Zahnheilkunde

Die 5000 Jahre alte Geschichte der Zahnheilkunde zeigt, dass der Mensch stets bestrebt war, seine Zähne zu erhalten, und dass er darüber hinaus schön immer versucht hat, qualvolle Zahnschmerzen zu vermeiden oder zu erleichtern. Trotz der großen wissenschaftlichen Fortschritte der heutigen Zahnheilkunde haben die meisten Menschen Kummer mit ihren Zähnen. Häufig leiden sie an Karies und Zahnfleischerkrankungen. Es ist erschreckend, dass in einigen hochentwickelten Ländern der Anteil der (statistisch ausgewiesenen) Personen über 16 Jahre, die keinen einzigen natürlichen Zahn mehr im Mund haben, mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung erreichen kann. Karies
Die Zähne sind meist mit einer gelatineartigen Schicht aus Bakterien und Speiseresten überzogen, dem Zahnbelag. Durch spezielle Färbeverfahren lässt sich dieser Belag vorübergehend sichtbar machen. Karies oder Zahnfäule beginnt mit der Zersetzung von Kohlenhydraten, die sich in diesem Belag fangen und dort von Bakterien abgebaut werden. Dabei entstehen starke Säuren, die den Zahnschmelz, der den Zahnzement bedeckt und schützt, angreifen. Von nun an geht der Zerstörungsprozess rapide vor sich. Man weiß, dass Karies mit Hilfe ganz einfacher Vorbeugungsmaßnahmen weitgehend verhindert werden kann. Zu diesen Maßnahmen gehören der Zusatz von Fluor zum Trinkwasser, die Beseitigung der Zahnbeläge durch richtige Pflege der Zähne und eine vernünftige Ernährung. Die Wirkung des Fluors, der den Zahnschmelz festigt und damit die Widerstandsfähigkeit der Zähne erhöht, wurde erst vor ungefähr 40 Jahren entdeckt. In Gegenden, wo das Wasser von Natur aus Fluor enthält, hatten die Menschen schon immer gesündere Zähne. Seit den dreißiger Jahren werden in manchen Ländern dem Trinkwasser winzige Spuren von Fluor zugesetzt, dadurch sind die Fälle von Karies beachtlich zurückgegangen. Die Fluorisierung des Trinkwassers ist eine einfache und erfolgreiche Methode. Zahnverfall lässt sich aber auch durch andere Maßnahmen verhüten. Wirksam sind fluorhaltige Zahnpasten und Mundwässer. Zudem kann man Fissuren – winzige Risse im Zahnschmelz – mit einem Kunststoff versiegeln und so das Eindringen von Bakterien verhüten. Mit jeder Art von Vorbeugung muss schon im Kindesalter angefangen werden, denn im Gegensatz zu vielen anderen Geweben können sich Zähne, wenn sie einmal beschädigt sind, nicht regenerieren. Hat der Verfall begonnen, so muss man auf die herkömmlichen Behandlungsmethoden zurückgreifen: Füllungen, Kronen, Extraktionen, Brücken, Prothesen u. ä. Das Ziel dabei ist es, alle schadhaften Stellen zu entfernen und eine weitere Zerstörung durch Auffüllen der Defekte mit Kunststoff oder Metalllegierungen zu verhindern. Wenn bei fortgeschrittener Karies nur noch wenig gesundes Gewebe übrig ist, kann man eine Krone einsetzen. Dabei wird der Zahn im Gaumenniveau abgetragen und die Zahnkrone durch Gold oder Porzellan ersetzt, Auch bei schadhaften Vorderzähnen lässt sich das Erscheinungsbild durch Kronen verbessern. Bedrohlichere Schädigung der Zähne
Karies kann über eine gewisse Zeit fast schmerzlos verlaufen. Erst wenn der Verfallsprozess auch das nervenhaltige Gewebe im Inneren des Zahnes, die Pulpa oder das Zahnmark, erreicht, kommt es zu akuten, oft unerträglichen Beschwerden. Jetzt genügt eine gewöhnliche Füllung nicht mehr, um den Zahn zu retten. Es kann zu einem Abszess (Eiteransammlung) im Wurzelbereich kommen, was zum Verlust des Zahnes führt. Manchmal hilft eine Wurzelbehandlung, wobei der ganze Wurzelkanal ausgeschabt und mit einem Füllmaterial plombiert wird. Als letzter Ausweg bleibt die Extraktion, d. h. der betroffene Zahn wird unter lokaler Betäubung gezogen: Er wird mit einer dafür konstruierten Zange gepackt und so hin und her bewegt, dass der umgebende Knochen langsam nachgibt und der Zahn ohne Schaden herausgeholt werden kann. Bei retinierten (nicht durchgekommenen) Weisheitszähnen oder ungünstig abgebrochenen Zähnen muss man unter Umständen Teile des Gaumens und Kieferknochens operativ entfernen. Dazu bedarf es einer Vollnarkose. Ein ausgefallener oder gezogener Zahn sollte im Allgemeinen ersetzt werden, denn abgesehen vom optischen Eindruck erschweren Lücken im Gebiss das Kauen und stören die Funktion der übrigen Zähne. Je nach Größe des Defektes kann man die Lücken durch Prothesen oder Brücken schließen. Wie die Karies lässt sich auch die Parodontose (früher: Paradentose), eine degenerative Erkrankung des Zahnfleisches mit zunehmender Zahnfleischtaschenbildung, durch vorbeugende Maßnahmen verhindern. Doch selbst bei fortgeschrittener Parodontose, die mit Zahnbettschwund und Lockerung der Zähne einhergeht, kann noch geholfen werden. Das geschädigte Zahnfleisch wird entfernt und eventuell durch neues ersetzt. Spezialgebiete der Zahnheilkunde
Ein Zweig der Zahnheilkunde beschäftigt sich mit der Begradigung des Gebisses durch gefederte Metallspangen. Eine solche Behandlung bringt besonders in der Kindheit gute Ergebnisse. Die Kieferorthopäden verschließen auch Gaumenspalten, also angeborene Missbildungen, welche die Betroffenen am Essen und Sprechen hindern. Kieferchirurgen behandeln Kiefer- und Gesichtsschädelbrüche, korrigieren Gesichtsmissbildungen und entfernen Tumoren im Bereich der Mundhöhle.

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Info 26.09.2017 - 00:12
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