Der operative Eingriff

Die Fortschritte in Medizin und chirurgischer Technik haben Organverpflanzungen und Gehirnoperationen ermöglicht, über die fast täglich in der Presse berichtet wird. Dennoch machen diese Eingriffe nur einen Bruchteil der pro Jahr durchgeführten Operationen aus. So sind unter mehr als 260 000 Operationen, die z. B. jährlich in England vorgenommen werden, nur etwa 500 Nierenverpflanzungen. Häufigste Operationen
Bis zu einem gewissen Grad sind Operationen auch Modesache. In den USA z. B. war bis vor kurzem die Beschneidung (Zirkumzision) die häufigste Operation, tatsächlich wurde fast die ganze männliche Bevölkerung nach der Geburt beschnitten. Anderswo ist dieser Eingriff relativ selten, da er medizinisch nur manchmal wirklich notwendig ist. In vielen Ländern stellt die Appendektomie (Entfernung des Wurmfortsatzes) die in der Allgemeinchirurgie gängigste Operation dar. Es folgen Herniotomien (Bruchoperationen), Magenresektionen (Entfernung von Teilen des Magens bei Magengeschwür oder -krebs), Gholezystektomien (Entfernung der Gallenblase), Vagotomien (Durchtrennung von Magennerven bei Zwölffingerdarmgeschwür) und Hämorrhoidenoperationen. Der Allgemeinchirurg verbringt einen Großteil seiner Arbeitszeit mit der Entfernung gut- und bösartiger Tumoren verschiedenster Lokalisation. Das sogenannte Stripping von Krampfadern gehört nur teilweise zu seinem Aufgabenbereich. Diese Operation wird auch von Gefäßchirurgen durchgeführt, die auf Eingriffe an Blutgefäßen, beispielsweise Operation von Aneurysmen (sackartige Ausweitungen von Arterien, die platzen können) spezialisiert sind. Orthopäden operieren Knochen und Gelenke, Sehnen, Bänder und Muskeln. Oft führen sie Meniskektomien (Entfernung beschädigter knorpeliger Zwischenscheiben aus dem Kniegelenk) und Wirbelsäulenoperationen bei Bandscheibenvorfall durch. Urologen behandeln den Harntrakt und die männlichen Geschlechtsorgane: Häufig sind Eingriffe an der Prostata. Für Krankheiten der weiblichen Geschlechtsorgane sind die Gynäkologen zuständig.  Sie nehmen z. B.  Hysterotomien (Entfernung der Gebärmutter), Dilatationen (Erweiterungen) des Muttermundes und Kürettagen (Auskratzungen) der Gebärmutter vor. Andere Ärzte wieder spezialisieren sich auf Hals-, Nasen- und Ohrenoperationen, ihre gängigste Operation ist immer noch die Tonsillektomie (Entfernung der Mandeln). Die schwierigen Eingriffe der Augenärzte, der Neuro- und plastischen Chirurgen machen nur einen geringen Anteil aller Operationen aus. Die Operation: Vorbereitung und Verlauf
Fast jeder muss sich im Lauf seines Lebens einmal einer – wenn auch geringfügigen – Operation unterziehen, aber die wenigsten Menschen wissen, was dabei eigentlich mit ihnen geschieht. Bei der Aufnahme ins Krankenhaus wird der Patient sorgfältig von einem Krankenhausarzt untersucht. Es muss festgestellt werden, ob er gesund genug ist, um Narkose und Eingriff gut zu überstehen. Der Arzt ordnet vielleicht Blut- oder Röntgenuntersuchungen an. Bei größeren Operationen wird Blut bereitgestellt, das vor der Transfusion mit dem Patientenblut sorgfältig gekreuzt werden muss. Am Vorabend der Operation wird das ganze Operationsgebiet rasiert und der Patient auf Nulldiät gesetzt. Ist er bei Narkosebeginn nicht nüchtern, besteht nämlich die Gefahr, dass er erbricht und das Erbrochene einatmet. Etwa eine Stunde vor der Operation wird der Patient durch eine Krankenschwester prämediziert, d. h. er bekommt eine Spritze, die ihn beruhigt und gleichzeitig die für die Narkose störende Speichelsekretion hemmt. Schließlich wird der Patient in den Operationsvorraum gebracht. Hier gibt ihm der Narkosefacharzt (Anästhesist) eine Injektion in eine Vene, worauf der Patient in etwa 10 Sekunden bewusstlos wird. Dann wird er in den eigentlichen Operationssaal gefahren. Der Anästhesist drückt ihm eine Maske auf das Gesicht und hält ihn mit einer Mischung von gasförmigem Narkosemittel und Sauerstoff sowie zusätzlichen Injektionen bewusstlos. Bei größeren Eingriffen wird der Patient intubiert. Nun nehmen Operateur, Assistenten und Operationsschwester ihren Platz ein. Das Operationsfeld am Körper des Patienten wird sorgfältig mit Desinfektionsmitteln gereinigt, seine Umgebung mit sterilen Tüchern abgedeckt. Der Operateur führt den Hautschnitt durch und arbeitet sich danach zu dem betreffenden Organ vor, während seine Assistenten das Blut stillen und das Operationsgebiet mit Haken offenhalten. Die Schwester reicht Instrumente und Tupfer zu. Sie wird durch jüngere Schwestern und Pfleger (sogenannte »Springer«) unterstützt. Die meisten Operationen dauern nicht länger als eine Stunde. Zum Schluss näht der Operateur die Wunde zu und verbindet sie. Dann wird der Patient in den Überwachungsraum gebracht und sorgfältig beobachtet, bis er sich so weit erholt hat, dass er auf die Station zurückverlegt werden kann. Die Erholungsphase
Nach kleineren Eingriffen braucht der Patient nur einige Tage im Krankenhaus zu bleiben. Die Wundfäden werden meist nach etwa einer Woche gezogen. Nach seiner Entlassung wird der Patient gewöhnlich noch ein- oder mehrmals zu Kontrolluntersuchungen bestellt und dann an seinen Hausarzt zurücküberwiesen.

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Info 21.02.2018 18:27
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