Das Heer der Frankenzeit

Das Heer der Merowinger- und frühen Karolingerzeit war hauptsächlich ein Milizheer zu Fuß. Schwert, Streitaxt, Hirschfänger und Schild bildeten die Hauptbewaffnung, Helm und Panzer konnten sich nur reichere Adelige leisten – der Strohhut war die vorherrschende Kopfbedeckung! Die Sammlung des Aufgebots war etwas langwierig, schwieriger noch war es, das Heer dann zusammenzuhalten, da die Soldaten ja ihre Arbeit als Landwirte zu leisten hatten. Der Kampfwert war allerdings nicht gering, was die großen Erfolge der Merowingerdynastie beweisen. Technisch waren die Franken zur Produktion hochwertiger Waffen durchaus fähig, so waren, wie die Quellen beweisen, fränkische Schwerter ein in ganz Europa berühmter und begehrter Artikel, was ebenso für die Schuppenpanzer galt. Der Export dieser Waffen war auch wohlweislich durch Gesetz verboten. Die arabische Invasionsbedrohung führte dann im 8. Jahrhundert zu einer tiefgreifenden Umgestaltung des fränkischen Militärwesens: Aus dem bäuerlichen Infanterieheer wurde allmählich eine Truppe berittener Berufskrieger, die mit Eisenhelm, Schuppenpanzer (viel später »Plattenrüstung«), Beinschienen, Schild, einer langen Stoßlanze und mit dem berühmten Frankenschwert bewaffnet waren. Sattel und Steigbügel garantierten festen Sitz und brachten diese vorzügliche Bewaffnung erst richtig zur Geltung. Aus karolingischen »Einberufungsbefehlen« wissen wir, dass manchmal auch Pfeil und Bogen zur Ausrüstung gehören konnten, die dann später aus den Ritterheeren verschwanden. Diese Befehle geben auch genaue Anweisungen für Tross und Bagage: so musste auf Wagen alles nötige »Pioniergerät« wie Schaufeln, Bohrer u. ä. mitgeführt werden. Bewaffnung und Montur sollten für sechs, die Verpflegung für drei Monate reichen. Sehr bestimmt wurde strikte Marschdisziplin angemahnt – das Aufgebot durfte in seinem Durchzugsgebiet nichts requirieren außer Futter, Feuerholz und Wasser. Unterhalt und Ausrüstung waren für diese Zeit sehr kostspielig, die Heere dementsprechend klein! Fränkische Rechtsquellen besagen, dass im 8. Jahrhundert ein Panzer 12 Goldsolidi, das war der Wert von sechs Kühen, kostete und ein Streitross etwa den gleichen Wert repräsentierte. Heute hat man die Kosten für einen kompletten Panzerreiter jeweils auf 45 bis 48 Solidi (siehe unten) berechnet. Hier war schon ein stattliches Lehen nötig, damit diese Summe aufgebracht werden konnte. Solidus, Plural: Solidi (lat. solidus: massiv)
Eine seit Kaiser Konstantin dem Großen (306-337) in ihrem Wert festgelegte Goldmünze. Sie war bis zum 10. Jahrhundert in Ostrom Hauptmünze, der von ihr abgeleitete Schilling war wichtiges Zahlungsmittel im Mittelalter, während der Solidus sich zur Rechnungseinheit entwickelte. In Zusammenhang mit dem Solidus stehen die nhd. Begriffe Sold und Söldner, der Solidus war also ursprünglich auch Einheit für die Bezahlung von Kriegsdiensten.

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Info 22.11.2017 14:01
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