Vorbeugende Medizin

Der Begriff »vorbeugende Medizin« oder »Präventivmedizin« schließt alle Maßnahmen ein, die dazu dienen, Krankheiten von vornherein zu verhindern oder aber so rechtzeitig zu entdecken, dass sie ohne Schwierigkeiten geheilt werden können. Wartet man etwa mit einem Zahnarztbesuch so lange, bis Schmerzen auftreten, kann es leicht geschehen, dass Füllungen eingesetzt oder sogar Zähne gezogen werden müssen. Zur vorbeugenden Medizin gehören Allgemeinuntersuchungen, Impfungen. Die Schwangerschaftsvorsorge
Vor und während der Schwangerschaft ist eine vorbeugende Medizin besonders wichtig. Man kann z. B. Defekte der Erbanlagen feststellen, betroffene Partner darauf hinweisen, dass sie möglicherweise ein missgebildetes oder krankes Kind bekommen würden, und ihnen die Entscheidung für oder gegen eine Schwangerschaft erleichtern. So wird eine Frau mit einer Erbanlage für Hämophilie (Bluterkrankheit) vielleicht gar keine Kinder haben wollen, wenn man sie darüber aufklärt, dass ihre Söhne mit fünfzigprozentiger Wahrscheinlichkeit an Bluterkrankheit leiden würden. Während der Schwangerschaft sucht die werdende Mutter in regelmäßigen Abständen einen Arzt oder eine Fachklinik auf, damit Wachstum und Entwicklung des Kindes sowie ihre eigene Gesundheit dauernd überwacht werden können. Ein hoher Blutdruck, ein Diabetes oder eine ansteckende Krankheit, die dem Kind schaden könnte (Röteln, Syphilis), müssen ausgeschlossen werden. Das Körpergewicht soll unter Kontrolle bleiben. Auf Symptome der gefährlichen Schwangerschaftstoxikose oder Eklampsie ist besonders zu achten. Sollten Komplikationen (zu enger Geburtskanal, Fehlanlage der Plazenta o. ä.) auftreten, so garantiert die Schwangerschaftsvorsorge ein frühzeitiges Eingreifen. Auch der Fetus muss beobachtet werden, damit eventuelle Schäden rechtzeitig behandelt werden können und damit er sich bei Wehen beginn in der richtigen Geburtslage befindet. Für Untersuchungen des Kindes im Mutterleib ist vor nicht allzu langer Zeit eine hervorragende neue Methode entwickelt worden – die sogenannte Amniozentese. Sie eignet sich besonders zur Diagnostik von Chromosomenaberrationen (Fehlbildung der Erbanlagen). Man punktiert die Eihäute mit einer feinen Nadel durch die mütterlichen Bauchdecken hindurch und gewinnt so etwas zellhaltiges Fruchtwasser. Die Zellen werden in Gewebekulturen herangezüchtet und dann untersucht. Nicht alle Abweichungen, die sich mit dieser Methode feststellen lassen, müssen unbedingt schwerwiegend sein. Wenn man allerdings Anzeichen für Mongolismus oder Tay-Sachssche Krankheit (die zu Blindheit und Schwachsinn führt) entdeckt, muss man eine Schwangerschaftsunterbrechung in Erwägung ziehen. Impfstoffe
Während der ersten Lebensjahre besteht die Präventivmedizin vorwiegend in angemessener Ernährung und Impfungen gegen die infektiösen Kinderkrankheiten. Im Jahr 1796 entdeckte Edward Jenner (1749-1823), dass das Vaccinia-Virus Schutz gegen Pocken gewährt. Damit begann das Zeitalter der Impfungen. In vielen Ländern werden heute praktisch alle Kinder noch während des ersten Lebensjahres gegen Diphtherie, Wundstarrkrampf, Keuchhusten, Kinderlähmung und Masern geimpft, mit dem Erfolg, dass all diese Krankheiten – abgesehen von Keuchhusten – zunehmend seltener werden. Auch Tuberkulose kann durch Impfung weitgehend verhindert werden. Zudem ist diese einstige Seuche wesentlich zurückgegangen, seit man mit Hilfe von Röntgenreihenuntersuchungen eine frühzeitige Diagnose stellen und mit hochwirksamen Medikamenten behandeln kann. Unter bestimmten Voraussetzungen empfehlen sich zusätzliche Impfungen, so sollte man junge Mädchen, die noch keine Röteln gehabt haben, gegen diese Krankheit impfen, um der Rötelinfektion in einer späteren Schwangerschaft vorzubeugen. Es gibt auch Impfstoffe gegen Grippe, Tollwut, Milzbrand (z. B. für Tierärzte) und Hepatitis (z. B. für Krankenhauspersonal). Die Dauer der Immunisierung ist jeweils verschieden. Eine Impfung gegen Cholera gewährt nur für sechs Monate Schutz, die Gelbfieberimpfung hält lebenslang. Vorbeugende Medizin für Erwachsene
In späteren Jahren gewinnen die Früherkennung von Stoffwechsel- oder Herzkrankheiten und vor allem die Krebsvorsorge zunehmend an Bedeutung, während Infektionen nicht mehr dieselbe Rolle spielen wie im Kindesalter. Patienten über 30 Jahre sollten sich regelmäßig untersuchen lassen. Dabei wird der Blutdruck gemessen, die Lunge geröntgt, ein EKG geschrieben und eine Urinuntersuchung durchgeführt. Mit solch einfachen Maßnahmen kann man die gängigeren Krankheiten des mittleren und höheren Lebensalters aufdecken. Umfangreichere Untersuchungen schließen auch die Bestimmung der Fettsäuren und des Cholesterins im Blut mit ein. Frauen sind vor allem durch Erkrankungen der Geschlechtsorgane bedroht. Auf diesbezügliche Vorsorgeuntersuchungen wird deshalb in den hochentwickelten Ländern des Westens zunehmend größerer Wert gelegt. Ein sorgfältiges Abtasten der Brust genügt oft, um verdächtige Knoten festzustellen, zuverlässiger allerdings sind Röntgenspezialuntersuchungen (Mammographien). In jährlichen Abständen sollte man Abstriche vom Muttermund machen lassen. Dabei werden Zellen auf ein Glasplättchen gestrichen und mikroskopisch auf Anzeichen für bösartige Veränderungen untersucht.

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Info 23.11.2017 19:12
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