Der Staat als Personenverband

In der für die Germanen und – mit gewissen Besonderheiten – auch für die Kelten typischen Einrichtung der Gefolgschaft treffen wir auf ähnliche Denkmuster. Es handelt sich hier um einen festen Personenverband auf der Basis der Freiwilligkeit und der gegenseitigen Treue zwischen dem Gefolgschaftsherrn und dem Gefolgsmann, wobei natürliche Verwandtschaftsbeziehungen keine Rolle spielten. Der Gefolgsmann gelobte unbeschadet seiner persönlichen Freiheit Treue und Gehorsam, d.h. konkret Tat und Hilfe im Frieden und vor allem im Krieg, der Herr garantierte ihm dafür Schutz, Ausrüstung und Unterhalt. Diese Loyalitätsvereinbarung galt auf Lebenszeit oder aber zumindest so lange, wie beide Seiten ihren Verpflichtungen nachkamen. Grundsätzlich konnte jeder freie Mann Gefolgschaftsherr werden, sofern er die Mittel dazu besaß bzw. durch Raubzüge, Krieg, Piraterie oder aber auch durch die Gunst eines noch Höhergestellten sich zu verschaffen wusste. Je größer und schlagkräftiger die Gefolgschaft, um so höher war das Prestige und vor allem die persönliche Macht des Herrn. Über die größten Gefolgschaften verfügten naturgemäß die Könige, und deren persönliche Gefolgsleute waren es auch, welche zusammen mit den Resten des kulturell und bildungsmäßig überlegenen galloromanischen senatorischen Adels den sogenannten neuen Reichsadel des Frankenreiches bildeten, dieser Vorgang ging um so leichter vonstatten, als sich auch im spätrömischen Reich, insbesondere in Gallien, aus der Not der Zeit heraus gefolgschaftsähnliche Bindungen entwickelt hatten. Mit großer Wahrscheinlichkeit stellt das Patronats- und Kolonatswesen der Spätantike an der Schwelle zum Mittelalter eine der Wurzeln der Grundherrschaft und des Lehnswesens dar. Kommendation (lat. commendatio: Empfehlung)
Antike: Rechtsakt, der ein Knechtschafts- oder Vasallenverhältnis begründet. Verknechtungsritus, bei dem der Mann seine gefalteten Hände in die des Herrn legt, d.h. sich ergibt oder »kommendiert«. Diese Schutzgebärde zeigt, dass der Vasall sich zu Gehorsam und Dienst, der Herr sich zum Unterhalt verpflichtet. Vasallität und Kommendation untrennbar verbunden, unterscheiden sich zunächst dadurch von der Gefolgschaft, die durch Treueid begründet wird.
Merowingerzeit: Nur noch die Könige haben das Recht, sich eine Gefolgschaft aus Freien zu halten: Der Adel muss sich mit den unfreien Vasallen begnügen.
Karolingerzeit: In der Zeit des Aufstiegs der karolingischen Hausmeier steigen deren Vasallen ebenfalls sozial auf. Ihr Status der Unfreien geht langsam verloren, vor allem seit Karl Martell seine Vasallen mit Grund und Boden belehnt. Der Akt der Kommendation muss nun umgewertet werden: Er verliert seinen Unterwerfungscharakter dadurch, dass die Vasallen seit Mitte des 8. Jahrhunderts sich kommendieren und den Treueid leisten. Treue, seither der Zentralbegriff des Lehnswesens, bindet Gefolgsmann und Herrn.

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Info 18.01.2018 05:10
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