Wie die Könige ihre Kriege und Verwaltung finanzierten

Für den Staat hatte der Vormarsch der reinen Agrarwirtschaft auch seine Folgen: In einer Zeit, da die Einfälle von Arabern, Normannen und Ungarn erhöhte militärische Anforderungen stellten und das herkömmliche Milizheer zu Fuß keine militärischen Erfolge mehr erzielte, machten es die wirtschaftlichen Umstände unmöglich, das taktisch notwendig gewordene Heer aus Panzerreitern mit Geld zu besolden, dies musste vielmehr durch die Vergabe von Land geschehen, dem offenbar einzigen, akzeptablen Zahlungsmittel, das reichlich zur Verfügung stand. Der König gab seinen Kämpfern als Lohn für ihre Dienste quasi leihweise Land zu ihrer Verfügung und Bewirtschaftung, also zu »Lehen«. Beim Tod eines Lehnsträgers fiel das Land wieder an den König, der es für treue Dienste neu vergeben und so die Oberhoheit wahren konnte. Allerdings setzte das Funktionieren des Lehnswesens einen starken König voraus. In einem grundherrschaftlich strukturierten System sollte sich dies als zweischneidige Sache erweisen, die Staatsführung kam zwar so zu einer den Anforderungen gewachsenen Truppe, vermochte es jedoch nicht, diese im Sinne eines »stehenden Berufsheeres« ausschließlich an sich zu binden. Das beileibe nicht nur in wirtschaftlichem Sinne autarkistische (unabhängige) Grundherrschaftssystem machte nämlich diese ›neuen‹ Grundherrn vom König materiell weitgehend unabhängig. Als dann das eigentlich nur verliehene Land schnell vererbbar wurde, hatte der König eine große Anzahl kleiner Dynastien ›eigenen‹ Rechts geschaffen, deren Träger selbst andere mit Teilen ihres Lehens belehnten und von sich abhängig machten. Er hatte sich auf lange Sicht einen Bärendienst erwiesen. Wirtschaftliche Gründe, wenn auch nicht allein, waren es auch, die den Aufbau eines durchorganisierten Verwaltungsapparates als reines Herrschaftsinstrument des Königs verhinderten, weil die Krone auch in diesem Fall ihre Helfer nur mit Land entlohnen konnte – mit den bekannten Folgen! Da nun aber gar nicht genügend Laien vorhanden waren, die bildungsmäßig den zunehmend schwierigeren Verwaltungsaufgaben des Reiches gewachsen waren, mussten die Herrscher dafür in immer stärkerem Maße die Kirche heranziehen und sie mit Land entlohnen. Wirtschaftlich gesehen bedeutete das sich dadurch wieder vergrößernde Kirchengut sogar einen Vorteil für das Reich, weil die Kirche ihre Güter am erfolgreichsten bewirtschaftete, bis zum Ende des ottonischen Reichskirchensystems stimmte auch die Gleichung: Viel Kirchengut bedeutet große Königsmacht. Als aber das aufstrebende Papsttum im Investiturstreit die Loyalität der Reichskirche stark erschütterte, kehrte sich auch auf diesem Sektor das grundherrschaftliche System gegen die Zentralgewalt.