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Die Kirche als Grundherr

Sehr schnell gelangte auch die Kirche durch königliche oder adelige Schenkungen zu großen Grundherrschaften, wobei die Spitzen ihrer Hierarchie ebenfalls in den Reichsadel gelangten. Weil das germanische Erbteilungsrecht bei den kinderlosen Vertretern der Kirche nicht durchschlug, sah sich diese bald im Besitz von besonders großen, zusammenhängenden Grundherrschaftskomplexen, aus denen sie dann aufgrund ihres Bildungsvorsprunges durch gekonnte Verwaltung und fortschrittliche Bewirtschaftungsmethoden besonders hohe Erträge zu ziehen verstand. Dies wog besonders schwer in einer Zeit, in der die wirtschaftliche Bedeutung des Grundbesitzes infolge eines ständigen Rückganges von Handel und Gewerbe im 8. und 9. Jahrhundert und damit der Geldwirtschaft kontinuierlich anstieg, übertriebene Vorstellungen freilich hinsichtlich der Wirtschaftskraft dieser Kirchengüter sind auch hier nicht am Platze, da die Siedlungsdichte sehr gering war: Auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik lebten nur etwa 24 und links des Rheins höchstens 55 Personen auf einem Quadratkilometer. Die Erträge von Roggen, Hafer, Gerste, Hirse, Linsen, Bohnen, Rüben und Wein waren nach jetzigen Begriffen geradezu lächerlich gering. Der Schwerpunkt der Landwirtschaft lag, wie wir durch die Untersuchungen von Abel, einem Wirtschaftswissenschaftler, wissen, nicht auf dem Ackerbau, sondern auf der Viehwirtschaft, die sehr personalintensiv war. Soziale Schichtung
Jede Grundherrschaft stellte ein mehr oder minder vollständiges, verkleinertes Spiegelbild der damaligen Gesellschaftsstruktur dar: Die unterste Schicht bestand aus absolut weisungsgebundenen Sklaven, oft Kriegsgefangenen, welche direkt auf dem Herrenhof arbeiteten, darauf folgten die Hörigen mit ›eigenem‹ Bauernhof, wobei wiederum zwischen strikt befehlsgebundenen und nur zu bestimmten Diensten und Abgaben verpflichteten zu unterscheiden wäre, danach kamen die persönlich freien Bauern, welche aber einen grundherrneigenen Hof bewirtschafteten und deshalb ebenfalls Dienste und Abgaben zu leisten hatten. Freie Bauern auf eigenem Grund und Boden bildeten in der damaligen Gesellschaft eine Minderheit. Dann, in der Sozialpyramide schon sehr weit oben, kam der meist adelige Grundherr mit seinem Gewaltmonopol und Fehderecht, über ihm rangierte nur noch die dünne Schicht des Reichsadels und die Spitzen der Kirche. Der hohe Adel und die hohe Geistlichkeit war zweisprachig und hatte in ihren Reihen einen nennenswerten Prozentsatz von Abkömmlingen der alten romanischen Oberschicht, die sich mit den germanischen Eroberern arrangiert hatte. Im 8. und 9. Jahrhundert kam dann im Zuge der neuen militärischen Taktik zur ›alten‹ Aristokratie ein neues Element in Gestalt des professionellen Reiterkriegers hinzu. Zahlenmäßig spielte die Stadtbevölkerung nur mehr in der Provence eine Rolle, auch hier mit fallender Tendenz.

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