Strahlenheilkunde

Strahlen dienen sowohl der Diagnose als auch der Therapie von Krankheiten. Die frühesten Erkenntnisse über radioaktive Substanzen verdanken wir Marie Curie (1867-1934), die 1903 für ihre Arbeit auf diesem Gebiet zusammen mit ihrem Ehemann Pierre (1859-1906) und Henri Becquerel (1852 bis 1908) den Nobelpreis für Physik erhielt. 1911 wurde ihr für die Entdeckung von Radium und Polonium zusätzlich der Nobelpreis für Chemie verliehen. Sie starb an Leukämie, einer bösartigen Erkrankung des blutbildenden Systems, die bei ihr wahrscheinlich durch eine Überdosis radioaktiver Strahlen verursacht war.
Erkrankungen, die durch Strahlenüberdosierung entstehen, zeigen ebenso wie die Folgen von Atomexplosionen, wie viel Unheil radioaktive Substanzen anrichten können. Bei vorsichtigem und kontrolliertem Gebrauch jedoch lassen sich Beta-, Gamma- und Röntgenstrahlen durchaus für diagnostische und therapeutische Zwecke verwenden. Die Röntgendiagnostik
Energiereiche Strahlen können nur bestimmte Stoffe durchdringen. Lichtwellen etwa passieren Luft, Flüssigkeiten wie Wasser und einige feste Stoffe wie z. B. Glas, nicht dagegen Holz oder Metall. Röntgenstrahlen wiederum durchdringen die Gewebe des Körpers in verschiedenem Ausmaß, während sie durch das als Röntgenschutz gebräuchliche Blei absorbiert werden. Ebenso wie mit licht lassen sich auch mit Röntgenstrahlen Gegenstände auf Filmen abbilden. Ein einfacher Röntgenapparat ähnelt einer photographischen Kamera. Die Röntgenstrahlen werden auf den zu untersuchenden Körperteil gerichtet und dann auf einem Film im Brennpunkt vereinigt, so dass sie ein Negativbild ergeben. Röntgt man beispielsweise eine Hand, so erscheinen die relativ strahlendichten Knochen Weiß, die umgebenden Weichteile, welche die Röntgenstrahlen weniger gut abhalten können, grau und der Bezirk um die Hand schwarz. Um einzelne innere Organe darzustellen, verwendet man Kontrastmittel (Substanzen, die die Strahlen nicht passieren lassen). Mit Bariumsulfat z. B. kann man den Verdauungstrakt röntgenologisch untersuchen. Geht es um Magen- oder Dünndarmerkrankungen, so muss der Patient das Mittel trinken, zur Darstellung des Dickdarms wird es als Einlauf gegeben. Andere, meist jodhaltige Kontrastmittel, die man injizieren oder schlucken lassen kann, konzentrieren sich in bestimmten Organen und gestatten damit die röntgenologische Untersuchung von Gallenblase und Harntrakt. Auch pathologische Veränderungen des Gefäßsystems lassen sich so diagnostizieren. Die Tomographie
Die üblichen Röntgenbilder sind nicht so scharf wie Photographien. Die Organumrisse werden durch Überlagerungen verfälscht. Um einen bestimmten Bereich genau zu untersuchen, muss man Schichtaufnahmen anfertigen (Tomographie). Dabei werden Strahlenquelle und photographische Platte in einem Bogen um den Körper geschwenkt. Im Zentrum des Kreises liegt das jeweilige Organ, dessen Konturen bei dieser Technik schärfer abgebildet werden, während die Umgebung zurücktritt. Fortschritte auf dem Gebiet der Tomographie haben schließlich zur Entwicklung eines Computers geführt, des sogenannten EMI-Scanners. Dieser Computertomograph fertigt Schichtaufnahmen des Gehirns an und kombiniert eine Serie solcher Aufnahmen zu einem äußerst exakten und detaillierten Bild des Ganzen. Die Methode wird vermutlich andere Techniken, bei denen man Kontrastmittel oder Luft in die Flüssigkeitsräume des Gehirns injiziert, verdrängen. Die Strahlenbelastung ist geringer als bei konventionellen Schädelaufnahmen. Neuerdings wurde auch ein Ganzkörper-Computertomograph eingeführt, der binnen Millisekunden Schichtaufnahmen in jeder gewünschten Ebene des Körpers produziert. Röntgenstrahlen sind nicht die einzigen energiereichen Strahlen, die in der Diagnostik Anwendung finden. Auch Gammastrahlen, die von einem radioaktiven Isotop (abgewandelte Form eines chemischen Elementes) ausgesandt werden, können Gewebe durchdringen. Geringe Dosen solcher Isotope kann man in die Blutbahn spritzen und dann die Strahlung über bestimmten Organen messen, in denen sich die radioaktiven Stoffe bevorzugt sammeln. Bekannt ist, dass Jod eine besondere Affinität zur Schilddrüse hat. Injiziert man nun radioaktives Jod, so wird es in mehr oder weniger großem Umfang von der Schilddrüse aufgenommen. Die Intensität der Schilddrüsentätigkeit lässt sich ermitteln, wenn man mit einem Scanner die radioaktiven Impulse über der Drüse aufzeichnet. So lassen sich auch aktive oder überaktive Bereiche bzw. Knoten von weniger aktiven abgrenzen. Krebsbehandlung mit Strahlen
Hohe Dosen radioaktiver Strahlung können Gewebe zerstören. Zur Therapie etwa eines Schilddrüsenkarzinoms verwendet man daher mehrtausendfach höhere Dosen als in der Diagnostik: Das Prinzip der Strahlentherapie ist es, mit solchen auf den Tumor gerichteten Strahlen die bösartigen Zellen zu vernichten. Zwar ist jede lebende Zelle strahlenempfindlich, doch Krebszellen werden aufgrund ihrer abartigen Struktur leichter zerstört als gesundes Gewebe. Die notwendige Dosis muss auf das genaueste berechnet und das umgebende intakte Gewebe sehr sorgfältig abgedeckt werden. Die erforderliche Dosis variiert von Tumor zu Tumor, und manche Geschwülste sprechen auf eine Strahlentherapie von vornherein besser an als andere.

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Info 22.11.2017 14:00
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