Das Geisterpferd während der Brautzeit

Ich hatte am Nachmittag eine Einladung von Carnacki erhalten. Als ich zu ihm kam, saß er allein in seinem Zimmer. Bei meinem Eintreten erhob er sich mit auffallend steifen Bewegungen und streckte mir die linke Hand hin. Sein Gesicht war böse zerkratzt und voll blauer Flecke, und seine rechte Hand war bandagiert. Nachdem wir uns mit einem Händedruck begrüßt hatten, bot er mir seine Zeitung an, die ich aber dankend ablehnte. Daraufhin gab er mir einen Stapel Fotografien und kehrte zu seiner Lektüre zurück. Das ist typisch Carnacki. Er sagte kein Wort der Erklärung, und ich stellte keine Fragen. Ich wusste, dass er später alles erzählen würde. Etwa eine halbe Stunde lang beschäftigte ich mich damit, mir die Fotografien anzusehen; es waren in der Hauptsache »Schnappschüsse« (zum Teil mit Blitzlicht aufgenommen) eines ungewöhnlich hübschen jungen Mädchens; allerdings war es bei einigen Aufnahmen geradezu ein Wunder, dass ihre Schönheit so deutlich zum Ausdruck kam, denn sie machte darauf ein so entsetztes und verängstigtes Gesicht, dass man sich nur schwer des Gedankens erwehren konnte, sie habe sich im Augenblick der Aufnahme in unmittelbarer, überwältigend großer Gefahr befunden. Die Mehrzahl der Fotografien waren Innenaufnahmen, entstanden in verschiedenen Räumen und Korridoren. Das Mädchen war auf jedem einzelnen Bild zu sehen, mal im Hintergrund in ganzer Größe, mal mehr aus der Nähe aufgenommen, mal so, dass von ihr kaum mehr zu sehen war als eine Hand oder ein Arm, ein Teil ihres Kopfes oder ihres Kleides. Alle Aufnahmen waren offenbar mit einer ganz bestimmten Absicht gemacht worden; das Interesse des Fotografen hatte eindeutig nicht dem Mädchen, sondern seiner Umgebung gegolten; wie man sich vorstellen kann, machten sie mich natürlich außerordentlich neugierig. Als der Stapel fast zu Ende war, stieß ich auf eine Aufnahme, die mehr als ungewöhnlich war. Sie zeigte das Mädchen aufrecht stehend, und man konnte deutlich sehen, dass sie von dem grellen, plötzlich auf flammenden Blitzlicht überrascht worden war; sie hatte den Kopf ein wenig aufwärts gewandt und blickte nach oben, als sei sie plötzlich durch irgendein von dort kommendes Geräusch erschreckt worden. Direkt über ihr war – wie ein halbfertiges Gebilde, das sich aus dem Gespensterreich herabsenkt – der Umriss eines riesigen Pferdehufs zu erkennen. Ich betrachtete die Fotografie sehr lange und eingehend, ohne mir einen Reim darauf machen zu können; ich verstand nur soviel, dass die ganze Angelegenheit mit irgendeinem sonderbaren Fall Zusammenhängen musste, für den sich Carnacki interessierte. Als Jessop, Arkright und Taylor hereinkamen, streckte Carnacki schweigend die Hand nach den Fotografien aus, und ich gab sie ihm ebenso wortlos zurück; anschließend gingen wir alle ins Esszimmer zum Dinner. Nachdem wir eine Stunde, ohne viel zu reden, am Esstisch verbracht hatten, rückten wir unsere Sessel zu einer kleinen Runde zusammen, und Carnacki begann zur erzählen:
»Ich war im Norden oben«, sagte er langsam und von mehreren kräftigen Zügen an seiner Pfeife unterbrochen, »bei den Hisgins in Ost-Lancashire.« Es war rundherum eine höchst merkwürdige Geschichte, und wenn ich sie euch fertig erzählt habe, meine Lieben, werdet ihr mir sicher zustimmen. Ich hatte schon, bevor ich hinfuhr, verschiedentlich von der ›Pferdegeschichte‹, wie sie genannt wird, gehört, aber ich wäre nie auf den Gedanken gekommen, dass ich je etwas damit zu tun haben könnte. Inzwischen weiß ich, dass ich sie nie richtig ernst genommen hatte – trotz meiner Grundregel, alle Dinge unvoreingenommen zu betrachten. Wir Menschen sind eben komische Geschöpfe! Also, ich bekam ein Telegramm von Captain Hisgins, in dem er mich um einen Termin für eine Besprechung bat. Offenbar hatte er irgendwelche Schwierigkeiten. Ich schlug einen Termin vor, und der alte Captain Hisgins kam persönlich her. Er erzählte mir eine Unmenge Einzelheiten über die Pferdegeschichte, die mir neu waren, obwohl ich sie in ihren Hauptzügen natürlich längst kannte. Zumindest wusste ich, dass jede erstgeborene Tochter der Hisgins während der Brautzeit von dem Geisterpferd verfolgt wird. Ihr seht schon jetzt, dass es eine höchst ungewöhnliche Geschichte ist; mir war sie zwar schon lange bekannt, doch hielt ich sie, wie gesagt, eigentlich immer mehr für ein altes Ammenmärchen. Da die Erstgeborenen dieser Familie seit sieben Generationen immer nur Jungen gewesen sind, war das Ganze sogar für die Hisgins selbst kaum noch mehr als ein Märchen. Um aber auf die Gegenwart zurückzukommen: in dieser Generation ist das älteste Kind der Hisgins ein Mädchen. Sie wurde im Freundes und Familienkreis häufig damit aufgezogen, dass sie seit sieben Generationen die erste weibliche Erstgeborene sei und sich entweder alle männlichen Freunde streng vom Leibe halten oder in ein Kloster gehen müsse, wenn sie dem Fluch entgehen wolle. Und das zeigt, wie ich meine, zur Genüge, wie wenig ernst man die alte Überlieferung nahm. Oder seid ihr da anderer Ansicht? Vor zwei Monaten nun verlobte sich Miss Hisgins mit Beaumont, einem jungen Marineoffizier, und am Abend der Verlobung, noch bevor sie offiziell bekanntgegeben worden war, ereignete sich etwas höchst Ungewöhnliches, das Captain Hisgins dazu veranlasste, mich aufzusuchen, und schließlich zur Folge hatte, dass ich hinfuhr, um die Angelegenheit zu untersuchen. Aus den alten Familienchroniken und Berichten, die man mir anvertraute, erfuhr ich, dass es ohne jeden Zweifel in der Zeit bis vor etwa hundertfünfzig Jahren einige sehr ungewöhnliche und unerfreuliche Vorfälle gegeben hatte, um es so nüchtern wie möglich auszudrücken. In den zwei, jenem Zeitpunkt vorausgegangenen Jahrhunderten waren fünf von sieben erstgeborenen Kindern Mädchen gewesen. Jedes dieser Mädchen wuchs heran und verlobte sich, und jedes starb während der Verlobungszeit: zwei durch Selbstmord, eins stürzte aus dem Fenster, eins starb an ›gebrochenem Herzen‹ (wahrscheinlich an einem Herzschlag, verursacht durch einen plötzlichen heftigen Schock), und das fünfte Mädchen wurde eines Abends im Park ermordet; allerdings scheint niemand genau gewusst zu haben, wie sich der Mord im einzelnen abgespielt hat; man hatte offenbar den Eindruck, sie sei von einem Pferd erschlagen worden. Jedenfalls wurde sie tot aufgefunden. Nun kann es natürlich sein, dass alle diese Todesfälle – sogar die Selbstmorde – natürliche Ursachen hatten – ich meine, natürlich zum Unterschied von übernatürlich, versteht ihr? Aber auf jeden Fall hatten die jungen Mädchen während ihrer Brautzeit zweifellos ungewöhnliche und erschreckende Dinge erlebt; denn in allen Berichten wird entweder das Wiehern oder der galoppierende Hufschlag eines unsichtbaren Pferdes erwähnt, außerdem kommen darin noch eine ganze Reihe weiterer eigenartiger und recht unerklärlicher Erscheinungen zur Sprache. Ich glaube, ihr versteht jetzt allmählich, wie ungewöhnlich die Sache war, die ich hier zu untersuchen hatte. Einem der Berichte war zu entnehmen, dass die gespenstischen Verfolgungen der Mädchen so hartnäckig und grausig gewesen sein mussten, dass zwei der jungen Männer ihren Bräuten praktisch davonliefen. Und das, glaube ich, überzeugte mich mehr als alles andere davon, dass mehr dahintersteckte als nur eine zufällige Folge unangenehmer Zwischenfälle. Alle diese Dinge fand ich bereits in den ersten paar Stunden meines Aufenthalts heraus, und daraufhin untersuchte ich die Sache, die sich am Abend der Verlobung von Miss Hisgins und Beaumont ereignet hatte, mit größter Sorgfalt. Wie es scheint, waren die beiden direkt nach Einbruch der Dunkelheit, noch bevor im Haus die Lampen angezündet wurden, durch den langen Korridor im Parterre gegangen, als plötzlich dicht neben ihnen ein grauenhaftes Wiehern erklang. Unmittelbar danach erhielt Beaumont einen heftigen Schlag oder Stoß, der ihm den rechten Unterarm brach. Dann kamen die übrigen Familienmitglieder und die Dienerschaft herbeigelaufen, um nachzusehen, was passiert war. Man brachte Licht und durchsuchte das ganze Haus, doch man fand nichts Ungewöhnliches. Ihr könnt euch die Aufregung im ganzen Haus und das halb ungläubige, halb gläubige Gerede über die alte Sage vorstellen. Später dann wurde der alte Captain davon wach, dass er ein riesiges Pferd rund um das Haus herumgaloppieren hörte. In den nächsten Tagen behaupteten sowohl Beaumont als auch das junge Mädchen mehrmals, nach Einbruch der Dunkelheit in dem einen oder anderen Zimmer oder Korridor dicht neben sich Hufschläge gehört zu haben. Drei Nächte später wurde Beaumont mitten in der Nacht durch ein eigenartiges Wiehern geweckt, das aus der Richtung zu kommen schien, in der das Schlafzimmer seiner Braut lag. Er holte hastig ihren Vater, und gemeinsam liefen sie in ihr Zimmer. Sie fanden das Mädchen wach und geradezu krank vor Angst und Entsetzen vor; auch sie war durch das Gewieher, das unmittelbar neben ihrem Bett erklungen war, aufgewacht. Am Abend vor meiner Ankunft hatte sich wieder ein sonderbarer Zwischenfall ereignet, und alle waren, wie ihr euch vorstellen könnt, fürchterlich nervös und überreizt. Wie ich schon erwähnte, brachte ich den größten Teil des ersten Tages damit zu, mich über die Einzelheiten näher zu orientieren; aber nach dem Dinner hatte ich keine rechte Lust mehr und spielte für den Rest des Abends mit Beaumont und Miss Hisgins Billard. Gegen zehn Uhr machten wir Schluss und tranken noch einen Kaffee, dabei ließ ich mir von Beaumont genau und ausführlich erzählen, was am Abend zuvor geschehen war. Er und Miss Hisgins hatten still und friedlich im Boudoir ihrer Tante gesessen; die alte Dame war als Anstandsdame zugegen und las. Es wurde bereits dunkel, deshalb stand die Lampe neben der alten Dame auf dem Tisch. Die übrigen Lampen im Haus waren noch nicht angezündet, weil die Dämmerung früher als gewöhnlich hereingebrochen war.
Die Tür zur Halle stand offen, und plötzlich sagte das Mädchen: ›Pscht! Was ist denn das?‹
Sie horchten beide, und dann hörte es auch Beaumont – ein Pferd war draußen vor der Haustür.
›Vielleicht dein Vater?‹ meinte er, aber sie erinnerte ihn daran, dass ihr Vater nicht ritt.
Natürlich war beiden sehr mulmig zumute, wie ihr euch denken könnt, aber Beaumont versuchte angestrengt, dagegen anzukämpfen, und ging in die Halle, um nachzusehen, ob jemand an der Haustür sei. In der Halle war es ziemlich dunkel, aber die Glasscheiben der inneren Windfangtür hoben sich deutlich als scharfumrissener heller Fleck von der Dunkelheit ab. Er ging darauf zu und schaute durch die Scheibe auf die Auffahrt hinaus, doch dort war nichts zu sehen. Er war verwirrt und nervös und machte kurz entschlossen die Tür auf und trat auf die Auffahrt hinaus. Im nächsten Moment schlug die große, schwere Eingangstür krachend hinter ihm zu. Er erzählte mir, dass er plötzlich das scheußliche Gefühl hatte, in eine Falle gegangen zu sein – genauso drückte er sich aus. Er wirbelte herum und packte den Türgriff, aber es war, als ob ihn jemand von innen festhielt. Doch noch bevor sich dieses Gefühl zu einem klaren Gedanken verdichtet hatte, gelang es ihm plötzlich, den Griff herumzudrehen und die Tür zu öffnen. Er blieb einen Augenblick auf der Schwelle stehen und spähte in die Halle; er war noch so durcheinander, dass er sich nicht ganz darüber im Klaren war, ob er nun wirklich Angst hatte oder nicht. Dann hörte er, wie ihm seine Braut irgendwo in der grauen Dämmerung der großen, unbeleuchteten Halle eine Kusshand zuwarf, und er wusste, dass sie das Boudoir verlassen hatte und ihm gefolgt war. Er warf ihr ebenfalls eine Kusshand zu und trat einen Schritt vor, um zu ihr zu gehen. Und dann wurde ihm plötzlich mit blitzartiger, Übelkeit erregender Sicherheit klar, dass ihm die Kusshand nicht seine Braut zugeworfen hatte. Er wusste, dass irgendeine Kraft versuchte, ihn allein in die Dunkelheit zu locken, und dass das Mädchen das Boudoir überhaupt nicht verlassen hatte. Er sprang zurück, und im selben Augenblick hörte er wieder eine Kusshand, diesmal in größerer Nähe. Er schrie, so laut er konnte, ›Mary, bleib im Boudoir! Rühr dich nicht aus dem Zimmer, bis ich zu dir komme!‹ Er hörte, wie sie ihm aus dem Boudoir eine Antwort zurief. Dann zündete er ein gutes Dutzend Streichhölzer auf einmal an, hielt sie hoch über seinen Kopf und sah sich in der Halle um. Sie war vollkommen leer; doch kaum waren die Streichhölzer abgebrannt, da hörte er ein riesiges Pferd die Auffahrt hinuntergaloppieren. Nun hatten zwar beide, sowohl er als auch das junge Mädchen, das galoppierende Pferd gehört, aber als ich mich genauer erkundigte, stellte sich heraus, dass die Tante nichts gehört hatte; dazu ist allerdings zu sagen, dass sie ein bisschen schwerhörig ist und sich außerdem weiter hinten im Zimmer aufgehalten hatte. Natürlich waren Beaumont und Miss Hisgins übernervös und in einem Zustand, in dem sie alles mögliche hörten. Die Tür konnte auch durch einen plötzlichen Windstoß zugefallen sein, oder vielleicht war irgendwo im Haus eine Tür aufgemacht worden, und durch den so entstandenen Durchzug konnte die Tür zugeschlagen sein. Dass sich der Türgriff nicht hatte drehen lassen, mag vielleicht nur daran gelegen haben, dass er ein wenig geklemmt hatte. Die Kusshände und das galoppierende Pferd hinwiederum hätten sich, wie ich zu erklären versuchte, vielleicht als ganz normale Geräusche entpuppt, wenn die beiden nicht so nervös gewesen wären und ruhig überlegt hätten. Ich wies Beaumont darauf hin – und er wusste es ja auch selbst -, dass der Wind den Hufschlag eines galoppierenden Pferdes sehr weit trägt, möglicherweise hatte er also nichts weiter gehört als einen irgendwo in der Ferne vorbeigaloppierenden Reiter. Und die Kusshände – nun ja, eine Unmenge leiser Geräusche wie das Rascheln von Papier oder von trockenem Laub klingen einigermaßen ähnlich, besonders wenn man überreizt ist und sich ohnehin leicht etwas einbildet. Ich beendete meine kleine Predigt zum Thema gesunder Menschenverstand und Hysterie, während wir die Lichter löschten und das Billardzimmer verließen. Aber weder Beaumont noch Miss Hisgins wollten zugeben, dass ihnen ihre Phantasie einen Streich gespielt hatte. Wir hatten inzwischen das Billardzimmer verlassen und gingen den Korridor entlang, und ich bemühte mich immer noch nach Kräften, den beiden die normalen, alltäglichen Möglichkeiten des Vorfalls klarzumachen, als mir, wie man so sagt, alle Argumente aus der Hand geschlagen wurden, weil plötzlich aus dem dunklen Billardzimmer, das wir eben verlassen hatten, Hufschläge erklangen. Ich spürte, wie sich mir buchstäblich alle Haare sträubten und mich von oben bis unten eine Gänsehaut überlief. Miss Hisgins schnappte nach Luft wie ein Kind, das Keuchhusten hat, und rannte schluchzend und schreiend den Korridor entlang. Beaumont jedoch fuhr auf dem Absatz herum und sprang ein paar Meter zurück. Auch ich wich, wie ihr euch vorstellen könnt, ein wenig zurück.
›Da ist es‹, sagte er leise und atemlos. ›Vielleicht glauben Sie mir jetzt.‹
›Irgend etwas ist bestimmt da‹, flüsterte ich, ohne den Blick von der geschlossenen Tür zum Billardzimmer abzuwenden.
›Pscht!‹ murmelte er. ›Da ist es wieder. ‹ Es hörte sich an, als ob ein riesiges Pferd mit langsamen, bedächtigen Schritten im Billardzimmer umhertrabte. Kaltes Grausen packte mich, so dass es mir unmöglich schien, richtig durchzuatmen; ihr kennt ja dieses Gefühl; und dann merkte ich, dass wir rückwärts gegangen sein mussten, denn wir befanden uns plötzlich am anderen Ende des langen Korridors. Dort blieben wir stehen und horchten. Die Hufschläge erklangen mit entsetzlicher Bedächtigkeit ruhig und gleichmäßig weiter, als ob es der Bestie eine Art bösartiges Vergnügen bereitete, das Zimmer, in dem wir uns eben noch aufgehalten hatten, von einem Ende zum andern zu durchwandern. Dann folgte eine Pause und eine lange Zeit absoluter Stille, in der nichts zu hören war als das aufgeregte Wispern einiger Leute, das eindeutig aus der großen Halle unten kam. Vermutlich hatten sie sich um Miss Hisgins geschart, weil sie glaubten, sie dadurch schützen zu können. Etwa fünf Minuten, würde ich sagen, standen Beaumont und ich wie festgenagelt am Ende des langen Korridors und lauschten angespannt, ob irgendein Geräusch aus dem Billardzimmer käme. Dann wurde mir plötzlich bewusst, was für ein jämmerlicher Angsthase ich war, und entschlossen sagte ich: ›Ich werde nachsehen, was da drinnen los ist.‹
›Ich komme mit‹, antwortete er sofort. Er war leichenblass, aber er war ein verdammt tapferer Kerl. Ich bat ihn, einen Augenblick zu warten, und stürzte hastig in mein Schlafzimmer, um meine Kamera und Blitzlichter zu holen. Ich schob einen Revolver in meine rechte Hosentasche und einen Schlagring über meine linke Faust, wo er zwar im Notfall sofort zur Hand war, mich aber beim Fotografieren nicht behinderte. Dann lief ich zu Beaumont zurück. Er streckte mir die Hand entgegen, um mir zu zeigen, dass er eine Pistole hatte. Ich nickte, flüsterte ihm aber zu, vorsichtig zu sein und nicht vorschnell zu schießen. Immerhin war es ja möglich, dass sich nur jemand einen albernen Scherz machen wollte. Er hatte von einem Wandleuchter in der oberen Halle eine Lampe geholt, die er in der Armbeuge seines verletzten Armes hielt, so dass wir ganz gutes Licht hatten. Dann gingen wir über den Korridor auf das Billardzimmer zu. Ihr könnt euch sicher vorstellen, was für ein nervöses Paar wir waren. Die ganze Zeit über hatten wir keinen Ton mehr gehört, doch als wir nur noch ein paar Meter von der Tür entfernt waren, erklang auf dem harten Parkettboden des Billardzimmers plötzlich wieder Hufestampfen. Im nächsten Augenblick war mir, als erzitterte das ganze Haus unter den Hufschlägen eines riesigen Ungeheuers, das sich auf die Tür zubewegte. Sowohl Beaumont als auch ich wichen unwillkürlich ein paar Schritte zurück, aber dann fassten wir uns wieder und nahmen, wie man so sagt, unser Herz in beide Hände und blieben abwartend stehen. Das Stampfen kam direkt auf die Tür zu und hielt plötzlich inne, dann herrschte einen Augenblick lang absolute Stille; und ich muss ehrlich zugeben, dass mir das Blut so laut in den Schläfen dröhnte, dass ich für alles andere nahezu taub war. Wir warteten eine gute halbe Minute, bis das donnernde, rastlose Hufestampfen von neuem erklang. Es kam näher und immer näher, und dann war es plötzlich, als ob ein unsichtbares Etwas durch die geschlossene Tür käme und das furchtbare Stampfen direkt über uns hinwegginge. Wir fuhren auseinander und wichen an die Wand zurück. Ich weiß nur noch, dass ich mich, so fest ich konnte, an die Wand presste und mich nicht rührte. Das Bum, Bum, Bum, Bum der mächtigen Huftritte ging zwischen uns beiden hindurch und wanderte langsam und mit lähmender Gleichmäßigkeit den Korridor entlang. Ich hörte es, obwohl mir das Blut in den Ohren und Schläfen dröhnte und klopfte. Mein ganzer Körper war stocksteif, und meine Kehle war wie zugeschnürt, ich bekam einfach keine Luft mehr. Eine kurze Zeit lang stand ich reglos da und hatte den Kopf so gewandt, dass ich den Korridor überblicken konnte. Ich wusste nur eins: wir waren von einer furchtbaren Gefahr umgeben. Könnt ihr das verstehen? Schließlich kehrte mein Mut dann doch wieder zurück. Ich merkte, dass die Hufschläge fast am anderen Ende des Korridors angelangt waren. Ich drehte mich blitzschnell um, zückte meine Kamera und löste das Blitzlicht aus. Unmittelbar danach gab Beaumont in rascher Folge eine Reihe von Schüssen ab und rannte laut schreiend los: ›Es ist hinter Mary her! Lauf weg, Mary! Lauf, lauf weg!‹ Er stürmte über den Korridor und ich hinter ihm her. Als wir den Treppenabsatz erreichten, hörten wir die Hufschläge auf der Treppe und dann war mit einem Schlag alles still. Von da an war nichts mehr zu hören. In der großen Halle unter uns hatte sich, wie ich sehen konnte, ein Teil der Hausbewohner um Miss Hisgins geschart, die anscheinend in Ohnmacht gefallen war; mehrere Bediente standen zu einem Häufchen zusammengedrängt ein wenig abseits und starrten zur Treppe hinauf, aber niemand sprach ein Wort. Und etwa zwanzig Treppenstufen weit oben stand der alte Captain Hisgins mit dem blanken Säbel in der Hand, und zwar genau dort, wo der letzte Hufschlag erklungen war. Ich glaube, ich habe in meinem ganzen Leben nichts Eindrucksvolleres gesehen als den alten Mann dort oben auf der Treppe, der sich mit gezücktem Schwert zwischen seine Tochter und das Höllenwesen stellte. Ihr könnt euch sicher vorstellen, mit welchem Grauen ich über die Treppenstufen schritt, auf denen die letzten Hufschläge verklungen waren. Mir war, als ob das Ungeheuer immer noch unsichtbar dort lauerte. Und das Eigenartige war ja auch, dass wir danach keinen einzigen Hufschlag mehr hörten, weder treppauf noch treppab. Miss Hisgins wurde in ihr Zimmer gebracht, und ich ließ ihr aus-richten, ich würde nachkommen, sobald sie mich empfangen könne. Und kaum hatte man mir gemeldet, dass sie empfangsbereit sei, trug ich mit Hilfe ihres Vaters meinen Instrumentenkasten in das Schlafzimmer des jungen Mädchens. Ich ließ das Bett in die Mitte des Zimmers schieben und baute rundherum den elektrischen Drudenfuß auf. Dann befahl ich, an sämtlichen Wänden des Zimmers Lampen anzubringen, bestand aber darauf, dass auf keinen Fall innerhalb des Drudenfußes Licht gemacht werden und niemand hinein- beziehungsweise hinausgehen dürfe. Die Mutter des Mädchens hatte ich innerhalb des Drudenfußes untergebracht und angeordnet, dass ihre Zofe außerhalb des Pentagramms sitzen und sich bereit halten solle, etwaige Nachrichten zu überbringen, so dass Miss Hisgins das magische Fünfeck überhaupt nicht zu verlassen brauchte. Außerdem schlug ich vor, dass der Vater des Mädchens die ganze Nacht bewaffnet in ihrem Schlafzimmer Wache halten solle. Als ich aus dem Schlafzimmer kam, stand Beaumont fast krank vor Angst vor der Tür und wartete auf mich. Ich erzählte ihm, welche Maßnahmen ich getroffen hatte, und erklärte ihm, dass Miss Hisgins innerhalb dieses ›Schutzwalls‹ wahrscheinlich völlig sicher wäre, dass ich aber trotzdem die Absicht hätte, die Wache nicht nur ihrem Vater, der in ihrem Zimmer blieb, zu überlassen, sondern zusätzlich noch selbst vor der Tür Wache halten wollte. Ich sagte ihm, dass es mir lieb wäre, wenn er mir dabei Gesellschaft leistete, weil ich wusste, dass er in seinem Zustand doch keinen Schlaf finden würde, außerdem war ich wirklich froh, Gesellschaft zu haben. Hinzu kam allerdings auch, dass mir daran lag, ihn nicht aus den Augen zu verlieren, denn ich war fest davon überzeugt, dass er in mancher Hinsicht in weit größerer Gefahr schwebte als das junge Mädchen. Und dieser Meinung bin ich auch heute noch; und wenn ihr die ganze Geschichte gehört habt, werdet ihr mir bestimmt recht geben. Ich fragte ihn, ob er etwas dagegen hätte, wenn ich auch um ihn für die Nacht einen Drudenfuß zöge; nach einigem Zögern erklärte er sich damit einverstanden, aber ich merkte deutlich, dass er nicht recht wusste, ob er daran glauben oder es nur für einen albernen Humbug halten sollte. Als ich ihm jedoch ein paar Einzelheiten von dem Schwarzen-Schleier-Fall erzählte, bei dem der junge Aster umgekommen war, wurde er doch recht nachdenklich. Ihr erinnert euch vielleicht noch, dass Aster damals meinte, das sei ein alberner Aberglaube, und draußen blieb. Der arme Teufel! Die Nacht verging völlig ruhig, doch kurz vor Morgengrauen hörten wir beide ein großes Pferd um das Haus herumgaloppieren, genau wie es der alte Captain Hisgins beschrieben hatte. Ihr könnt euch vorstellen, wie komisch mir dabei zumute war, und direkt danach hörte ich, wie sich im Schlafzimmer etwas bewegte. Ich klopfte an die Tür, weil ich natürlich unruhig war, und der Captain kam heraus. Ich fragte ihn, ob alles in Ordnung sei; er sagte ja und fragte mich sofort, ob ich die Galoppade gehört hätte; ihm war das also auch nicht entgangen. Ich meinte, es sei vielleicht ganz gut, die Schlafzimmertür bis zum Tagesanbruch ein wenig offenzulassen, da hier ganz eindeutig irgendetwas im Gange war. Er erklärte sich damit einverstanden und ging ins Zimmer zurück, um in der Nähe seiner Frau und seiner Tochter zu bleiben. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich gewisse Zweifel hegte, ob der ›Schutzwall‹ um Miss Hisgins wirklich Wert hatte, denn das, was ich als ›Eigengeräusche‹ der Erscheinung bezeichne, war so ungewöhnlich materialistisch, dass ich geneigt war, eine Parallele zu dem Fall Harford zu ziehen, bei dem die Hand des Kindes unaufhörlich innerhalb des Drudenfußes erschien und auf den Boden klopfte. Ihr erinnert euch doch sicher noch an diese grausige Geschichte. Aber wie es der Zufall wollte, geschah nichts weiter, und sobald der Tag angebrochen war, gingen wir alle zu Bett. Beaumont weckte mich gegen Mittag, und ich ging hinunter und aß statt des Frühstücks zu Mittag. Miss Hisgins leistete mir Gesellschaft und schien in Anbetracht der Umstände ganz guter Stimmung zu sein. Sie erklärte mir, dass sie sich mit meiner Hilfe zum erstenmal seit Tagen fast sicher gefühlt hätte. Außerdem erzählte sie, dass ihr Vetter Harry Parsket aus London zu Besuch käme und bestimmt alles tun würde, um das Gespenst bekämpfen zu helfen. Und danach gingen sie und Beaumont in den Park, um ein wenig miteinander allein sein zu können. Ich selbst ging ebenfalls spazieren und wanderte rund um das Haus herum, konnte aber keinerlei Spuren von Hufeindrücken entdecken. Den Rest des Tages verbrachte ich damit, das Haus selbst gründlich zu untersuchen, ohne jedoch etwas zu finden. Ich beendete meine Suche, bevor es dunkel wurde, und ging in mein Zimmer, um mich zum Dinner umzuziehen. Als ich herunterkam, war gerade der Vetter eingetroffen, und ich muss sagen, ich bin lange keinem so sympathischen Menschen begegnet wie ihm. Er war ein unglaublich furchtloser Draufgänger; genau der Mann, den ich mir bei einem so schwierigen Fall wie diesem zum Bundesgenossen wünschte. Ich merkte, dass ihn am meisten unser Glaube an die Echtheit des Spuks verblüffte, und wünschte mir fast, es würde etwas geschehen, nur damit er sähe, dass wir uns nichts einbildeten. Wie es der Zufall wollte, passierte auch etwas, und das war nicht gerade von schlechten Eltern! Beaumont und Miss Hisgins waren kurz vor Einbruch der Dunkelheit noch ein wenig spazierengegangen, und Captain Hisgins hatte mich zu einer kurzen Unterhaltung in sein Arbeitszimmer gebeten; Parsket brachte inzwischen seine Siebensachen hinauf, denn er hatte keinen Diener mit. Ich unterhielt mich lange und ausführlich mit dem alten Captain und erklärte ihm, dass der ›Spuk‹ offenbar nicht mit dem Haus, sondern nur mit der Person des Mädchens verknüpft war und dass es wohl am besten wäre, wenn sie so schnell wie möglich heiratete, damit Beaumont das Recht bekäme, Tag und Nacht bei ihr zu sein; überdies war es ja auch durchaus möglich, dass die Erscheinungen aufhörten, wenn die beiden endgültig miteinander verheiratet waren. Der alte Mann nickte zustimmend, vor allem, was den ersten Teil betraf, und erinnerte mich daran, dass drei der vom Spuk verfolgten Mädchen von zu Hause weggeschickt worden und woanders gestorben waren. Und hier wurden wir mitten im Gespräch unterbrochen, denn der alte Butler kam mit schneeweißem Gesicht ins Zimmer gestürzt: ›Miss Mary, Sir! Miss Mary, Sir!‹ keuchte er. ›Sie schreit… draußen im Park, Sir! Und sie sagen, sie können das Pferd hören.. .‹ Der Captain sprang mit einem Riesensatz auf ein Waffengestell zu, riss seinen alten Säbel herunter und zog ihn, während er bereits hinausstürzte, aus der Scheide. Ich raste in Windeseile die Treppe hinauf, ergriff meine Blitzlichtkamera und einen schweren Revolver, schrie vor Parskets Tür ›Das Pferd!‹ und war im nächsten Augenblick wieder unten und draußen im Park. Aus der Dunkelheit klang ein Durcheinander von Stimmen und Geschrei herüber, und irgendwo zwischen den vereinzelt stehenden Bäumen hörte ich mehrere Schüsse. Und dann erscholl plötzlich aus der schwarzen Finsternis links neben mir ein infernalisches, geradezu kollerndes Gewieher. Ich fuhr sofort herum und drückte auf den Auslöser meiner Blitzlichtkamera. Das grelle Licht blitzte sekundenlang auf und ließ mich in nächster Nähe die leise im Nachtwind zitternden Blätter eines großen Baums erkennen, etwas anderes war nicht zu sehen; anschließend kam es mir vor, als sei es zehnmal so finster wie vorher. Dicht hinter mir hörte ich Parsket rufen, ob ich etwas gesehen hätte. Im nächsten Augenblick stand er neben mir, und, ehrlich gesagt, in seiner Gesellschaft war mir entschieden wohler, denn ganz in unserer Nähe befand sich irgendein unglaubliches Wesen, und ich war im Moment noch durch das starke Blitzlicht geblendet. ›Was war es denn? Was war es denn?‹ wiederholte er immer wieder aufgeregt. Und ich starrte die ganze Zeit angestrengt in die Finsternis und antwortete mechanisch: ›Ich weiß nicht. Ich weiß nicht.‹ Irgendwo vor uns brach plötzlich lautes Geschrei aus, und dann fiel ein Schuss. Wir rannten auf den Lärm zu und riefen, sie sollten nicht schießen; denn bei der Dunkelheit und der heillosen Panik war das ja nicht ausgeschlossen. Dann kamen zwei Wildhüter mit Laternen und Gewehren die Auffahrt entlanggerannt, und unmittelbar danach tanzte eine Lichterkette vom Haus her auf uns zu und zeigte an, dass die Diener mit weiteren Laternen unterwegs waren. Als die Lichter näher kamen, sah ich, dass wir Beaumont fast erreicht hatten. Er stand schützend vor Miss Hisgins, die am Boden lag, und hielt seinen Revolver in der Hand. Ich schaute ihm ins Gesicht und sah, dass er eine große Wunde an der Stirn hatte. Neben ihm stand der Captain, schwang aufgeregt seinen blanken Säbel und spähte in die Dunkelheit; ein wenig hinter ihm stand der alte Butler und hielt eine Streitaxt aus einem der Waffenständer in der Halle in den Händen. Aber etwas Ungewöhnliches war nirgendwo zu entdecken. Wir trugen das Mädchen ins Haus und überließen sie der Obhut ihrer Mutter und Beaumonts, während ein Reitbursche zum Arzt ritt. Anschließend durchsuchten wir übrigen mit vier weiteren Wildhütern, die ebenfalls alle bewaffnet und mit Laternen ausgerüstet waren, den ganzen Park. Aber wir fanden nichts. Als wir zurückkehrten, stellten wir fest, dass der Arzt dagewesen war. Er hatte Beaumonts Wunde verbunden, die zum Glück nicht tief war, und hatte Miss Hisgins unverzüglich zu Bett geschickt. Ich ging mit dem Captain hinauf und fand Beaumont vor der Tür seiner Braut Wache halten. Ich erkundigte mich nach seinem Befinden, und sobald das Mädchen und seine Mutter empfangsbereit waren, gingen der Captain und ich hinein und bauten wieder den Drudenfuß um das Bett auf. Die Lampen waren bereits an den Wänden angebracht, und nachdem ich die gleiche Wachordnung wie in der vorhergegangenen Nacht aufgestellt hatte, gesellte ich mich zu Beaumont und hielt draußen vor der Tür Wache. Während ich mich im Schlafzimmer aufhielt, war Parsket heraufgekommen, und als wir drei unter uns waren, erzählte uns Beaumont endlich, was im Park vorgefallen war. Offenbar waren die beiden auf dem Heimweg gewesen und kamen in der hereinbrechenden Dämmerung vom westlichen Parktor her auf das Haus zu. Plötzlich sagte Miss Hisgins ›Pscht!‹ und blieb stehen. Beaumont blieb natürlich ebenfalls stehen und horchte, konnte zunächst aber nichts hören. Doch dann nahm er es auch wahr – die Hufschläge eines Pferdes, das zwar noch weit entfernt zu sein schien, aber über das Gras auf sie zu galoppieren kam. Er sagte zu seiner Braut, es sei nichts weiter, und bemühte sich, sie so schnell wie möglich ins Haus zurückzubringen, doch ließ sie sich natürlich nicht täuschen. Es dauerte auch keine Minute, da hörten sie die Hufschläge in der Dunkelheit aus unmittelbarer Nähe kommen und fingen an zu laufen, dabei knickte Miss Hisgins um und fiel hin. Sie schrie laut und erschrocken auf, und das war der Schrei, den der Butler gehört hatte. Als Beaumont das Mädchen aufhob, hörte er, wie die Hufe direkt auf ihn zudonnerten. Er stellte sich schützend über sie und feuerte alle fünf Schüsse seines Revolvers in die Richtung ab, aus der die Hufschläge kamen. Als seine Waffe zum letztenmal aufblitzte, sagte er, habe er direkt vor sich etwas erblickt, das wie ein riesiger Pferdekopf ausgesehen habe. Unmittelbar danach wurde ihm ein gewaltiger Schlag verpasst, der ihn zu Boden warf, und dann kamen auch schon der Captain und der Butler mit lautem Geschrei herbeigelaufen. Alles Übrige wussten wir ja schon. Gegen zehn Uhr brachte uns der Butler das Essen auf einem Tablett herauf, und ich muss sagen, ich war sehr froh darüber, denn in der letzten Nacht war ich ziemlich hungrig geworden. Doch warnte ich Beaumont davor, auch nur einen einzigen Tropfen Alkohol zu trinken, und ließ mir vorsichtshalber auch seine Pfeife und seine Streichhölzer geben. Um Mitternacht zog ich einen Drudenfuß um ihn, und Parsket und ich nahmen ihn in unsere Mitte; wir beide blieben jedoch außerhalb des Drudenfußes, denn meiner Ansicht nach waren nur Beaumont und Miss Hisgins gefährdet. Wir verhielten uns ziemlich ruhig. An jedem Ende des Korridors brannte eine große Lampe, so dass wir reichlich Licht hatten. Außerdem waren wir ja alle bewaffnet, Beaumont und ich mit Revolvern und Parsket mit einer Schrotflinte. Ich hatte neben meiner Waffe auch noch meine Kamera und mein Blitzlicht bei mir. Hin und wieder unterhielten wir uns im Flüsterton, und zweimal kam der Captain aus dem Schlafzimmer, um ein paar Worte mit uns zu wechseln. Gegen halb zwei waren wir alle sehr schweigsam geworden, und etwa zwanzig Minuten später hielt ich plötzlich, ohne ein Wort zu sagen, die Hand hoch; mir war, als hörte ich draußen in der Nacht ein galoppierendes Pferd. Ich klopfte an die Schlafzimmertür, und als der Captain öffnete, flüsterte ich ihm zu, dass wir glaubten, das Pferd gehört zu haben. Einige Zeit lang blieben wir horchend stehen, und auch Parsket und der Captain meinten es zu hören; aber jetzt war ich nicht mehr überzeugt und Beaumont auch nicht. Später jedoch glaubte wiederum ich es zu hören. Ich sagte zu Captain Hisgins, ich hielte es für besser, wenn er ins Schlafzimmer zurückginge und die Tür ein wenig offenließe, was er auch tat. Aber es war nichts mehr zu hören, und bald darauf brach der Tag an, und wir gingen dankbar und erleichtert zu Bett. Als ich zum Mittagessen gerufen wurde, erlebte ich eine kleine Überraschung, denn Captain Hisgins sagte mir, sie hätten einen Familienrat abgehalten und beschlossen, meinen Rat zu befolgen und nicht einen Tag länger als unbedingt notwendig mit der Hochzeit zu warten. Beaumont war bereits auf dem Weg nach London, um eine Sonderlizenz zu besorgen, und sie hofften, dass die Hochzeit am nächsten Tag stattfinden konnte. Ich war sehr froh darüber, denn es schien mir unter diesen außergewöhnlichen Umständen das vernünftigste zu sein. Ich konnte in der Zwischenzeit mit meinen Ermittlungen fortfahren; aber solange die beiden noch nicht getraut waren, lag mir vor allem daran, Miss Hisgins ständig unter meiner Aufsicht zu haben. Nach dem Mittagessen kam mir der Gedanke, ein paar Aufnahmen von Miss Hisgins und ihrer Umgebung zu machen. Manchmal sieht das Auge der Kamera nämlich gewisse Dinge, die dem normalen Menschenauge höchst merkwürdig erscheinen, etwas objektiver. In dieser Absicht und zum Teil auch, weil mir das einen guten Grund gab, mich soviel wie möglich in ihrer Nähe aufzuhalten, bat ich Miss Hisgins, mir bei meinen Experimenten zu helfen. Sie war sofort dazu bereit, und wir brachten mehrere Stunden damit zu, durch das Haus zu wandern und von einem Zimmer ins andere zu gehen; jedesmal, wenn es mir angebracht schien, machte ich eine Blitzlichtaufnahme von ihr und dem Zimmer, in dem wir uns gerade befanden. Als wir mit den Wohnräumen fertig waren, fragte ich sie, ob sie es sich zutraue, die Experimente auch in den Kellerräumen durchzuführen. Sie sagte ja. Daraufhin holte ich Captain Hisgins und Parsket herbei, weil ich sie auf keinen Fall der Dunkelheit – nicht einmal einer gewissermaßen künstlichen Dunkelheit – aussetzen wollte, ohne im Notfall Beistand und Hilfe bei der Hand zu haben. Als alles bereit war, gingen wir hinunter in den Weinkeller; Captain Hisgins trug eine Schrotflinte und Parsket eine besonders für meine Zwecke präparierte Plane, die als Hintergrund dienen sollte, und eine Laterne. Ich bat das Mädchen, sich in die Mitte des Kellers zu stellen, und Parsket und der Captain hielten die Plane hinter ihr fest. Ich machte eine Blitzlichtaufnahme, dann gingen wir in den nächsten Keller und wiederholten das Experiment. Im dritten Keller aber, einem riesigen stockfinsteren Raum, ereignete sich etwas Ungewöhnliches und Grauenhaftes. Ich hatte Miss Hisgins genau wie bisher in die Mitte des Kellers gestellt, und ihr Vater und Parsket hielten die Plane. Als alles fertig war und ich gerade auf den Auslöser für das Blitzlicht drückte, erscholl plötzlich in unmittelbarer Nähe das kollernde Gewieher, das ich bereits am Abend vorher draußen im Park gehört hatte. Es schien von irgendwoher über dem Mädchen zu kommen, und im Schein des plötzlich aufflammenden Lichts sah ich, dass sie angstvoll nach oben starrte, obwohl dort nichts zu sehen war. Im nächsten Augenblick lag der Keller wieder im Dunklen, und ich schrie dem Captain und Parsket aufgeregt zu, sie sollten Miss Hisgins so rasch wie möglich hinauf ans Tageslicht bringen. Sie gehorchten in fliegender Hast, indessen machte ich die Kellertür zu und schloss ab, nachdem ich an beiden Türpfosten das erste und achte Zeichen des Saaamaaa-Rituals angebracht und sie über der Schwelle durch eine dreifache Linie miteinander verbunden hatte. Inzwischen hatten Parsket und der Captain das vor Angst halb ohnmächtige Mädchen zu seiner Mutter gebracht und es ihrer Obhut übergeben. Ich blieb bis zur Rückkehr der beiden Männer als Wache vor der Kellertür stehen, und ich kann euch sagen, mir war alles andere als wohl dabei, denn ich wusste genau, dass sich irgend etwas Grauenvolles im Keller befand; außerdem schämte ich mich und machte mir heftige Vorwürfe, dass ich Miss Hisgins dieser Gefahr ausgesetzt hatte. Ich hatte die Schrotflinte des Captains an mich genommen, und als er und Parsket wieder herunterkamen, brachten sie jeder ein Gewehr und eine Laterne mit. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie unbeschreiblich erleichtert ich war, als ich die beiden kommen hörte; aber ihr könnt euch wahrscheinlich auch nicht vorstellen, was es hieß, mutterseelenallein dort vor dem Keller zu stehen. Oder könnt ihr euch denken, was das für ein Gefühl war? Ich erinnere mich, dass mir, direkt bevor ich die Tür aufschloss, das geisterhaft weiße Gesicht Parskets und das aschgraue des Captains auffiel, und dass ich mich unwillkürlich fragte, ob ich wohl genauso aussähe. Und das zerrte natürlich nur noch mehr an meinen Nerven, weil es mir aufs neue veranschaulichte, wie bestialisch das Ganze war. Ich weiß, dass ich es nur unter Aufbietung all meiner Willenskraft fertigbrachte, zur Tür zu gehen und den Schlüssel umzudrehen. Ich zögerte einen winzigen Moment, und dann riss ich die Tür mit einem heftigen Ruck weit auf und hielt meine Laterne hoch über meinen Kopf. Parsket und der Captain traten rechts und links neben mich und hielten ebenfalls ihre Laternen hoch, aber der Keller war vollkommen leer. Natürlich gab ich mich nicht mit einem derart flüchtigen Überblick zufrieden, sondern brachte mehrere Stunden damit zu, mit Hilfe der beiden anderen jeden Quadratzentimeter des Fußbodens, der Decke und der Wände gründlich zu untersuchen. Schließlich aber musste ich zugeben, dass der Keller völlig normal war; also stiegen wir wieder hinauf. Vorher jedoch versiegelte ich die Tür und brachte draußen an den beiden Türpfosten das erste und letzte Zeichen des Saaamaaa-Rituals an und verband sie wie zuvor durch eine dreifache Linie miteinander. Könnt ihr euch vorstellen, was dazu gehörte, den Keller zu durchsuchen? Als wir wieder im ersten Stock waren, erkundigte ich mich als erstes sehr ängstlich nach Miss Hisgins* Befinden. Daraufhin kam sie persönlich heraus, um mich zu beruhigen und mir zu sagen, dass es ihr gutging. Ich erzählte ihr, dass ich mir schwere Vorwürfe machte, aber sie meinte, das sei wirklich nicht nötig, ich brauchte mir um sie keine Sorgen zu machen. Ich fühlte mich etwas erleichtert und ging, um mich zum Dinner umzuziehen. Anschließend zogen Parsket und ich in ein Badezimmer, um die von mir gemachten Aufnahmen zu entwickeln. Aber keiner der Platten war etwas Besonderes zu entnehmen, bis wir zu der Aufnahme im Keller kamen. Parsket entwickelte sie. Ich war inzwischen mit einem Packen der fertigen Platten auf den Korridor hinausgegangen, um sie im hellen Lampenlicht genauer zu untersuchen. Ich hatte den Packen gerade sorgfältig durchgesehen, als mir Parsket etwas zurief, und als ich zu ihm hineinrannte, hielt er ein halb entwickeltes Negativ vor die rote Lampe und betrachtete es gespannt Das Mädchen war deutlich darauf zu sehen; sie blickte nach oben, wie ich sie bei der Aufnahme gesehen hatte, aber das Erstaunliche auf dem Negativ war der Schatten eines gewaltigen Pferdehufs direkt über ihr, der aus dem Reich der Schatten auf sie herabzustampfen schien. Und in diese Gefahr hatte ich sie gebracht! Das war mein einziger Gedanke, als ich das Bild sah. Sobald die Platte fixiert war, untersuchte ich sie noch einmal bei gutem Licht. Ohne jeden Zweifel war das Ding über Miss Hisgins* Kopf ein riesiger, schattenhafter Huf. Aber damit war ich von des Rätsels Lösung immer noch weit entfernt. Vorläufig konnte ich nichts weiter tun, als Parsket zu bitten, Miss Hisgins nichts von dem Foto zu sagen, damit sie nicht noch mehr Angst bekäme; ihrem Vater allerdings zeigte ich die Aufnahme, weil ich fand, er müsse Bescheid wissen. Für die Nacht trafen wir die gleichen Vorsichtsmaßnahmen wie an den beiden vorhergegangenen Tagen. Parsket leistete mir wieder Gesellschaft; aber der Morgen dämmerte, ohne dass etwas Ungewöhnliches geschehen war, und ich ging zu Bett. Als ich zum Lunch herunterkam, erfuhr ich, dass Beaumont telegrafiert hatte, er werde kurz nach vier hier sein; auch der Pfarrer hatte diesen Bescheid bekommen, und sämtliche Damen des Hauses waren offenbar in fieberhafter Aufregung. Beaumonts Zug hatte Verspätung, infolgedessen kam er erst um fünf Uhr nach Hause; aber der Pfarrer war leider immer noch nicht erschienen, und der Butler kam herein und meldete, der Kutscher sei allein zurückgekommen, weil der Pfarrer unerwartet weggeholt worden sei. Der Wagen wurde im Laufe des Abends zwar noch zweimal ins Pfarrhaus geschickt, aber der Geistliche war noch nicht zurückgekommen, und wir mussten die Hochzeit schließlich auf den nächsten Tag verschieben. Auch in der Nacht baute ich den ›Schutzwall‹ um das Bett des jungen Mädchens auf, und der Captain und seine Frau nahmen ihre gewohnten Plätze ein. Wie ich erwartet hatte, bestand Beaumont darauf, mit mir Wache zu halten, und er schien mir von merkwürdiger Angst erfüllt zu sein; nicht um sich, meine ich, sondern um Miss Hisgins. Er gestand mir, er hätte das grauenhafte Gefühl, dass in dieser Nacht ein letzter furchtbarer Angriff auf seine Braut erfolgen würde. Natürlich sagte ich ihm, das sei nichts weiter als Nervosität, aber in Wirklichkeit jagte er mir damit ziemliche Angst ein; denn ich hatte schon zu viel gesehen, um nicht zu wissen, dass man unter solchen Umständen das sichere Vorgefühl einer drohenden Gefahr nicht so ohne weiteres als reine Nervosität abtun kann. Beaumont war jedenfalls so felsenfest überzeugt, dass uns diese Nacht eine ungewöhnliche Manifestation bringen würde, dass ich Parsket eine lange Schnur an der Klingelleitung des Butlers anbringen ließ, die durch den Korridor führte und jederzeit für uns griffbereit war. Dem Butler selbst befahl ich, sich heute Nacht nicht auszuziehen und diesen Befehl auch an zwei Lakaien weiterzugeben. Wenn ich läutete, sollten er und die beiden Lakaien unverzüglich kommen und uns Laternen bringen, und er sollte darauf achten, dass die Laternen die ganze Nacht hindurch angezündet blieben. Für den Fall, dass die Klingel aus irgendeinem Grunde nicht anschlug, hatte ich eine Pfeife bei mir, und wenn ich darauf pfiff, bedeutete es dasselbe wie das Klingelsignal. Nachdem ich meine Anweisungen erteilt hatte, zog ich einen Drudenfuß um Beaumont und ermahnte ihn sehr eindringlich, ihn auf keinen Fall zu verlassen, was auch geschehen mochte. Und dann konnten wir nichts anderes mehr tun, als abzuwarten und beten, die Nacht möge ebenso ruhig verlaufen wie die vorherigen. Wir sprachen kaum miteinander, und gegen eins waren wir alle so gespannt und nervös, dass Parsket es schließlich nicht mehr aushielt und auf dem Korridor auf und ab zu gehen begann, um sich ein wenig zu beruhigen. Ich zog meine Schuhe aus und schloss mich ihm an. Über eine Stunde gingen wir so auf und ab und flüsterten uns gelegentlich ein paar Worte zu, bis ich beim Umdrehen mit dem Fuß in der Klingelschnur hängenblieb und der Länge lang hinschlug, ohne mir dabei weh zu tun oder ein Geräusch zu verursachen.
Als ich aufstand, stieß Parsket mich an.
›Ist Ihnen aufgefallen, dass es nicht geklingelt hat?‹ flüsterte er.
›Mein Gott‹, sagte ich, ›Sie haben recht!‹
›Warten Sie‹, antwortete er, »sicher hat sich nur die Schnur irgendwo verheddert. Er ließ mir sein Gewehr zurück und lief geräuschlos den Korridor entlang, holte die Lampe vom oberen Ende und ging auf Zehenspitzen die Treppe hinunter, Beaumonts Revolver schussbereit in der Rechten. Ich erinnere mich, dass ich ihn in diesem Moment – und übrigens auch später noch einmal – ehrlich bewunderte und bei mir dachte, was für ein furchtloser Draufgänger er doch sei.
In diesem Augenblick machte mir Beaumont ein Zeichen, völlig ruhig zu sein, und gleich darauf hörte ich, was er offensichtlich auch gehört hatte – Pferdegetrappel in der nächtlichen Stille draußen. Ich glaube, ich kann ehrlich zugeben, dass mir ein kalter Schauer über den Rücken lief. Das Geräusch erstarb wieder, zurück blieb ein grauenhaftes, unheimlich trostloses Gefühl der Verlassenheit. Ich streckte die Hand nach der Klingelschnur aus und hoffte inbrünstig, dass Parsket sie in Ordnung gebracht hatte. Dann wartete ich und schaute immer wieder über den Korridor.
Vielleicht zwei Minuten vergingen, in denen eine, wie es schien, fast unirdische Stille herrschte. Und dann stampfte plötzlich am erleuchteten Ende des Korridors ein mächtiger Huf donnernd auf die Erde, die Lampe stürzte mit gewaltigem Krachen herunter, und wir befanden uns in völliger Finsternis. Ich riss heftig an der Schnur und pfiff schrill auf meiner Pfeife; dann hob ich die Kamera und machte eine Blitzlichtaufnahme. Der Korridor war sekundenlang strahlend hell erleuchtet, doch es war nichts Ungewöhnliches zu sehen, und im nächsten Augenblick überfiel uns schon wieder die Finsternis. Ich hörte den Captain an der Schlafzimmertür und schrie ihm zu, er solle eine Lampe herausbringen, aber schnell! Doch statt dessen begann etwas von innen gegen die Tür zu hämmern. Ich hörte den Captain im Schlafzimmer brüllen und dann die Frauen laut auf-schreien. Ich hatte plötzlich eine grauenhafte Angst, das Ungeheuer sei ins Schlafzimmer eingedrungen, aber auf einmal erscholl mitten im Korridor das bösartige, kollernde Wiehern, das wir vorher schon im Park und im Keller gehört hatten. Ich pfiff verzweifelt auf meiner Pfeife und tastete blindlings nach der Klingelschnur und brüllte Beaumont dabei zu, er solle um Gottes willen im Drudenfuß bleiben, ganz gleich, was geschehe. Dann schrie ich, der Captain solle endlich eine Lampe bringen, und im selben Moment donnerte etwas krachend gegen die Schlafzimmertür. Sofort hatte ich meine Streichhölzer in der Hand und versuchte, wenigstens etwas Licht zu machen, bevor sich das unglaubliche, unsichtbare Ungeheuer auf uns stürzte.
Das Streichholz kratzte über die Reibfläche der Schachtel und flackerte trübe auf, und im selben Moment hörte ich hinter mir ein schwaches Geräusch. Fast wahnsinnig vor Entsetzen fuhr ich herum und sah im Licht des Streichholzes einen riesenhaften Pferdekopf direkt neben Beaumont.
›Aufpassen, Beaumontk‹ schrie ich gellend. ›Es ist hinter Ihnen!‹
Das Streichholz verlöschte plötzlich, und unmittelbar darauf hörte ich direkt neben meinem Ohr, wie mir schien, den scharfen Knall von Parskets Doppelflinte, die Beaumont offenbar schon auf eigene Faust abgefeuert hatte. Als die Schüsse aufblitzten, erhaschte ich einen flüchtigen Blick auf den großen Pferdekopf und einen riesigen Huf, der inmitten von Gewehrfeuer und Rauch direkt auf Beaumont niederzukommen schien. Ich hörte einen dumpfen Schlag, und dann brach dicht neben mir wieder das grässliche, kollernde Gewieher los. Ich bekam einen heftigen Stoß, der mich ein Stück zurückschleuderte. Mühsam raffte ich mich auf die Knie und schrie, so laut ich konnte, um Hilfe. Ich hörte die Frauen hinter der geschlossenen Schlafzimmertür entsetzt kreischen und nahm undeutlich wahr, dass die Tür von innen eingeschlagen wurde und dass Beaumont mit irgendeinem furchtbaren Wesen dicht neben mir kämpfte. Einen Moment lang zögerte ich, betäubt, gelähmt vor Angst und Feigheit, doch dann stürzte ich starr und kalt vor Grauen blindlings nach vorn, um ihm zu Hilfe zu kommen, und brüllte laut seinen Namen. Ich kann euch sagen, mir war geradezu schlecht vor Angst, vor purer, nackter Angst. Irgendwo in der Finsternis erklang ein kurzer, erstickter Aufschrei, ich sprang entschlossen vor, bekam ein riesiges Fellohr zu fassen und wurde wieder von einem heftigen Schlag getroffen, der mir den Magen umdrehte. Ich schlug blind und kraftlos zurück und versuchte mit der anderen Hand das unglaubliche Wesen zu packen. Plötzlich hörte ich es hinter mir fürchterlich krachen. Auf dem Korridor wurde Licht gemacht, und man hörte Laufen und Schreien. Meine Hände wurden von dem Ding, das sie umklammert hielten, weggerissen; ich schloss benommen die Augen und hörte über mir einen gellenden Schrei, dann einen dumpfen Schlag, als hacke ein Schlachter Fleisch auseinander, und dann fiel etwas auf mich.
Der Captain und der Butler halfen mir auf die Knie. Auf dem Fußboden lag ein riesiger Pferdekopf, aus dem der Rumpf und die Beine eines Mannes herausragten. An den Handgelenken waren große Hufe befestigt. Es war das Ungeheuer. Der Captain schnitt den Pferdekopf mit dem Säbel, den er in der Faust hielt, durch, bückte sich und hob die Maske ab, denn der Pferdekopf war nichts anderes als eine Maske. Und dann sah ich das Gesicht des Mannes, der sich darunter verborgen hatte. Es war Parsket. Quer über der Stirn, wo der Säbel offenbar durch die Maske gedrungen war, hatte er eine tiefe Wunde. Ich schaute verwirrt zu Beaumont hinüber, der an die Wand des Korridors gelehnt erschöpft dasaß. Und dann starrte ich wieder auf Parsket.
›Mein Gott!‹ war alles, was ich hervorbrachte, und dann war ich still, weil ich mich so schrecklich für den Mann schämte. Ich glaube, das könnt ihr verstehen, nicht wahr? Ich hatte ihn nämlich richtiggehend gern gehabt.
Und gerade, als Parsket langsam wieder zu sich kam, von einem zum andern blickte und sich offenbar des Vorhergegangenen allmählich wieder erinnerte, geschah etwas ganz Merkwürdiges und Unglaubliches. Vom Ende des Korridors her erklang nämlich plötzlich heftiges Hufestampfen. Ich schaute rasch hin und wieder zurück auf Parsket; aus seinem Gesicht und seinen Augen sprach grauenhafte Angst. Er drehte sich mühsam um und stierte in maßlosem Entsetzen auf die Stelle, von der das Stampfen gekommen war, und auch wir anderen starrten wie versteinert dorthin. Ich erinnerte mich undeutlich, aus Miss Hisgins* Schlafzimmer leises Schluchzen und Flüstern vernommen zu haben, während ich angstvoll und wie gebannt auf den Korridor starrte.
Das Schweigen hielt mehrere Sekunden an, bis plötzlich vom anderen Ende her erneut das Hufestampfen erklang. Und gleich darauf kam das Bum, Bum – Bum, Bum mächtiger Hufschläge durch den Korridor auf uns zu.
Selbst jetzt noch glaubten die meisten von uns, das Ganze sei eine Vorrichtung, ein selbsttätig weiterarbeitender Trick von Parsket, und ein merkwürdiges Gemisch aus Angst und Zweifel erfüllte uns. Ich glaube, alle schauten Parsket an. Und plötzlich schrie der Captain wütend:
›Hör sofort mit diesem verdammten Unsinn auf! Hast du denn noch nicht genug angerichtet?‹
Ich für meinen Teil hatte jetzt wirkliche Angst, denn ich fühlte einfach, dass hier etwas nicht stimmte, dass irgend etwas Grauenhaftes vorging. Und dann gelang es Parsket, keuchend hervorzustoßen:
›Das bin nicht ich! Mein Gott, das bin nicht ich! Mein Gott, das bin nicht ich!‹
Und auf einmal schien allen schlagartig aufzugehen, dass da tatsächlich ein grausiges Wesen den Korridor entlangkam. Ein wilder Tumult entstand, jeder versuchte wegzulaufen, selbst der alte Captain Hisgins und der Butler und die beiden Lakaien wichen zurück. Beaumont, der übel zugerichtet worden war, fiel, wie ich später feststellte, regelrecht in Ohnmacht. Ich selbst lag noch immer auf den Knien und drückte mich so eng an die Wand, wie ich konnte. Ich war einfach noch zu benommen und verwirrt, um wegzulaufen. Und schon war auch der donnernde Hufschlag dicht neben mir, der ganze Fußboden schien unter diesem Dröhnen zu zittern und zu schwanken. Ganz plötzlich hörte der Lärm auf. Ich wusste mit beklemmender Sicherheit, dass der Spuk vor der Tür zum Schlafzimmer des Mädchens haltgemacht hatte, schaute auf und sah Parsket schwankend und mit ausgebreiteten Armen auf der Schwelle stehen, als wollte er den Eingang mit seinem Körper versperren. Er war totenbleich, das Blut lief ihm aus der Stirnwunde über das Gesicht; mit einem ganz eigenartigen, verzweifelt entschlossenen, festen, unglaublich herrischen Blick starrte er auf etwas, das er im Korridor zu sehen schien, nur war dort nichts zu sehen. Plötzlich setzte das dröhnende Stampfen wieder ein und ging weiter den Korridor entlang. Parsket brach auf der Schwelle zusammen und stürzte vornüber aufs Gesicht. Das zusammengedrängte, verängstigte Häuflein am Ende des Korridors stob mit lautem Geschrei auseinander, der Butler und die beiden Lakaien liefen mit ihren Laternen auf und davon; der Captain jedoch presste sich fest an die Wand und hielt seine Laterne hoch über den Kopf. Das unsichtbare Ungeheuer stampfte an ihm vorbei, ohne sich um ihn zu kümmern, die mächtigen Hufschläge entfernten sich mehr und mehr, ihr Dröhnen erfüllte das ganze Haus, wurde schwächer und schwächer, und plötzlich herrschte Totenstille. Der Captain erwachte als erster aus seiner Starre und kam sehr langsam und zittrig mit aschgrauem Gesicht auf uns zu.
Ich kroch zu Parsket hinüber, der Captain kam mir zu Hilfe. Wir drehten ihn um, und noch ehe ich sein Gesicht gesehen hatte, wusste ich, dass er tot war; aber ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie mir dabei zumute war.
Ich sah den Captain an, und plötzlich sagte er leiser:
›Dieser – dieser – dieser…‹, und ich weiß genau, dass er sagen wollte, Parsket habe sich zwischen seine Tochter und das Ungeheuer, das dort den Korridor entlanggekommen war, gestellt. Ich stand auf und stützte ihn, obwohl ich selbst nicht sehr fest auf den Beinen stand, und plötzlich begann es in seinem Gesicht zu arbeiten, er sank neben Parsket in die Knie und weinte wie ein verzweifeltes Kind. Dann kamen die Frauen aus dem Schlafzimmer, ich überließ die Sorge für den Captain ihnen und kümmerte mich um Beaumont. Und damit bin ich praktisch am Ende meiner Geschichte; ich kann höchstens noch versuchen, euch das eine oder andere, das ihr nicht verstanden habt, zu erklären. Sicher habt ihr schon gemerkt, dass Parsket in Miss Hisgins verliebt war. Das ist der Schlüssel zu einem großen Teil der ungewöhnlichen Vorfälle. Der ›Spuk‹ war fraglos überwiegend sein Werk; meiner Ansicht nach war er sogar nahezu für alles, was sich dort ereignet hat, verantwortlich, aber ich muss zugeben, dass ich nichts beweisen kann, und was ich euch jetzt sage, ist in der Hauptsache das Ergebnis logischer Schlussfolgerungen. Erstens liegt es auf der Hand, dass Parsket die Absicht hatte, Beaumont zu verscheuchen, und als er merkte, dass ihm das nicht gelang, wurde er, glaube ich, so verzweifelt, dass er ihn tatsächlich umbringen wollte. Ich weiß, das klingt furchtbar, aber nach allem, was geschehen ist, bleibt kaum eine andere Erklärung übrig. Ich bin fest überzeugt, dass es Parsket war, der Beaumont den Arm brach. Er kannte die sogenannte ›Pferdesage‹ in allen Einzelheiten und musste beschlossen haben, die alte Geschichte für seine persönlichen Zwecke auszunützen. Offenbar hatte er eine Gelegenheit entdeckt, ungesehen ins Haus zu gelangen und wieder zu verschwinden – wahrscheinlich durch eins der vielen französischen Fenster, oder vielleicht besaß er auch einen Schlüssel zu einer Terrassentür – und während man ihn in London wähnte, muss er heimlich hergekommen sein und sich irgendwo in der Nachbarschaft versteckt haben. Die Kusshände in der dunklen Halle haben sich meiner Ansicht nach sowohl Beaumont als auch Miss Hisgins in ihrer Nervosität einfach eingebildet; das Pferd, das sie vor der Haustür hörten, lässt sich allerdings, wie ich zugeben muss, nicht so ohne weiteres mit überreizter Phantasie erklären. Trotzdem neige ich nach wie vor dazu, dass mein erster Gedanke richtig war und dass es eine ganz natürliche Erklärung dafür gibt. Die Hufschläge im Billardzimmer und im Korridor machte Parsket vom darunterliegenden Geschoß aus, und zwar indem er einen Holzklotz an einen langen Fensterhaken band und damit gegen die getäfelte Decke bumste. Das habe ich durch eine Untersuchung beweisen können, dieses Manöver hatte nämlich Spuren in der Holztäfelung hinterlassen. Auch das um das Haus herumgaloppierende Pferd war sicher Parskets Werk; wahrscheinlich hatte er zu diesem Zweck ein Pferd im nahe gelegenen Wäldchen bereitstehen – wenn er die Geräusche nicht tatsächlich selbst fabriziert hat; allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass er schnell genug laufen konnte, um den Eindruck eines galoppierenden Pferdes hervorzurufen. In diesem Punkt bin ich mir jedenfalls nicht absolut sicher. Wie ihr euch erinnern werdet, konnte ich keinerlei Hufabdrücke finden. Das kollernde Gewieher im Park war eine bauchrednerische Leistung Parskets, und auch der Angriff auf Beaumont im Park geht auf sein Konto; er muss also die ganze Zeit, während ich ihn in seinem Schlafzimmer glaubte, draußen gewesen sein und sich mir dann einfach angeschlossen haben, als ich aus dem Haus gelaufen war. Das ist mehr als wahrscheinlich. Ich meine, Parsket muss der Urheber gewesen sein, denn hätte etwas Ernsteres dahintergestanden, hätte er seine unsinnigen Bemühungen bestimmt aufgegeben, da sie in dem Fall überflüssig gewesen wären. Ich muss übrigens sagen, dass es mir unbegreiflich ist, wieso er nicht erschossen wurde – sowohl im Park als auch bei seinem letzten wahnsinnigen Angriff auf Beaumont, von dem ich euch eben erzählt habe. Aber wie gesagt, wenn es um seine eigene Person ging, war er von einer unwahrscheinlichen Furchtlosigkeit. Das eine Mal, als wir im Beisein von Parsket glaubten, das Pferd um das Haus herumgaloppieren zu hören, müssen wir uns getäuscht haben. Keiner von uns war absolut sicher, es gehört zu haben, nur Parsket, und der hatte natürlich das größte Interesse daran, uns in unserem Glauben zu bestärken. Als wir das Gewieher im Keller hörten, kam Parsket, glaube ich, zum erstenmal der Verdacht, es könnte mehr dahinterstecken als nur sein fingierter Spuk; das Gewieher hat er zwar genau wie im Park selbst zustande gebracht, aber wenn ich daran denke, wie gespenstisch blass er damals aussah, bin ich überzeugt, dass irgendein infernalischer Klang hinzugekommen sein musste, den er nicht beabsichtigt hatte, ein Klang, der ihn selbst erschreckt hat. Später redete er sich dann sicher ein, dass er sich nur etwas eingebildet habe. Außerdem darf man natürlich nicht vergessen, dass er sich bestimmt reichlich unwohl gefühlt hat, als er merkte, wie die ganze Geschichte auf Miss Hisgins wirkte. Der Notruf, durch den der Pfarrer fortgeholt worden war, stellte sich später als reiner Schwindel heraus; es liegt auf der Hand, dass Parsket dahintersteckte; er wollte unbedingt noch ein paar Stunden Zeit gewinnen, um sein Ziel zu erreichen, und was das für ein Ziel war, könnt ihr euch ja ohne große Phantasie vorstellen; er hatte nämlich inzwischen gemerkt, dass sich Beaumont durch nichts verscheuchen ließ. Mir ist dieser Gedanke furchtbar, aber alles deutet darauf hin, dass es sich tatsächlich so verhalten hat. Auf alle Fälle ist es klar, dass der Mann zeitweilig nicht ganz normal war. Liebe ist eben eine merkwürdige Krankheit! Weiterhin steht eindeutig fest, dass Parsket die Klingelschnur mit Absicht verheddert hatte, um sich, ohne Verdacht zu erregen, unter dem Vorwand, sie in Ordnung bringen zu wollen, entfernen zu können. Außerdem konnte er bei dieser Gelegenheit eine der Lampen aus dem Korridor mitgehen lassen. Daraufhin brauchte er nur noch die andere herunterzuwerfen, und damit war es vollkommen finster im Korridor, so dass er ungehindert seinen geplanten Angriff auf Beaumont unternehmen konnte! Er war es auch, der die Schlafzimmertür abgeschlossen und den Schlüssel eingesteckt hatte (man fand ihn in seiner Tasche). Damit wollte er verhindern, dass uns der Captain eine Lampe herausbrächte und uns zu Hilfe käme. Captain Hisgins schlug die Tür jedoch mit der Kante des schweren Kamingitters ein, und der dabei entstandene donnernde Krach war das Geräusch, das uns in der Finsternis besonders erschreckte. Die im Keller entstandene Fotografie mit dem riesigen Pferdehuf über Miss Hisgins’ Kopf gehört zu den Dingen, für die ich keine eindeutige Erklärung gefunden habe. Parsket könnte den Huf angebracht haben, als ich nicht im Raum war, eine übermäßig schwere Arbeit wäre das nicht gewesen. Allerdings finde ich, der Huf sieht nicht so aus, als ob er nachgemacht wäre. Trotzdem spricht natürlich genausoviel dafür wie dagegen, und auf der Fotografie ist er zu unscharf, als dass man ihn genau untersuchen könnte, um vielleicht dadurch zu einer definitiven Entscheidung zu kommen; ich möchte mich also lieber weder in der einen noch in der anderen Richtung festlegen. Auf alle Fälle ist es eine grauenhafte Fotografie. Und damit komme ich zu der letzten fürchterlichen Szene. Es gab bei dem ganzen Fall keine einzige andere Manifestation einer übernatürlichen Kraft, deshalb sind meine Schlussfolgerungen äußerst unzuverlässig. Wenn wir diese letzten Geräusche nicht gehört hätten und wenn Parsket nicht diese maßlose Angst gezeigt hätte, dann ließe sich der ganze Fall so erklären, wie ich es euch eben geschildert habe. Und wie ihr gesehen habt, bin ich tatsächlich der Meinung, dass sich fast alles auf diese Weise erklären lässt. Nur das, was wir zuletzt gehört haben, und die Angst, die Parsket zeigte, bleiben weiterhin ein Rätsel. Sein Tod – nein, der beweist nichts. Bei der amtlichen Totenschau hieß es etwas unpräzise, er sei an einem Herzanfall gestorben. Das besagt wenig und lässt uns völlig im ungewissen, ob er sterben musste, weil er sich zwischen das Mädchen und irgendein grauenhaftes Fabelwesen stellte. Der Ausdruck auf Parskets Gesicht und die Worte, die er ausrief, als er die Hufschläge über den Korridor donnern hörte, sprechen dafür, dass ihm plötzlich eine Erkenntnis kam, die bis dahin kaum mehr als ein schrecklicher Verdacht gewesen sein mochte. Und wahrscheinlich erkannte er viel klarer und fürchtete sogar noch weit stärker als ich, dass irgendeine ungeheure Gefahr auf uns zukam. Und dann vollbrachte er die große, tapfere Tat.«
»Und der Grund?« fragte ich. »Was war der Grund dafür?« Carnacki schüttelte den Kopf.
»Das weiß nur Gott«, antwortete er mit einer ganz eigenartigen, aufrichtigen Ehrfurcht. »Wenn es das war, was es zu sein schien, dann ließe sich eine Erklärung denken, die sich mit der Vernunft vereinbaren lässt, die aber, wie ich zugeben muss, vollkommen falsch sein kann. Um euch die Gründe für meine Erklärung verständlich zu machen, müsste ich euch wahrscheinlich erst einen langen Vortrag über Gedankenübertragung halten. Ich bin der Meinung, dass Parsket etwas zuwege gebracht hat, was ich als eine Art induzierten Spuk bezeichnen möchte, eine Art Simulation seiner geistigen Vorstellungen, die durch sein verzweifeltes Nachdenken und Nachbrüten entstanden ist. Deutlicher kann ich es euch mit ein paar Worten beim besten Willen nicht erklären.«
»Aber die alte Sage!« rief ich. »Warum kann nicht doch etwas daran gewesen sein?«
»Es kann natürlich etwas daran gewesen sein«, sagte Carnacki. »Aber ich glaube nicht, dass sie etwas mit dieser Sache zu tun hatte. Ich bin mir noch nicht ganz klar darüber, aus welchen Gründen ich es nicht glaube, aber vielleicht kann ich es euch später sagen.«
»Und die Hochzeit? Und der Keller – hat man dort etwas gefunden?« fragte Taylor.
»Ja, die Hochzeit fand trotz der Tragödie noch am selben Tag statt«, erwiderte Carnacki. »Es war das Klügste, was man in Anbetracht der Dinge, die ich nicht erklären kann, machen konnte. Später ließ ich im Keller den ganzen Fußboden aufbrechen, weil ich das Gefühl hatte, dort ließe sich vielleicht etwas finden, was mir eine Erleuchtung bringen könnte. Doch auch das brachte mich keinen Schritt weiter. Das Ganze war eine unheimliche und sehr ungewöhnliche Sache. Der Ausdruck auf Parskets Gesicht und das gewaltige Hufestampfen, das durch das stille Haus dröhnte und sich allmählich immer weiter entfernte, werden mir unvergesslich bleiben.«
Carnacki stand auf.
»Das wär’s für heute«, sagte er freundschaftlich und gab das Zeichen zum Aufbruch.
Nachdenklich traten wir in die nächtliche Stille hinaus und begaben uns schweigend nach Hause.

Forum (Kommentare)

Info 22.09.2017 - 15:14
Noch keine Kommentare zu diesem Artikel vorhanden.