Erkrankungen in der Dritten Welt

Die Gesundheit eines Volkes hängt von Qualität und Quantität der Ernährung ab, von der Art der Unterkunft, der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung und nicht zuletzt vom Stand der medizinischen Versorgung. Die Entwicklungsländer – wo etwa 40 Prozent der zurzeit ungefähr 6,5 Milliarden zählenden Weltbevölkerung leben – können diesen Anforderungen kaum gerecht werden, weil ihnen dazu die wirtschaftlichen und finanziellen Voraussetzungen fehlen. Die Lebenserwartung eines Neugeborenen in diesen Ländern beträgt etwa 35 Jahre, was der Lebenserwartung eines Westeuropäers im 14. Jahrhundert entspricht. Durch Insekten übertragene Krankheiten
Die häufigsten Erkrankungen in Entwicklungsländern lassen sich in zwei Gruppen einteilen: Infektionen und Nährschäden. Die wichtigsten in den Tropen vorkommenden Infektionen werden durch Insekten übertragen. Unter diesen Infektionen nimmt die Malaria, die immer noch viele Todesopfer fordert, den ersten Platz ein. Der Erreger ist ein winziger Parasit, der von der Anophelesmücke übertragen wird. Wenn die Mücke einen Malariakranken sticht, saugt sie die Parasiten mit dem Blut an und beherbergt sie in ihrem Magen. Dort vermehren sie sich, und ihre Nachkommen wandern innerhalb von 10 Tagen in die Speicheldrüsen des Insekts, das von nun an bei jedem Stich einige Parasiten in das Blut seines Opfers injiziert. Zu den Symptomen der Malaria zählen hohes Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen. Einige Parasitenarten sind relativ harmlos, andere verursachen schwerste chronische Krankheitsbilder und Tod. Zur Behandlung verwendet man Chloroquin. Wirksamer sind vorbeugende Maßnahmen wie die Ausrottung der Schädlinge selbst, die Verwendung von Moskitonetzen oder Mückenschutzpräparaten und die prophylaktische Einnahme spezifischer Medikamente. Zu den durch Insekten übertragenen Infektionen gehört auch die Filariasis, die in verschiedenen Varianten im pazifischen Raum, im Fernen Osten und in Afrika auftritt, und das Gelbfieber, eine besonders in Westafrika und Südamerika verbreitete gefährliche Virusinfektion. Schon seit langem behindert das Gelbfieber die Erschließung und Entwicklung ganzer Gebiete Südamerikas. Die vorbeugenden Maßnahmen entsprechen den bei Malaria empfohlenen. Zusätzlich kann man sich gegen Gelbfieber impfen lassen. Verschiedenste Insekten können Krankheiten verbreiten, so werden z. B. die Leishmaniose, das Dengue- und Pappataci-Fieber von Sandmücken übertragen. Diese Erkrankungen verursachen besonders in den Ländern des Mittleren Ostens schwere gesundheitliche und damit auch wirtschaftliche Schäden. In manchen Entwicklungsländern kommt noch die von Rattenflöhen übertragene Beulenpest vor. Die Schlafkrankheit wird von der Tsetsefliege verbreitet. Fleckfieber wird durch Kleiderläuse, das Tsutsugamuschi-Fieber durch eine Milbenart, das Zeckenfleckfieber durch Zecken und der Mäuseflecktyphus durch Rattenflöhe übertragen. Erkrankungen aufgrund mangelnder Hygiene
Fast ebenso wichtig wie die durch Insekten übertragenen Krankheiten sind jene, die aufgrund schlechter hygienischer Verhältnisse entstehen. Sie breiten sich durch verseuchtes Trinkwasser und verunreinigte Nahrungsmittel aus, eine adäquate Trinkwasserversorgung ist äußerst kostspielig und deshalb in vielen Ländern erst stellenweise verwirklicht. Zu diesen sogenannten Schmierinfektionen gehören eine Reihe unspezifischer Durchfallerkrankungen sowie Typhus, Paratyphus, Cholera, Lebensmittelvergiftungen, Ruhr und wahrscheinlich auch Kinderlähmung. In den 70er Jahren nahm besonders die Cholera, die sich vom Fernen Osten her bis nach Europa ausbreitete, bedrohliche Formen an. Zum ersten Mal in der Geschichte der Medizin waren sogar südlich der Sahara gelegene Gebiete betroffen. Auch Wurminfektionen gehören in diese Gruppe. Besonders gefährlich ist der Befall durch den Hakenwurm (Necator americanus) und die Bilharziose oder Schistosomiasis, eine verkrüppelnde Krankheit, die die Arbeitsfähigkeit erheblich vermindert. Wegen ihrer Seltenheit fallen die Lepra (Aussatz) und die Frambösie heute kaum mehr ins Gewicht. Beide Krankheiten werden nur durch langen persönlichen Kontakt übertragen und sind inzwischen recht gut zu behandeln. Gegen Tollwut, die durch den Biss infizierter Tiere (besonders Hunde und Füchse) weitergegeben wird, gibt es heute noch kein wirksames Mittel. Zum Schluss wären noch die Pocken zu erwähnen, eine früher verheerende Krankheit, die inzwischen weitgehend eingedämmt werden konnte und sich auf nur mehr sechs Länder Asiens und des nordöstlichen Afrika beschränkt. Nährschäden
Die bekannten Vitaminmangelkrankheiten wie Pellagra, Beriberi oder Skorbut sind in der Dritten Welt nicht mehr so häufig, wie man annehmen möchte. Allgemeine Unterernährung und die damit in Zusammenhang stehende Eiweißmangelkrankheit Kwaschiorkor wiegen schwerer. Die Hälfte der Weltbevölkerung hungert, und besonders in der Sahelzone Afrikas und in Bangla Desch, wo oft ganze Ernten durch Witterungsverhältnisse oder Überschwemmungen vernichtet werden, ist es für Millionen Menschen fast unmöglich, überhaupt etwas Essbares aufzutreiben. Dennoch vermehrt sich die Weltbevölkerung rapide, während die verfügbare Menge an Nahrungsmitteln und vor allem an Eiweiß keineswegs entsprechend wächst. Damit nimmt die Zahl der vom Hungertod Bedrohten ständig zu.

Forum (Kommentare)

Grammarmommy 27.03.2017 um 06:59:48 Uhr.
Lieber Autor dieses wunderbaren Werkes, ich liebe Sie.
Mit lieben Grüßen
Ihre Grammar Mommy