Die Klöster – Zentren der Geschichtsliteratur

Zweifellos haben in der Mitte des 10. Jahrhunderts Ottos des Großen erfolgreiche Politik und seine kulturellen Bemühungen dem zunächst zaghaften Neubeginn der Historiografie Impulse gegeben. Diese Geschichtsschreibung war zunächst auf den sächsischen Raum beschränkt und keineswegs reichsgeschichtlich orientiert. Widukind ist dafür das erste Beispiel. Daneben finden wir, wenn auch sehr vereinzelt, auswärtige Gelehrte wie den 961 zum Bischof von Cremona erhobenen Langobarden Liutprand, der neben der »Antapodosis« (»Buch der Vergeltung«) vor allem in der kurzen »Historia Ottonis« (»Geschichte Ottos«) die Jahre des starken Italienengagements und der Kaiserkrönung 960-964 zur Rechtfertigung königlicher Politik aufzeichnete. Ein literarisches Hofleben wie unter Karl dem Großen gab es bei Otto dem Großen allerdings nicht, die berühmten Klöster Corvey, Gandersheim, Maximin in Trier, Fulda, Hersfeld oder St. Gallen waren die Zentren der beginnenden literarischen Entfaltung. Mönche wie Widukind oder Bischöfe wie Liutprand, lateinkundige Kleriker also, schrieben die Geschichte ihrer Zeit. Mit der literarischen Tradition wurde folglich auch die Sprache übernommen, das Lateinische. Selbst meist vornehmer Abstammung und mit der Bildung der Antike vertraut, hielten Priester die Ruhmestaten ihrer geistlichen oder weltlichen Standesgenossen fest, bei aller gegenteiligen Beteuerung nicht frei von Parteilichkeit, vor allem dann nicht, als die unter den Ottonen noch stabile Einheit von Kaiser und Papst im Investiturstreit zerbrach und die literarische Produktion Agitationsmittel und Sprachrohr der gegnerischen Lager wurde. Ob man aus engem stammesgeschichtlichem Blickwinkel oder mit politischem Weitblick den Gang der Geschichte universal aneinanderreihte oder deutete, ob man für den eigenen ›Hausgebrauch‹ des Klosters oder der Bischofskirche schrieb, immer blieben die privaten und politischen Ereignisse Teil der großen Heilsgeschichte, die auf die Wiederkunft Christi ausgerichtet war. Nach den Ottonen veränderte sich diese religiös orientierte Historiografie nur noch in geografischen und durch die Entwicklung der Politik bedingten Nuancen. Die erschütternden Machtkämpfe, die vom Autor selbst erlebte Zeit standen nun ganz im Mittelpunkt und ließen die Chroniken wie Annalen stark anschwellen. Vor allem die cluniazensische Reformbewegung entdeckte Augustinus neu und erhob seine Gedanken über Staat und Kirche, Gehorsam und Auflehnung, Frieden und Gerechtigkeit zum Richtmaß für politisches Handeln. Die Geschichtsschreibung, bis zu Thietmar von Merseburg weitgehend auf Sachsen zentriert, erfasste unter den Saliern das rheinischsüddeutsche Gebiet und weitete sich zu wirklicher Reichsgeschichte durch die feste Einbeziehung Italiens.

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Info 26.09.2017 - 21:53
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