Antioxidantien: Vitamine C und E

Vitamin C und Vitamin E können das Entstehen von Nitrosaminen im Magen verhindern.
Diese wichtige und potente Gruppe von Karzinogenen wird bei normal exponierten Personen nur zu einem geringen Teil aus der Umwelt aufgenommen; ein weitaus größerer Teil wird im Körper aus Vorstufen gebildet. Zu diesen Vorstufen gehören Nitrate, die mit dem Trinkwasser und aus pflanzlicher Nahrung aufgenommen werden, Nitrite, die als Konservierungsstoffe Verwendung finden, sowie sekundäre und tertiäre Amine, die ubiquitär in der Nahrung oder auch in Medikamenten vorkommen. Aus diesen Vorstufen können sich unter den sauren Bedingungen des Mageninhaltes Nitrosamine bilden. Verminderung der fäkalen Mutagenität
Die Gabe von Vitamin C zusammen mit Vitamin E reduziert beim Menschen die mutagenen Eigenschaften, die in natürlichen Exkrementen gefunden werden. Wirkung auf das Immunsystem
Vitamin C hat Bedeutung für die Funktion von phagozytierenden Zellen. Weiterhin soll es die Abwehrkraft des Immunsystems steigern. Vitamin E kann die Produktion humoraler Antikörper sowie die zellvermittelte Immunität erhöhen. Wirkung auf Leberenzyme
Vitamin C hat einen nachgewiesenen Einfluss auf die mischfunktionellen Oxidasen der Leber, die für die Detoxifizierung und Transformation von Karzinogenen verantwortlich sind. Erhöhter Bedarf an Antioxidantien bei Rauchern
Bei Rauchern treten Krebserkrankungen der Lunge, der Mundhöhle, des Pankreas und des Urintraktes häufiger auf als bei Nichtrauchern. Die Ursache hierfür liegt in der hohen Belastung der Raucher mit karzinogenen Schadstoffen, die im Tabakrauch enthalten sind, wie polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, Nitrosaminen, Metallverbindungen, aromatischen Aminen, radioaktiven Gasen sowie anderen toxischen/promovierenden Verbindungen. Aus vielen der genannten Verbindungen können im Körper freie Radikale gebildet werden, die direkt mit Biopolymeren der Zelle reagieren können und deshalb ultimale Karzinogene genannt werden. Neben direkten genotoxischen Effekten der ultimalen Karzinogene sind die Tabakrauchinhaltsstoffe auch Ursache für eine chronische Entzündungsreaktion mit Makrophagenaktivierung bei der vermehrt endogene Nitrosamine gebildet werden können. Daraus wird deutlich, dass alle oben aufgeführten Mechanismen, die einer protektíven Wirkung der Vitamine C und E zugrunde liegen, bei Belastung mit Tabakrauch zu einem präventiven Nutzen beitragen können. Den erhöhten Verbrauch an Antioxidantien belegen Studien, die bei Rauchern verminderte Spiegel der antioxidativ wirkenden Vitamine C und E im Blutplasma, den Leukozyten oder in der Alveolarflüssigkeit fanden. Der so entstehende relative Vitaminmangel wird außerdem dadurch verstärkt, dass die Aufnahme von Vitamin C und E bei Rauchern aufgrund ihrer Essensgewohnheiten oft niedrig ist im Vergleich zu Nichtrauchern. Um dieses Defizit wettzumachen und gleichzeitig einen zusätzlichen antioxidativen Schutz gegen den oxidativen Stress des Rauchens zu gewährleisten, ist eine erhöhte (supraphysiologische) Zufuhr beider Vitamine zu empfehlen. Erhöhter Bedarf von Antioxidantien bei oxidativem Stress
Erhöhte Konzentrationen an nitrosen Gasen – wie Stickstoffdioxid (NO²) – oder an Ozon (O³) ist ein typisches Merkmal urbaner Luftverschmutzung. Beide Gase können Zellmembranlipide und -proteine oxidieren und eine Kettenreaktion der Radikalbildung in Gang setzen. Diese Schädigung kann zu Zellnekrosen führen und so die Freisetzung von Cytokinen und vasoaktiven Agentien auslösen, was seinerseits eine Entzündungsreaktion und Makrophagenaktivierung nach sich zieht. In Folge davon kann es zu Veränderungen der Lunge kommen, die pathohistologisch als Bronchitis und Emphysem imponieren. Unter diesen Bedingungen ist eine ausreichende Versorgung mit Antioxidantien in zweierlei Hinsicht sinnvoll: einerseits um die oxidative Schädigung der Zellmembran zu verhindern, andererseits um die bei chronischer Makrophagenaktivierung gesteigerte endogene Nitrosaminbildung zu hemmen. Eine Minderversorgung mit den Vitaminen C und E erhöht demgemäß die Toxizität der Gase NO² und O³, eine ausreichende Supplementierung mit den Vitaminen C und E hat einen protektiven Effekt gegenüber NO². Tierversuche haben aber gezeigt, dass die RDA-Mengen (empfohlene Tagesdosis) an Vitaminen nur einen minimalen Schutz zu bieten scheinen. Daraus lässt sich ableiten, dass erhöhte Mengen an Vitamin C und E aufgenommen werden müssen, wenn mehr als ein minimaler Schutz erforderlich ist. Erhöhter Bedarf an Antioxidantien bei hohem Alkoholkonsum
Eine chronische Alkoholzufuhr ist mit einem vermehrten Vorkommen von Krebserkrankungen in Rachen, Kehlkopf, Speiseröhre, Magen, Lunge, Leber und Rektum verbunden. Obwohl Alkohol selbst nicht karzinogen ist, stehen 75% der Krebserkrankungen der Speiseröhre mit dem Trinken von Alkohol in Zusammenhang. Ein Teil der Schädigungen, die zu Genomveränderungen und Krebsentstehung führen, ist auf die Bildung von freien Radikalen zurückzuführen, die bei der Verstoffwechslung von Ethanol entstehen und zu Lipidperoxidation führen. Antioxidantien werden deshalb bei chronischem Alkoholkonsum stärker verbraucht als bei Nomialpersonen. Dementsprechend wurden bei Alkoholikern – auch nach Korrektur bezüglich Vitaminaufnahme, Alter und Tabakkonsum – signifikant niedrigere Plasmaspiegel an Vitamin C und E gefunden als bei Kontrollpersonen mit niedrigem Alkoholkonsum. Folglich kann auch für diesen Personenkreis eine erhöhte Aufnahme der antioxidativ wirkenden Vitamine empfohlen werden. Erhöhter Bedarf an Antioxidantien bei Radio- und Chemotherapie
Patienten, die mit Radio- Chemotherapie behandelt werden, haben ebenfalls einen erhöhten Bedarf an Antioxidantien, da beide Therapiearten freie Radikale generieren und oxidativen Stress implizieren. In Studien, in denen der Vitaminbedarf bei hochdosierter Chemo- und Strahlentherapie gemessen wurde, zeigte sich, dass ein Mehrfaches der für Normalpersonen empfohlenen Dosis an antioxidativ wirkenden Vitaminen notwendig war, um die initialen Plasmakonzentrationen der Vitamine zu halten. Es ist insgesamt ratsam, während einer Radio- Chemotherapie einen hohen Spiegel an Antioxidantien aufrecht zu erhalten, um das Ausmaß an Nebenwirkungen, etwa den Abfall der hämatologischen Werte, zu verringern.