Erkrankungen des Nervensystems

Das Nervensystem setzt sich aus einem zentralen Anteil – das sind Gehirn und Rückenmark- und einem peripheren Anteil für die Impulsleitung zusammen. Die beiden Abschnitte unterscheiden sich wesentlich in ihrer Reaktion auf Krankheit oder Trauma: Die Zellen des peripheren Nervensystems sind widerstandsfähiger. Sie leiden kaum an Abnutzungserscheinungen und können bei teilweiser Zerstörung bis zu einem gewissen Grad regenerieren, Die Zellen des Zentralnervensystems dagegen reagieren empfindlicher und können -einmal geschädigt – nicht mehr ersetzt werden. Traumatische Hirnschäden
Das Gehirn wird oft mit einem Computer verglichen. Doch führen – im Gegensatz zum Computer – geringfügige Schäden nicht gleich zum Zusammenbruch des ganzen Systems. Der knöcherne Schädel gewährt im Allgemeinen einen ausreichenden Schutz. Zwar kann ein kräftiger Schlag Bewusstlosigkeit und retrograde Amnesie (Gedächtnisverlust für die Zeit um das traumatische Ereignis) verursachen, solche Gehirnerschütterungen heilen aber gewöhnlich wieder aus. Ein Schädelbruch kann das Gehirn mit verletzen. Das kann Lähmungen peripherer Skelettmuskeln, die dem Gehirn direkt unterstehen, zur Folge haben. Der Schädel des Kindes ist gegen äußere Verletzungen besonders empfindlich. Auch bei der Geburt kommt es gelegentlich zu Schädeltraumen. Die nichttraumatischen Gehirnschäden sind häufiger. Die Gehirnarterienwand kann nachgeben, sich ausbuchten (Aneurysma) und platzen, was zu einer Massenblutung, schweren Lähmungen oder zum Tod führt. Ein Schlaganfall, der mit dem (temporären) Verlust bestimmter Hirnfunktionen einhergeht, ist entweder durch eine Blutung oder durch Sauerstoffmangel bei Gefäßverschluss bedingt. Gehirntumoren schädigen das umliegende Gewebe durch Infiltration und Druck. Mit Hilfe moderner Techniken lassen sie sich in manchen Fällen relativ leicht lokalisieren und chirurgisch entfernen. Schädigung durch Giftstoffe
Das Gehirn ist auch empfindlich gegen bestimmte chemische Substanzen, die z. B. über die Nahrung aufgenommen werden können. Chronische Bleivergiftungen, die Tumoren und Lähmungen verursachen, waren häufig in Gegenden, wo bleihaltige Wasserleitungen durch nichtgehärtetes Wasser zersetzt werden konnten. Bei manchen Enzymdefekten sammeln sich bestimmte Stoffwechselprodukte im Blut an und schädigen die Gehirnzellen. Bei der ererbten Phenylketonurie beispielsweise steigt der Phenylalaninspiegel, und die betroffenen Kinder werden schwachsinnig. Giftstoffe, die das Nervensystem angreifen (Neurotoxine), können auch von Bakterien gebildet werden, die sich irgendwo im Körper festsetzen. Die Toxine gelangen über dem Blut weg oder über Nervenbahnen ins Gehirn. So kann es bei Diphtherie zu einer Nervenentzündung kommen. Es gibt Bakterien, die Gifte freisetzen, die nur auf Nervengewebe wirken [3J. Der in verdorbenen Konserven enthaltene Erreger Clostridium botulinum etwa bildet ein Neurotoxin, das Krämpfe, Doppelsehen, Lähmungen und Tod verursacht. Andere Mikroorganismen dringen direkt ins Nervensystem ein, z. B. das Tollwut-Virus oder das Poliomyelitis-Virus, das die motorischen Nervenzellen des Rückenmarks befällt und die abhängigen Muskeln lahmt. Auch Mikroorganismen, die primär andere Krankheiten hervorrufen, können schließlich einen Weg ins Gehirn selbst oder in die Gehirnhäute finden und dort Entzündungen verursachen. Eine unbehandelte Syphilis etwa führt oft zu einer Entzündung des Gehirngewebes (Enzephalitis). Einmal in 3000 Fällen kommt eine Enzephalitis bei Masern vor. Lungenentzündung und Tuberkulose können beide eine Hirnhautentzündung (Meningitis) nach sich ziehen. Durch Entwicklung spezifischer Impfstoffe und moderne Antibiotika jedoch lassen sich diese Infektionskrankheiten bzw. ihre Komplikationen heute weitgehend verhindern. Bei den degenerativen Erkrankungen des Nervensystems erleidet das Nervengewebe chemische Veränderungen, die die Funktion stören. Hierzu gehört die multiple Sklerose, die zu einer fleckförmigen Erhärtung der Myelinscheiden (die die Nerven umhüllen) führt. Die Funktion des betroffenen Nervenbündels geht temporär verloren. Lähmungen und Sprachstörungen treten bei vielen degenerativen Gehirnerkrankungen auf. Die Symptomatik
Jeder Gehirnteil hat seine besonderen Aufgaben zu erfüllen. Je nach Lokalisation des Krankheitsgeschehens variieren die Symptome. Sind die Sprachzentren betroffen, so kommt es zur Aphasie – der Unfähigkeit, zu sprechen. Damit sind u. U. Störungen des Sprachverständnisses und des Schreibens verbunden. Die Parkinsonsche Krankheit, die mit Tremor (Zittern) und Muskelstarre einhergeht, beruht auf einer Zerstörung bestimmter Zellen der Hirnbasis, die Bewegungen kontrollieren. 40 Prozent der Betroffenen kann durch Gabe des Medikaments L-Dopa geholfen werden. Bemerkenswert ist, dass manche Gehirnschäden überhaupt keine Symptome hervorrufen -vielleicht wird die Funktion der betroffenen Zellen von anderen übernommen. Physiologen und Mediziner, die sich besonders mit dem Nervensystem beschäftigen, haben die Ursachen vieler Krankheiten entdeckt. Wie es zu einer Epilepsie kommt, ist allerdings immer noch ein Geheimnis. In manchen Fällen kann man die Anfälle auf Traumen, Tumor oder Infektionen zurückführen, meist bleibt das Geschehen ungeklärt.

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Info 22.11.2017 17:41
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