himmel über der Stadt. Nicht einmal die Frau des Ingenieurs hatte eine Ahnung vom Steckenpferd ihres Mannes. Und dabei hatte sie selber sich die ganze Zeit so schrecklich vor diesen gespenstischen Untertassen gefürchtet!