Burnout-Syndrom Symptomatik und Ursachen

Durch ständige Frustration, das Nichterreichen eines Zieles und zu hohe persönliche Erwartungen an seine eigenen Leistungen kann es zu einem Burnout Syndrom kommen. Dabei sind die Symptome vielfältig. Die Symptome können Depressionen sein, aber auch physiologische Beschwerden, wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Magenkrämpfe oder körperliche Dysfunktionen beinhalten. Typische Symptome sind auch Schuldgefühle, zum Beispiel sich in seinem Beruf nicht genügend einzubringen. Der »Ausgebrannte« erlebt seine Umwelt im allgemeinen als nicht mehr kontrollierbar und zieht sich in der Regel völlig in sich zurück. Hilfe von außen (durch Verwandte oder Freunde) wird kaum noch oder gar nicht mehr angenommen. Der Kranke muss durch professionelle Hilfe von Ärzten unterstützt werden. Burn-out wird in der im deutschen Gesundheitswesen verbindlichen 10. Auflage der »Internationalen Klassifikation der Erkrankungen«, kurz ICD-10 genannt, als »Ausgebranntsein« und »Zustand der totalen Erschöpfung« mit dem Diagnoseschlüssel Z73.0 erfasst. Burnout Symptomatik
Bei Burnout treten zahlreiche Symptome auf. Die hier Genannten müssen nicht alle, und nicht in der Reihenfolge auftreten. Warnsymptome der Anfangsphase
Zunächst gibt es die Theorie, die besagt: »Wer ausbrennt, muss einmal gebrannt haben«. So fällt in der Anfangsphase häufig vermehrtes Engagement für bestimmte Ziele auf. So kann der Beruf beispielsweise zum hauptsächlichen Lebensinhalt werden. Das zeigt sich in Hyperaktivität, erhöhtem, unbezahlten Einsatz, Nichtbeachten eigener Bedürfnisse, Verdrängen von Misserfolgen sowie die Beschränkung sozialer Kontakte auf einen Bereich, z. B. die Kunden. Es ist noch nicht erforscht, aber dennoch wahrscheinlich, dass auch akute Überbelastung zu Burnout führen kann. Andererseits zeigt sich zunehmend Erschöpfung, chronische Müdigkeit und Energiemangel. Reduziertes Engagement
Die völlige Hinwendung zu einem Bereich, z. B. zum Klienten in der Arbeit, kann nach einiger Zeit genau das Gegenteil hervorrufen, nämlich den Rückzug. Der Patient verliert die positiven Gefühle gegenüber dem Klienten, es kommt zur Stereotypisierung, er sucht Distanz und meidet Kontakt, gibt anderen die Schuld, akzeptiert verstärkt Kontrollmittel, Strafen, Medikamente, kurz macht den Menschen mehr und mehr zum Objekt. Zudem entwickelt er eine negative Einstellung zur Arbeit, sie macht ihm keinen Spaß mehr und er vernachlässigt sie. Außerdem kann es auch verstärkt zum Rückzug von und Problemen mit anderen, wie der Familie, Partnern, Freunden etc. kommen, da auch in anderen Bereichen Geben und Zuhören zu Problem wird. Der Patient stellt erhöhte Ansprüche an sein Umfeld und hat häufig das Gefühl ausgenützt und nicht genug anerkannt zu werden. Emotionale Reaktionen und Schuldzuweisungen
Die mit Burnout verbundenen Probleme führen besonders zur Desillusionierung und fordern oft das Aufgeben von wichtigen Lebenszielen. Dies ist sehr schmerzlich und muss verarbeitet werden. Um die Aufarbeitung zu vermeiden, kommt es häufig zu Schuldzuweisungen. Diese kann sich entweder in Form einer Depression gegen sich selbst oder in Form von Aggressionen gegen andere wenden. Bei Depressionen fühlen sich die Patienten hilflos, sie entwickeln Schuldgefühle und mindern ihr Selbstwertgefühl. Bei Aggressionen werden verstärkt der Umwelt Vorwürfe gemacht. Beispielsweise werden in der Arbeit Veränderungen blockiert und es kommt häufiger zu Wutausbrüchen. Bei Depressionen und Aggressionen ist das Burnout meist noch in einem Stadium in dem man die Probleme, wenn man sie ernst nimmt, noch erfolgreich lösen kann. Abbau
Gehen die Burnoutprobleme über längere Zeit, steigert sich das reduzierte Engagement verstärkt zum Abbau, der zunächst in der Arbeit sichtbar wird. Desorganisation, Unsicherheit, Ungenauigkeit sowie Probleme bei komplexen Aufgaben und Entscheidungen, sind Symptome, die für verringerten kognitive Leitungsfähigkeit sprechen. Darüber hinaus schwindet auch die Motivation und Kreativität, durch die die Patienten früher so positiv aufgefallen waren. Jetzt wird die Arbeit gerne auf den Dienst nach Vorschrift reduziert. Die Annahme von schwarz-weiss Schemata und der Widerstand gegen Veränderungen führen zu Entdifferenzierung, zum Abbau. Verflachung
Zudem kommt es nicht nur zum Abbau in der Arbeit, sondern auch generell zur Verflachung des emotionalen, geistigen und sozialen Lebens. Gefühle wie Gleichgültigkeit, Einsamkeit und Desinteresse machen sich breit. Der Patient konzentriert sich auf sich selbst, reduziert und meidet Kontakte zu anderen. Es kann allerdings auch zu einer übertriebenen Bindung an eine bestimmte Person oder zur ständigen Suche nach interessanteren Kontakten kommen. Es kommt zu einem Teufelskreis. Gleichgültigkeit und Isolation verhindern Situationen in denen Reaktionen möglich sind, was die Gleichgültigkeit wiederum verstärkt usw. Psychosomatische Reaktionen
Es kommt zur Schwächung des Immunsystems und so häufiger zu Infektionskrankheiten. Die Patienten leiden oft unter Verspannungen, Schlafstörungen, Kreislaufproblemen und Verdauungsstörungen. Essprobleme und Drogenkonsum nehmen zu. Im fortgeschrittenen Stadium treten auch Herzkrankheiten und Geschwüre im Magen-Darm-Trakt auf. Verzweiflung
Ein weiteres Symptom, das überwiegend im Endstadium des Burnout auftritt, ist die existenzielle Verzweiflung. Die Einstellung zum Leben ist überwiegend negativ und das Gefühl der Hilflosigkeit verdichtet sich zur totalen Hoffnungslosigkeit. In dieser Sinnlosigkeit treten Selbstmordgedanken auf, die mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit auch in die Tat umgesetzt werden. Zusammenfassung
Fasst man die charakteristischen Merkmalen dieses Syndromes zusammen, so ist insbesondere körperliche und emotionale Erschöpfung zu nennen, die durch anhaltende physische und psychische Leistungs- und Antriebsschwäche sowie den Verlust der Fähigkeit, diese zu regenerieren, gekennzeichnet ist. Ebenso ist eine zynische, abweisende Grundstimmung gegenüber Kollegen, Klienten und der eigenen Arbeit festzustellen. Burnout ist nicht nur ein persönliches Problem des Betroffenen, sondern gefährdet aufgrund seiner »ansteckenden« Natur das berufliche Umfeld. Auch wenn sich die Prävalenz des Burnout-Syndroms noch nicht feststellen lässt, wird eine allgemeine Steigerung das Burnout-Risikos aufgrund sich verändernder Lebens- und Arbeitsbedingungen erwartet. Das Burnout-Syndrom tritt insbesondere in »helfenden Berufen« durch hohe Arbeitsbelastung auf (Pflegeberufe, Lehrer, Sozialarbeiter). Dies führt häufig zur Krankschreibung, Arbeitsunfähigkeit oder Frühverrentung. Außerdem ist das Burnout-Syndrom zunehmend in Berufen mit hohem Leistungsdruck (z. B. Manager) oder bei Menschen, die extrem Anforderungen an sich selbst stellen (insb. Sportler) zu finden. Messung
Es gibt zwar viele Theorien zum Burnout, eine Menge Fragebögen und Checklisten zur Überprüfung, deren technische Qualität aber nur selten überprüft wurde. Generell gibt es zwei anerkannte Methoden: Das Maslach-Burnout-Inventory – MBI, bei dem Aussagen aus den Kategorien Emotionale Erschöpfung, Depersonalisierung und Leistungszufriedenheit nach Intensität und Häufigkeit beantwortet werden müssen. Zudem gibt es das Tedium Measure – TM in dem Aussagen nur bzgl. ihrer Häufigkeit beantwortet werden. Phasen des Burnout Syndroms
Burnout ist dabei aber immer als ein Prozess zu verstehen, den man in Phasen unterteilen kann. Es gibt allerdings nicht den typischen Verlauf des Burnout. So wurden zahlreiche Phasentheorien entwickelt. Die bekanntesten sind von Freudenberger, Lauderale, Edlewich, Maslach und Cherniss. Freudenberger und Lauderale haben überwiegend Fälle aus der Wirtschaft betrachtet, Edlewich, Maslach und Cherniss solche aus helfenden Berufen. Freudenberger
Hier wird eine Entwicklung von einem empfindsamen zu einen empfindungslosen Stadium beschrieben. Zunächst werden negative Gefühle verdrängt, ein hoher Energieeinsatz zum Erreichen gewohnter Leistungen aufgebracht und chronische Müdigkeit verdrängt. Im empfindungslosen Stadium treten nun die bekannten Symptome wie Gleichgültigkeit, Schuldzuschreibungen an die Umwelt, Angst nicht anerkannt zu sein und Desorientierung auf. Lauderale
Lauderale beschreibt einen Weg von der Verwirrung über die Frustration zur Verzweiflung. Im Anfangsstadium der Verwirrung hat der Patient das grundlegende Gefühl, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. Die wird begleitet von gelegentlicher grundloser Angst und beginnenden körperlichen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Verspannungen etc. Im fortgeschritten Stadium der Frustration machen sich Gefühle wie Ärger, Unzufriedenheit, Gereiztheit und das Gefühl ausgenutzt, betrogen zu werden breit. Es folgt Flucht, z. B. Arbeitsplatzwechsel, oder Flucht in Drogen, Medikamente, … Die körperlichen Beschwerden verstärken sich zunehmend. Gefühle von Sinnlosigkeit, Versagen, Misstrauen treten verstärkt im Stadium der Verzweiflung auf. Es kommt zu schneller Erschöpfung, das Leben wird so weit es geht mechanisiert, der Patient zieht sich zurück und fällt in Apathie. Edelwich
Hier beginnt es mit idealistischer Begeisterung, verbunden mit Selbstüberschätzung, hohem Energieeinsatz sowie Überidentifizierung mit der Arbeit und den Klienten. Nach ersten Enttäuschungen kommt es zu einem Stillstand, der Patient orientiert sich hin zu eigenen Bedürfnissen in der Arbeit, zu seiner Karriere, verstärkt den Kontakt zu den Kollegen und zieht sich von Klienten sowie von Familie, Freunden etc. zurück, kurz er reduziert sein Leben auf die Arbeit. Nach der Erfahrung eigener Erfolg- und Machtlosigkeit sowie Problemen mit der Bürokratie und der scheinbar mangelnden Anerkennung durch die Klienten macht sich nach und nach Frustration breit. Es kommt zu körperlichen Beschwerden, Essproblemen und Drogenkonsum. Die Frustration wird später zur Apathie, der Patient ist völlig desillusioniert, verzweifelt, resigniert und gleichgültig. Spätestens jetzt muss es nach Edelwich zu einer fallspeziefischen Intervention kommen. Maslach
Bei Maslach beginnt es mit emotionaler Erschöpfung, bei der schon der Gedanke an die Arbeit erschöpft, sowie physischer Erschöpfung, die sich durch Schlafstörungen und geschwächtes Immunsystem bemerkbar macht. Der Erschöpfung folgen negative Gefühle gegen andere, wie Kollegen, Patienten, Klienten, etc., aber auch sich selbst. Es kommt zur Dehumanisierung und der Patient zieht sich verstärkt zurück. Die Arbeit wird auf das Notwendigste reduziert, Veränderungen und Probleme gemieden. In einem terminalen Stadium verstärkt sich der Widerwillen gegen andere, sich selbst und generell alles. Cherniss
Stress im Beruf, da die Anforderungen dort die eigenen Fähigkeiten und Ressourcen übersteigen ist die vorrangige Ursache bei dem Modell von Cherniss. Daraufhin kommt es zu einem Stillstand, bei dem sich Gefühle wie Angst, Spannung, Reizbarkeit und Erschöpfung breitmachen. Es folgen defensive Bewältigungsversuche durch emotionale Abkoppelung, Rückzug und Zynismus. Zusammenfassung
Die Phasen könnte man folgendermaßen zusammenfassen:
1. Enthusiasmus
2. Stagnation
3. Frustration
4. Apathie
5. Burnout
Diese Phasen lassen sich vor allem gut an den helfenden Berufen aufzeigen. Es wird mit großen Idealismus und Vorsätzen an eine Tätigkeit herangegangen (Phase Enthusiasmus). Die Person merkt aber, dass sie durch ihr Handeln keine Fortschritte erzielt. Durch die Stagnation der Fortschritte kommt es zur Frustration. Es entwickelt sich ein Zynismus gegenüber dem Klientel. In der Phase der Apathie ist die berufliche Tätigkeit nur noch unter großen Anstrengungen auszuüben. Es fehlt den Betroffenen an Motivation sich neue Ziele zu stecken und häufig auch das Bewusstsein für ihre eigene Situation. In dieser Phase wirken die Betroffenen äußerst phlegmatisch und können sich selbst zu nichts mehr antreiben, weder beruflich wie privat. Hier sind auch erste körperliche Anzeichen von Erschöpfung sichtbar. Hält dieser Zustand länger an, spricht man vom Burnout-Syndrom. Ursachen
Die Ursachen für Burnout lassen sich v.a. im persönlichen, im sozial-, und organisationspsychologischen und im gesellschaftlichen Bereich finden. Persönliche Ursachen
Es gibt persönliche Eigenschaften die Burnout begünstigen. Oft tritt Neurotizismus auf d.h., Ausbrenner haben teilweise Eigenschaften wie Ängstlichkeit, mangelnde Selbstachtung, Neigung zu Irritationen, Sorgen und Depressionen, Neigung zu Zwanghaftigkeit und Schuldanfälligkeit. Dazu kommt ein labiles Selbstwertgefühl. Zudem neigen »Ausbrenner« dazu sich zu hohe Ziele zu setzten, streben Perfektionismus an und haben Probleme Kompromisse einzugehen. Das wirkt sich nachhaltig auf ihre Handlungsplanung und -bewertung aus. Darüber hinaus steht Burnout in enger Verbindung mit dem Helfersyndrom. So kann versucht werden, dass Versagenserlebnisse und versagte Zuwendung in der Kindheit nun durch die eigene soziale Tätigkeit praktisch erkauft werden. Er gibt die Zuwendung, die er empfangen möchte. Personen mit dem Helfersyndrom versuchen, ihr labiles Selbstwertgefühl durch die Aufopferung an eine große Aufgabe und der damit verbundenen Dankbarkeit vieler Hilfsempfänger zu stabilisieren. Des Weiteren können besondere persönliche Defizite, wie eine schlechte Ausbildung, die Misserfolge provoziert und die Unfähigkeit, anderen Grenzen zu setzen, den Burnout begünstigen. Soziale und organisationspsychologische Ursachen
Organisationspsychologische Burnoutforscher sehen die Ursachen für Burnout v.a. in Zusammenhang mit den Umweltfaktoren der Helfer. Als Auslöser für das Burnout Syndrom ist oft eine Wechsel der bisherigen Arbeitssituation des Betroffenen ausschlaggebend, wie z. B. Einstieg in den Beruf, Wechsel des Vorgesetzten, Wechsel der Arbeitsstelle etc. Ein guter Einführungsprozess ist v.a. bei Berufsanfängern sehr wichtig. Die Zahl der Ausbrenner, die anfangs ins kalte Wasser geworfen wurden, ist höher als die, die eine gute Einführung erhielten. Die Arbeitsbelastung stellt eine weitere Einflussgröße dar. Eine konfliktreiche Rolle, die Unmöglichkeit, sich das Klientel auszusuchen, für den Betroffenen schwieriges Klientel, die zeitliche und organisatorische Unmöglichkeit, mit dem Klientel befriedigend zu arbeiten und zeitraubende sinnlose Verwaltungsarbeit fördert Burnout. Auch das Ausmaß der intellektuellen Anregung beeinflusst das Burnout-Risiko. Umso mehr der Alltag von immer gleicher Routine ohne Herausforderungen bestimmt ist, umso mehr steigt das Burnout-Risiko. Beim Klientenkontakt wird Burnout begünstigt, je sachlicher, einseitiger und unpersönlicher der Kundenkontakt ist und je weniger Möglichkeit der Helfer hat, sich selbst in die Arbeit einzubringen und eigene Entscheidungen zu treffen. Zudem ist es Burnout- fördernd, wenn die Ziele und Erfolgskriterien der Arbeit nicht klar definiert, eindeutig oder verbindlich sind, wenn nicht das gesamte Team die gleichen Ziele verfolgt oder wenn der Helfer Ziele verfolgen muss, die gegen seine eigene Wertvorstellungen verstoßen. Außerdem wird Burnout durch »schlechten« Kontakt zum Vorgesetzten begünstigt, wenn der Betroffene z. B. zu wenig Rückmeldung, Lob und Anerkennung bekommt und nicht das Gefühl hat, Rückhalt und Unterstützung zu haben. Auch wenn er sich zu stark kontrolliert vorkommt und das Arbeitsklima schlecht ist, steigt die Gefahr von Burnout. Auch im Kontakt mit Kollegen kann Burnout mitverursacht werden, wenn der Betroffene Gleichgültigkeit erfährt, keinen Rat und Unterstützung erhält und ihm keine emotionale und strategische Rückendeckung gegeben wird. Ein weiterer Faktor sind die »professional Mystiques«. Durch Ausbildung und Massenmedien werden falsche Bilder vermittelt, wie dass z. B. der Berufsstatus bereits Kompetenz garantiere und diese wiederum hohe Erfolgsraten, dass Klienten grundsätzlich kooperativ und dankbar, Kollegen hilfsbereit und solidarisch seien. Weitere wichtige Umweltfaktor sind private Probleme in Familie oder Partnerschaft, Einsamkeit oder geringes soziales Umfeld etc. In großen Organisationen kommen dazu noch spezielle Faktoren wie z. B. zu wenig Autonomie und eigene Entscheidungsfreiheit in der Arbeit, Rollenambiguität und -konflikte, da hier die Gefahr größer ist, dass mehrere Menschen die gleichen Aufgaben erledigen, dass Unübersichtlichkeit herrscht, dass der einzelne Aufgaben übernehmen muss, für die er nicht ausgebildet ist. Gesellschaftliche Ursachen
Der Zerfall familiärer und kommunitärer Bindungen bewirkt wachsende Anonymität und Unpersönlichkeit und begünstigt eine narzisstische, selbstbezogene Charakterstruktur mit Angst vor Abhängigkeit, die unfähig zu tiefen persönlichen Bindungen ist und innerliche Leere verspürt. Dadurch wird die Arbeit umso höher als Befriedigungsquelle mit Erwartungen besetzt. Dies hat zur Folge, dass die Menschen nicht mehr bereit sind, Arbeitsbedingungen zu akzeptieren, die nicht optimal sind und sie nicht optimal befriedigen. Eine weitere Ursache liegt im Wertewandel, insbesondere in der Einstellung zur Religion. Religion, die früher größeren Einfluss hatte und die Wechselfälle des Lebens oft eher als göttliche Fügung dargestellt hat, verliert ihre Bedeutung. Individuelle menschliche Entscheidungen haben heute Vorrang vor dem Einfluss höherer Mächte, was Unzufriedenheit und damit Burnout fördert. Darüber hinaus wird durch die Verschlechterung der Wirtschaftslage Arbeitslosigkeit immer mehr zum Problem. Menschen in helfenden Berufen bleiben aus Angst vor Arbeitslosigkeit eher an Stellen mit schlechten Arbeitsbedingungen, was sie unzufrieden macht und das »Ausbrennen« erleichtert. Durch die unsichere Marktlage, in der der einzelne keine sichere Lebensplanung mehr durchführen kann, ist der Mensch stark verunsichert. Wachsende Komplexität aller Prozesse des modernen Lebens sorgen tendenziell für Autonomieeinbußen und Stress, da der Mensch immer mehr auf Maschinen und Spezialisten angewiesen ist. Der Mensch wird mehr auf bestimmte Rollen festgelegt, kann nur noch Teilbereiche des Lebens bestimmen und bewältigen und ist oft damit überfordert. Durch die Spezialisierung innerhalb der helfenden Berufe werden gesellschaftlich hohe Erwartungen an helfende Berufe gestellt, es werden zunehmend bürokratische Kontrollsysteme eingeführt, die an Hand irrelevanter Erfolgskriterien sinnvolle Arbeit und das Erreichen selbst bescheidener Erfolge erschwert. Behandlung
Patienten mit Burnout Syndrom müssen durch professionelle Hilfe unterstützt werden. Ein Burnout Syndrom vergeht nicht »einfach« wieder. Die Betroffenen werden in einer gezielten Psychotherapie behandelt, die helfen soll, die eigene Leistungsfähigkeit besser einzuschätzen und zukünftige Leistungsanforderungen realistischer zu stellen, damit künftige Überforderungen verringert werden. In letzter Zeit geriet das Burnout-Syndrom zunehmend ins Blickfeld der Medien, nachdem einige Fälle unter Sportlern bekannt wurden. Der Profifußballer Jan Simak musste wegen Burnout-Syndroms die Karriere beenden und der Skispringer Sven Hannawald begab sich nach selbiger Diagnose in Behandlung.

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Info 22.11.2017 14:02
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