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Das Ende der Normannennot

Die zunehmende Sesshaftigkeit großer Wikingerverbände im Gebiet zwischen Rhein und Loire veränderte die Situation weiterhin: eine ihrer Hauptwaffen, der überraschende Angriff, gepaart mit schnellem Rückzug, ging verloren. Außerdem stockte gegen Ende des 9. Jahrhunderts der Nachschub an Kriegern und Schiffen aus der nordischen Heimat, seit sich die dortigen Könige vornehmlich der inneren Konsolidierung ihrer Reiche widmeten und ihre Expansionsgelüste im Wesentlichen nur noch auf ihre skandinavischen Nachbarn oder auf England richteten. Inzwischen hatten die Franken endlich damit begonnen, ein dichtes Netz fester Plätze zu schaffen, von denen aus Gegenangriffe unternommen werden konnten. Nicht wenige der heutigen Wasser- und Höhenburgen im Rheinland gehen in ihrem Kern auf solche Bollwerke zurück. Wie ein Fanal wirkte die erfolgreiche Verteidigung von Paris gegen eine elfmonatige normannische Belagerung durch den Grafen Odo, den Ahnherrn der Kapetinger, im Jahre 886/87. Wie er gewannen überall örtliche Befehlshaber das Vertrauen der Bevölkerung und begründeten damit den Aufstieg ihrer Geschlechter. Die Erstürmung eines Normannenlagers bei Löwen an der Dyle (891) durch die schwere Reiterei König Arnulfs befreite auch das ostfränkische Reich von der unmittelbaren Bedrohung. Im Westen freilich musste König Karl der Einfältige 911 dem letzten normannischen Invasionsheer unter Herzog Rollo das gesamte Mündungsgebiet der Seine mit der Hauptstadt Rouen zu Lehen geben. Doch brachte die Annahme des Christentums durch die Normannen, deren Siedlungsgebiet noch heute Normandie heißt, auch hier allmählich eine Beruhigung. Überhaupt trug die segensreiche Tätigkeit der christlichen Missionare auf lange Sicht mehr zur Eindämmung der Wikingergefahr bei als alle militärischen Operationen. Seit Erzbischof Ansgar den päpstlichen Auftrag zur Mission in Schleswig und Holstein, in Dänemark und Südschweden erhalten hatte, mühten sich unerschrockene Glaubensboten oft unter Einsatz ihres Lebens darum, die Herzen der gefürchteten Räuber zu gewinnen. Es gelang ihnen schließlich trotz heftiger heidnischer Gegenwehr, Skandinavien an das christliche Europa heranzuführen. Als der Däne Knut der Große (1016-1035) England, Dänemark und Norwegen zu einem wikingischen Großreich vereinigte, geschah dies bereits unter christlichem Vorzeichen. Ebenso zeigen die weiteren Unternehmungen der Normannen von der Seine in Unteritalien und Sizilien (seit 1016), England (1066) und im Zeitalter der Kreuzzüge sogar im Orient, dass die urtümliche Kraft und der Unternehmungsgeist dieses Volkes ungebrochen fortlebten, auch wenn es nunmehr der christlichen Völkergemeinschaft angehörte. Literatur
Faber Gustav: Piraten oder Staatengründer.
Jankuhn Herbert: Haithabu – Ein Handelsplatz der Wikinger.
Oxenstierna Eric: Die Wikinger.
Pörtner Rudolf: Die Wikinger-Saga.

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