Australasien und Ozeanien im Kolonialzeitalter

Fernäo de Magalhäes (Magellan, um 1480 bis 1521) entdeckte 1520 die nach ihm benannte Magalhäes Straße zwischen dem südamerikanischen Festland und Feuerland, stieß in den Stillen Ozean vor und landete 1521 auf den Marianen und Philippinen, wo er im Kampf mit Eingeborenen fiel. 1569 wurde Miguel Lopez de Legazpi (um 1510-72) Gouverneur des Inselreiches, das schon seit 1543 den Namen des spanischen Infanten Philipp trug. Erst 1898, nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg, musste Spanien die Philippinen an die USA abtreten. Indonesien und Australien
Die Holländer lösten die Portugiesen als Beherrscher des Malaiischen Archipels ab. Die 1602 gegründete holländische Ostindienkompanie machte dem Piratenunwesen in diesen Gewässern ein Ende und riss den lukrativen Gewürzhandel an sich. Damit war schon der Weg für das holländische Kolonialreich bereitet, das sich von Sumatra und Java bis Borneo und Celebes und weiter noch bis nach Neuguinea und zu den Molukken (ursprünglich Gewürzinseln) erstreckte. Die Annexion dieser Inselreiche, die so begehrte Produkte wie Nelken, Muskatnüsse, Pfeffer und Kaffee lieferten, erfolgte mit viel Blutvergießen. Borneo mit seinen Gold- und Diamantenvorkommen lockte auch Chinesen an, 1701 begründete schließlich die britische Ostindienkompanie eine Handelsniederlassung im Norden, so dass die Insel politisch gespalten wurde. Anthony van Diemen (1593-1645), Generalgouverneur von Niederländisch-Ostindien (heute Indonesien), beauftragte Abel Janszoon Tasman, die Küsten von Neuholland (Westaustralien) zu kartographieren. Abel Tasman entdeckte bei dieser Expedition (1642) Van Diemens Land (Tasmanien), berührte Neuseeland und folgte der Südküste Neuguineas bis zum Carpentariagolf in Nordaustralien. Doch bis zur tatsächlichen Entdeckung Australiens durch James Cook vergingen noch über 100 Jahre. Die britische Admiralität gab Kapitän Cook (1728-79) in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts den Auftrag, eine Südsee-Expedition durchzuführen und alle neuentdeckten Territorien für England zu annektieren. 1768 brach Cook zur ersten von drei Forschungsreisen auf. Er segelte von Kap Hoorn nach Neuseeland und entdeckte, dass es sich um eine Doppelinsel handelte. Später wies er nach, dass das riesige, sagenumwobene »Südland« (terra australis) als Gegenstück zu den Landmassen der nördlichen Hemisphäre nicht existierte. Cook umsegelte noch die Ostküste Australiens, annektierte den Osten des Kontinents für Großbritannien und stellte fest, dass das vorgelagerte Neuguinea eine selbständige Insel ist. Großbritannien begann 1787 mit der Kolonialisierung des riesigen australischen Kontinents. Zunächst wurde »Neusüdwales«, der Osten, nur als Deportationsland für Sträflinge benutzt. Von 1813 an drangen Forscher immer tiefer in das Land ein, um es zu kartographieren, und bald auch Farmer. Die Bevölkerung lebte vornehmlich im Süden und Osten – dort, wo heute die Großstädte Sydney, Brisbane, Melbourne und Adelaide liegen. Opfer der Kolonialisierung des Kontinents waren die Ureinwohner, Jäger-Nomaden und Sammler auf steinzeitlicher Kulturstufe. Sie konnten mit ihren Speeren und Bumerangs nichts gegen die Feuerwaffen der Europäer ausrichten und waren den Seuchen, die die Einwanderer eingeschleppt hatten, hilflos ausgeliefert. Gerüchte über Goldvorkommen hatten um 1850 Abenteurer nach Neuguinea gelockt. Neuguinea und Neuseeland
Die Funde blieben unerheblich, aber Kaufleute und Spekulanten entdeckten eine neue Geldquelle: den Handel mit Nutzholz. So wurden die Küstenstreifen rücksichtslos abgeholzt, das gebirgige Landesinnere blieb relativ unberührt, auch als es später unter holländische, deutsche und britische Herrschaft geriet. Die Einwohner Neuseelands – die Maoris -standen auf einer kulturell höheren Stufe als die Bevölkerung der meisten anderen Inselreiche. Sie nahmen die europäischen Siedler, Walfänger und Seehundjäger zunächst freundlich auf, wurden dann aber auch Opfer der von den Siedlern eingeschleppten Seuchen. Selbst die Annexion durch Großbritannien (1840) geschah noch mit ihrer Zustimmung; doch bald kam es zu größeren Spannungen und schließlich zu kriegerischen Auseinandersetzungen, dem sog. »Krieg der Rassen«. Die Maoris waren im 13. oder 14. Jahrhundert aus Polynesien eingewandert. Andere, ihnen ähnliche Volksstämme – die Mikronesier, Melanesier und Polynesier – bewohnten noch immer die Inselreiche Ozeaniens, die zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert neu-oder wiederentdeckt wurden und wegen ihrer Kopraerzeugung (getrocknete Kokoskerne zur Futter- und Speisefettherstellung) als Kolonien begehrt waren. Die unter britischer Herrschaft stehenden Fidschis lieferten außerdem Sandelholz, Neukaledonien (französisch) Nickel. Nur die Zuckerrohr und Ananas produzierenden Hawaii-Inseln vermochten sich als unabhängiges Königreich bis 1897 zu halten. Auf anderen Inseln verfielen die Stammesstrukturen und -traditionen nach dem Eindringen der Europäer fast überall. Die Bevölkerung wurde dezimiert, u. a. durch die Christianisierung, den Sklavenhandel und durch eingeschleppte Seuchen. Positiv wirkte sich die Kolonialherrschaft nur in Teilbereichen aus: Sie unterband Kopfjägerei, Kannibalismus und Blutrache, und sie erweckte wenigstens teilweise bei einigen Inselvölkern die Hoffnung, eines Tages an den kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Errungenschaften der übrigen Welt teilhaben zu können.

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Info 22.11.2017 17:41
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