Die körpereigenen Abwehrkräfte

Jeder lebende Organismus verfügt über eine gewisse natürliche Widerstandskraft gegenüber Krankheiten und Verletzungen. Der Mensch ist diesbezüglich besonders gut ausgestattet. Zu den
vielfältigen Abwehrmechanismen gehören auch die Sehnenreflexe, die uns z. B. bei Berührung mit heißen Gegenständen zurückzucken lassen, bevor ein größerer Schaden entsteht. Die Haut gewährt einen mechanischen Schutz gegenüber äußeren Einwirkungen. Andere Mechanismen – darunter die Blutgerinnung – verhindern allzu große Volumenverluste. Gegen Mikroorganismen kann der Körper spezifische Abwehrstoffe produzieren. Einfache Knochenbrüche und kleinere Weichteilverletzungen heilen praktisch von selbst. Die Gefährdung durch Mikroorganismen
Schädliche Mikroorganismen – das sind bestimmte Viren-, Bakterien- und Protozoen arten – können mit verseuchtem Wasser oder verdorbenen Speisen in den Körper gelangen oder durch direkten Kontakt mit Kranken übertragen werden. Sie können über eine Wunde eindringen oder mit der Luft eingeatmet werden. Viele Mikroorganismen sind harmlos und sogar nützlich (physiologische Haut- oder Darmflora), andere verursachen schwerwiegende Erkrankungen. Die Eintrittspforten für diese Erreger sind: 1. die Haut (und die Schleimhaut des Mundes, der Scheide und der anderen Körperöffnungen, die nur eine Variante der äußeren Haut darstellt), 2. die Atemwege und 3. der Verdauungstrakt. Die leicht saure Oberfläche und relativ niedrige Temperatur der Haut schützen sie bis zu einem gewissen Grad. Zusätzlich enthält der Schweiß ein Enzym, das Bakterien angreifen kann. Milchsäure produzierende Bakterien bewahren mit ihrem Sekret die Scheidenschleimhaut vor schädlichen Eindringlingen. Haare im Bereich der Nasenlöcher befreien die Luft von gröberen Verunreinigungen, andere Partikel bleiben an der feuchten Nasenschleimhaut kleben, werden verschluckt und im Magen unschädlich gemacht. Winzige Haare oder Zilien, die die Schleimhaut von Luftröhre und Bronchien bedecken, bewegen Fremdkörper in Richtung Rachenraum. Sogenannte Fresszellen in der Wand der Lungenbläschen können eingedrungene Erreger vernichten und dabei gleichzeitig die körpereigenen Immunmechanismen stimulieren. Im Verdauungstrakt werden die Mikroorganismen durch Magensäure oder Enzymwirkung zerstört. Wenn jedoch die genannten Abwehrvorgänge versagen, können die Erreger sich ausbreiten, ins Blut gelangen, das Gewebe schädigen oder Giftstoffe (Toxine) freisetzen, die zu Krankheitssymptomen führen. Häufig gelingt es aber dem Organismus mit Hilfe seines Immunsystems, die Krankheit noch rechtzeitig vor ihrem Ausbruch abzublocken. Immunabwehr und Geweberegeneration
Erreger, die sich im Organismus festsetzen, wirken als sogenannte Antigene. Nun tritt das spezifische Abwehrsystem des Körpers in Aktion und bildet Antikörper, die diese Antigene vernichten sollen. Wichtiger Bestandteil der Immunabwehr sind die Lymphozyten. Sie gehören zur Gruppe der weißen Blutkörperchen und werden in Knochenmark, Thymusdrüse, Milz und Lymphknoten produziert. Die Lymphknoten sind an verschiedensten Stellen als eine Art Filterstation zwischen die Lymphgefäße eingeschaltet. Das Erstaunliche an den Lymphozyten (und anderen Zellen der körpereigenen Abwehr) ist ihre Fähigkeit, ein Antigen zu »erkennen« und genau denjenigen Antikörper zu bilden, der dieses spezifische Antigen vernichten kann, Die Wirkungsweise der Antikörper ist verschieden, und im allgemeinen schützt jeder nur vor einer einzigen Krankheit (Spezifität). Manche Antikörper führen zu einer Verklumpung der Antigene und verhindern damit deren weitere Ausbreitung. Andere benetzen die Erreger mit einem Stoff, der sie anfälliger gegenüber den körpereigenen »Fresszellen« (Phagozyten: Makro- und Mikrophagen) macht. Wieder andere können Toxine neutralisieren. Auch die Wundheilung trägt zur Verhütung von Infektionen bei (offene Wunden sind in ganz besonderem Maß für das Eindringen von Bakterien disponiert). Sogenannte Fibroblasten wandern in den Wundbereich ein. Sie bilden ein Fasergerüst, in das gesunde Zellen aus der Nachbarschaft hineinwachsen können. Das gilt für äußere Schnittwunden ebenso wie für Knochenbrüche. Blutgerinnung und Ausgleich von Blutverlust
Der Mechanismus der Blutgerinnung schützt uns vor dem Tod durch Verbluten. Bei nicht funktionierender Gerinnung können schon kleine, sonst ganz harmlose Wunden lebensgefährlich sein. Dem eigentlichen Gerinnungsvorgang gehen verschiedene chemische Reaktionen voraus, der letzte Schritt in der Kette ist die Verwandlung von löslichem Fibrinogen in Fibrin. Fibrinfäden bilden das Grundgerüst des Blutgerinnsels, das die Blutung zum Stillstand bringt. Der Körper verfügt auch über Mechanismen, mit deren Hilfe er einen Blutverlust ausgleichen kann. Eine schwere Blutung führt zu einem Blutdruckabfall. Das verletzte Gefäß rollt sich ein, und die innerste Schicht (Intima) der Gefäßwand verklebt. Die oberflächlichen Gefäße ziehen sich zusammen, und die Hautdurchblutung wird zugunsten der Durchblutung lebenswichtiger Organe wie Herz, und Gehirn gedrosselt. Auch aus Leber und Milz werden gewisse Blutreserven mobilisiert. Gewebeflüssigkeit wird vermehrt in die Gefäße aufgenommen, um den Blutdruck wieder zu heben. Mit all diesen Maßnahmen können Blutverluste bis zu einem Drittel der zirkulierenden Menge kompensiert werden.