Küsten Brandungserosion und Verlagerung des erodierten Materials

Durch Brandung, Gezeiten und Meeresströmungen, durch Bewegungen der Erdkruste (Hebung, Senkung) und durch einmündende Flüsse werden die Küsten ständig verändert. Bisweilen drängen auflandige Stürme die Küste innerhalb kürzester Zeit zurück, so z. B. 1953 in der südostenglischen Grafschaft Suffolk (um 11 m in zwei Stunden), nachdem schwere See vorher ein 8 m hohes Kliff unterspült hatte. Die Erosionskraft des Meeres ist von der Widerstandsfähigkeit der Gesteine abhängig. Harte Granite sind wesentlich widerständiger als glaziale Geschiebelehme, Kiese und Sande, wie sie etwa in Massachusetts (USA) vorkommen, wo das Meer auf der Insel Marthas Vineyard jährlich 1,7 m weit vordringt und ein Leuchtturm bereits dreimal versetzt werden musste. Brandungserosion
Die Brandungswellen des Atlantik wirken mit einer (geschätzten) Kraft von etwa 10 000 kg pro Quadratmeter auf die Küste ein, während starker Stürme dürfte sich dieser Wert verdreifachen, da schon Zementblöcke von mehr als 1000 Tonnen Gewicht von der See verlagert worden sind. Die hydraulische Wirkung der Meereswellen ist gut zu beobachten, wenn diese gegen Gesteinsflächen schlagen. Dabei wird von dem Wasser Luft in die Poren und Spalten des Gesteins gepresst und beim Zurückweichen der Welle plötzlich entspannt, was eine explosionsartige Wirkung auf den Stein ausüben kann. So werden die Spalten erweitert und das Gefüge des Gesteins gelockert. Darüber hinaus wirbeln die Wellen Sand und Steine, bei Stürmen sogar Felsbrocken mit und schleudern sie gegen die Küste. In der Folge entstehen an Kliffen Brandungshohlkehlen und Höhlen, in denen die Erosion weiterarbeitet. Brechen Höhlendächer ein, entstehen Öffnungen, durch die das in Wellen eindringende Wasser nach oben spritzen kann. Da Gesteine unterschiedliche Härte haben, formt die marine Erosion in weichen Gesteinen sanfte Buchten, die oft durch Landspitzen aus hartem Material voneinander getrennt sind. Solche Landvorsprünge ins Meer werden von beiden Seiten zugleich erodiert. Es können sich auf der einen und anderen Seite Grotten bilden, die sich mitunter vereinigen. Stürzt ihr Gewölbe zusammen, bleibt ein Gesteinsturm zurück, ein sogenannter Brandungspfeiler. Selbst sehr widerstandsfähiges Gestein wird auf diese Weise mit der Zeit abgetragen. Den Abschleifungsvorgang, der durch das Aneinanderreiben von Sand, Steinen und Fels infolge der ständigen Bewegung des Wassers verursacht wird, bezeichnet man als Abrasion. Die Verlagerung des erodierten Materials
Das abgetragene Gesteinsmaterial wird längs der Küste vor allem durch die Meereswellen transportiert. Wellen treffen nämlich meist nicht senkrecht auf die Küste, sondern schräg. Wenn sie sich vorwärtsbewegen, befördern sie loses Material an den Strand, fließen sie zurück, nehmen sie einen Teil dieser Fracht wieder mit, unter einem Winkel senkrecht zur Küstenlinie. Diese Zickzackbewegung befördert Sand und Geröll seitlich an der Küste entlang und führt eine Küsten- oder Strandversetzung herbei. Neben den Bewegungen der Wellen wirken auch Gezeiten und Meeresströmungen auf die Lockersedimente ein. Da möglichst stabile Küsten für die in ihrer Nähe lebenden Menschen sehr wichtig sind, wurden schon viele Versuche unternommen, die Erosion und die Vorgänge der Küstenversetzung zu kontrollieren. Eine wirksame Methode hierzu ist die Errichtung von Buhnen – zickzackartig oder senkrecht zur Küstenlinie ins Meer geführten, niedrigen Dammkörpern – sowie von Strandmauern und Deichen, um die Küste vor Stürmen zu schützen. Trifft lockeres Gesteinsmaterial bei seinem Transport längs der Küste auf ein Hindernis, z. B. eine Landspitze, oder ändert sich plötzlich die Richtung der Küste, kann sich das Material in Sandbänken und lang gestreckten Landzungen (Nehrungen) ablagern, die zur Abschnürung ganzer Buchten führen. Andere Küstenformen
Seit dem Ende der pleistozänen Vereisungen hat das schmelzende Eis zu einer Vermehrung der Wassermassen geführt, viele Küsten wurden überflutet. Davon zeugen eine Reihe versunkener Flusstäler (Riasküste) und überfluteter Gletschertäler (Fjordküste). Andere Küstengebiete waren Hebungsvorgängen der Erdkruste unterworfen, wie dies ehemalige Strandlinien und Brandungsspuren, die zuweilen weit landeinwärts liegen, erkennen lassen. Manche Küsten sind dank besonderer geologischer Strukturen charakteristisch ausgebildet. Als Haupttypen kennt man die konkordante und die diskordante Küstenlinie. Eine konkordante Küstenlinie findet sich an der jugoslawischen Adriaküste: Die geologischen Strukturen verlaufen küstenparallel, das Vordringen des Meeres hat hier einstige Täler in Buchten und Berge in Küsteninseln verwandelt. Diskordante Küstenlinien entstehen, wenn, wie in Irland, die geologischen Strukturen die Küste unter einem Winkel schneiden. In tropischen Meeren bilden sich durch das Wachstum von Korallenbänken besondere Küstenformen aus. Korallentiere leben nur in warmen, durchlüfteten und vom Licht erreichten Gewässern nicht unter 50 m Tiefe. Küsten oder Saumriffe entstehen nahe der Küste in flachem Wasser. Die großen, weiter von der Festlandküste entfernten Wall- oder Barriereriffe entstanden durch Landsenkung bzw. Ansteigen des Meeresspiegels, wobei sich der Riffkanal verbreiterte. Die interessantesten Korallenbildungen sind die Atolle: ring- oder hufeisenförmige Riffe über abgesunkenen Inseln mitten im Ozean.
Die Erosion der Wellen wirkt auf felsige Landvorsprünge von beiden Seiten her [A]. Vereinigen sich die Brandungshöhlen, entsteht ein Brandungstor [B]. Bricht dessen obere Verbindung zusammen, bleibt ein einzelner Brandungspfeiler stehen [C]. Aus den Dächern der Höhlen werden Spritzlöcher herausgespült [D].
 
Unter Küsten- oder Strandversetzung versteht man den Transport der losen Küstensedimente (Sand und Kies) längs der Küste. Wellen laufen, durch Wind und Strömungen getrieben, den Strand meist schräg an [A], das Lockermaterial wird deshalb in einer Kurve vorwärtsbewegt [B]. Die zurückfließende Welle führt einen Teil des Materials senkrecht zur Küstenrichtung (kürzester Weg) wieder ab [C]. Auf diese Weise werden die Lockersedimente in einer Zickzackbewegung an der Küste entlangtransportiert, die Küste gleicht sich aus.

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Info 23.11.2017 19:15
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