Hauterkrankungen

Die Haut als das Organ, welches den Körper nach außen hin abschirmt, ist gegenüber Erkrankungen dreifach empfindlich: erstens aufgrund ihrer Lokalisation, zweitens wegen der Abhängigkeit vom übrigen Organismus und drittens, weil sie von sich aus zu Funktionsstörungen neigt. Pilzinfektionen
Erkrankungen der Oberhaut (Epidermis) sind häufig durch Pilze verursacht, die sich von toten Zellen und Hautsekreten ernähren. Diese Pilze wachsen besonders gern in feuchten Regionen (Achselhöhlen, Leistengegend, Hände und Füße). Verschiedene Pilzarten bevorzugen jeweils andere Körperbereiche. Einige Arten gehören zur Gruppe der Fadenpilze. Vorwiegend in Mund und Scheide siedelt sich der Soor (Hefepilz, Candida albicans) an. Diese Pilzinfektionen sind meist harmlos, aber durch den Juckreiz, den sie verursachen, äußerst lästig. Da sie zu Komplikationen führen können, müssen sie unbedingt behandelt werden. Die Haut wird von Billionen Bakterien bewohnt. Im Allgemeinen sind sie ungefährlich und sogar nützlich, weil sie durch ihre Anwesenheit das Eindringen anderer krankmachender Erreger verhindern. Diese sogenannte physiologische Hautflora lebt von organischen Stoffen, wie sie im Schweiß enthalten sind. Dabei verändert sie die chemische Zusammensetzung des Schweißes, was zu dem bekannten unangenehmen Geruch führt Bestimmte pathogene (krankmachende) Bakterien können, wenn sie durch eine Schnittwunde oder einen Kratzer eindringen, Wundinfektionen und Abszesse hervorrufen. Ähnliche Erreger verursachen Pickel oder die ernster zu nehmende Akne. Dabei entzündet sich ein durch übermäßige Talgproduktion verstopfter Haarbalg. Die Eiterflechte (Impetigo) gehört ebenfalls zu den bakteriellen Hautinfektionen. Sie führt zu starkem Juckreiz und ist ansteckend. Juckreiz und Verbrennungen
Noch vor 50 Jahren waren Hautschäden durch Ungeziefer an der Tagesordnung. Vorübergehend seltener geworden, nehmen Läuse, Flöhe und Milben und die entsprechenden Hauterkrankungen jetzt wieder an Häufigkeit zu. Die durch eine Milbenart verursachte Skabies ist von so unerträglichem Juckreiz begleitet, dass man sie auch als »Krätze« bezeichnet. Fast jede beliebige Hautreizung kann jucken. Juckreiz kann auch psychisch bedingt sein sowie durch plötzlichen Temperaturabfall oder starkes Schwitzen. Geht er mit Rötung und Schwellung einher, so handelt es sich vielleicht um eine lokale Antwort auf einen Insektenstich oder eine Allergie. Auf allergische Reize reagiert die Haut meist mit Ausschlag (Ekzem) bzw. Entzündung (Dermatitis). Ähnliche Schäden können durch direkte Einwirkung bestimmter Chemikalien hervorgerufen werden. Die Skala der Schadstoffe reicht von gewissen Metalllegierungen (hauptsächlich Nickel) über Kleiderstoffe bis zum Waschpulver oder Weichspülern. Verbrennungen entstehen, wenn die Haut energiereichen Strahlen oder großer Hitze ausgesetzt ist. Verätzungen werden durch Säuren oder Laugen verursacht. Man unterscheidet je nach Ausmaß und Tiefe der Verbrennung drei Schweregrade: Eine einfache Rötung kennzeichnet eine Verbrennung 1. Grades, wie sie für Sonnenbrand oder leichte Röntgen-bzw. Gammastrahlen-Überdosierung charakteristisch ist. Verbrennungen 2. Grades sind schwerwiegender, heilen aber ebenfalls spurlos, dabei wird die Oberhaut (Epidermis) zerstört. Drittgradige Verbrennungen betreffen auch die tiefer gelegenen Hautschichten, sind extrem schmerzhaft und hinterlassen Narben. Alle Tiefgreifenderen Hautdefekte heilen unter Narbenbildung, ob es sich nun um Verbrennungen 3. Grades, Operations- oder Bisswunden handelt. Manchmal verwunden sich Menschen absichtlich, um Narben herbeizuführen (schlagende Studentenverbindungen, bestimmte Eingeborenenstämme in Afrika und der Südsee). Allgemeininfektionen
Infektionskrankheiten ziehen häufig die Haut in Mitleidenschaft. Bei den durch Viren bedingten Kinderkrankheiten und auch bei Pocken erreichen die Erreger die Haut über dem Blut weg. Sie reagiert darauf mit Rötung, Juckreiz oder Pustelbildung. Wenn sich bakterielle Hautinfektionen weit in die Tiefe ausbreiten, kann es zu Gelenk-, Knochen- oder auch Knochenmarkentzündung kommen. Warzen (Verrucae) sind ansteckend und werden durch Viren verursacht, die die Haut unmittelbar angreifen. Bei ihrer Entstehung spielt offensichtlich auch psychische Momente eine Rolle, denn manchmal erfolgt trotz engem Kontakt keine Übertragung. Außerdem können Warzen durch Suggestion zum Verschwinden gebracht werden. Falsche Ernährung und Stoffwechselstörungen wirken sich auf die Talgdrüsen aus, die bei übermäßiger Sekretion verstopfen, was zu Schuppenbildung und Akne führen kann. Einige weniger bekannte Hauterkrankungen hängen eng mit Stoffwechselproblemen zusammen. Die Rosacea z. B. geht mit roter, fetter und strukturell vergröberter Haut einher und wird durch Völlerei und Verdauungsbeschwerden mit verursacht. Jede Hautkrankheit führt zu Funktionsstörungen, Dabei können die Haare ausfallen oder ergrauen. Beides sind auch physiologische Alterserscheinungen, die je nach – erblich bedingter – Veranlagung früher oder später auftreten. Muttermale dagegen sind umschriebene, schon bei der Geburt vorhandene Hautveränderungen, die meist durch lokalisierte Überpigmentierung bedingt sind.