Die Welt der Insekten

Von den etwa eineinviertel Millionen auf unserer Erde lebenden Tierarten entfallen rund 80 Prozent auf die Klasse der Insekten, die zum Stamm der Gliederfüßer (Arthropoda) gehören. Dieser Prozentsatz beweist schon den Erfolg der Insekten. Zudem sind sie auf der Welt weiter verbreitet und zahlreicher als irgendeine andere Tiergruppe. Die umfangreichste Insektenfamilie (Rüsselkäfer) ist zehnmal so artenreich wie die Säugetiere. Die allgegenwärtigen Insekten
Zwar gibt es nur wenige Meeresinsekten, einige leben auf der Wasseroberfläche, andere in der Gezeitenzone, eine Mückenart sogar auf dem Meeresgrund. Aber alle übrigen von Tieren besiedelten Lebensräume sind reich an Insekten. Diese leben entweder frei, den verschiedenartigsten Lebensräumen angepasst, oder als Parasiten in oder auf Wirtstieren. Vom ewigen Eis bis zum Äquator sind dominierende Lebensformen aus den Reihen der Insekten hervorgegangen. Einige vermögen unter Schnee und Eis zu leben, andere in Wüsten, wieder andere in Salzseen und sogar in heißen Quellen. Ein Wunder der Anpassung ist einer kleinen südkalifornischen Fliegenart (Psilopa petrolei) gelungen: Sie verbringt einen Teil ihres Lebens in »Petroleumteichen«. Einer der Hauptgründe für den Erfolg der Insekten liegt in ihrer Flugfähigkeit: Von primitiven Formen abgesehen, sind die meisten Arten ausgezeichnete Flieger, die fliegend neue Gebiete und Lebensräume bevölkern, ihren Verfolgern entfliehen, Partner finden und sich Nahrung suchen können. Einige fassen sogar ihre Beute im Flug, wie zum Beispiel die Libellen. Aber obwohl das Flugvermögen den Insekten im Lauf der Evolution zu so großem Erfolg verholfen hat, ist das Verhältnis von Körpergewicht zu Flügelfläche ungünstig. Doch werden durch Bau und Wirkweise der Flügel, insbesondere infolge ihrer hohen Schlagfrequenz, Hub und Tragfähigkeit erreicht. Die Flugmuskeln der Insekten arbeiten wie kleine Hochleistungsmotoren. Sie liegen im Brustteil des Insektenkörpers. Körpergröße und Gestalt
Auch ihre geringe Körpergröße trug wesentlich zum Erfolg der Insekten bei. Als die Insekten vor 350 Millionen Jahren auf unserer Erde erschienen, gab es unzählige Lebensräume, die noch nicht von Konkurrenz besetzt waren. An diese sogenannten ökologischen Nischen passten sich die Insekten im Lauf der Evolution an. Die meist geringe Körpergröße gestattete es ihnen, auch solche Plätze zu besetzen, die größeren Tieren verwehrt waren. Das größte Insekt, eine fossile Libelle, hatte eine Flügelspannweite von 76 cm. Das kleinste heute lebende Insekt, eine Schlupfwespe (Alaptus magnamimus), misst nur 0,2 mm. Ein anderer Grund für den Erfolg der Insekten ist ihr Außenskelett aus Chitin. Wenn es auch während des Wachstums mehrmals abgeworfen und erneuert werden muss und die Insekten zu diesem Zeitpunkt verletzbar sind, so ist dieses Außenskelett doch leicht und nahezu unzerbrechlich. Chitin ist ein harter, elastischer organischer Stoff. Eine wachsartige Außenhaut und der Härter Sklerotin machen es zudem wasserdicht und bieten Schutz gegen Verdunstung, der für Landinsekten lebensnotwendig ist. Andererseits lässt das Material des Skeletts eine staunenerregende Vielfalt an Formen zu, beispielsweise bei Hügeln, Flügeldecken, Beinen, Legebohrern, Mundwerkzeugen, Borsten und Fühlern. Beim Insektenkörper erkennt man drei Abschnitte: Kopf (Caput), Brust (Thorax) und Hinterleib (Abdomen). Am Kopf liegen die wichtigsten Sinnesorgane und die Mundwerkzeuge, er umschließt Gehirn, Speicheldrüsen und Vorderdarm. Der Thorax trägt ein bis zwei Paar Flügel und drei Paar Beine. Im Normalfall entspringt je ein Flügelpaar am Zweiten und dritten der drei Brustsegmente und ein Beinpaar an jedem Segment. Das Abdomen besteht ursprünglich aus 11 Segmenten, trägt die Fortpflanzungsorgane und in einigen Fällen lange Legebohrer oder Giftstachel. Die gegliederten Beine ermöglichen große Beweglichkeit. Die Flügel helfen den Luftraum zu erobern. Das Chitinskelett schuf auch dafür die Voraussetzung. Diese große Mobilität trug dazu bei, dass es dem Menschen nicht gelang, unerwünschte Insekten fernzuhalten. Wanderheuschrecken z. B. vereinen große Fruchtbarkeit mit Flugvermögen: Sie bilden riesige Schwärme, die sich in menschlichen Obstkulturen oder Getreidefeldern niederlassen, sie kahl fressen, sich dann wie eine Wolke erheben und in neue Gebiete einfallen, wo sie ihr Zerstörungswerk fortsetzen. Verhalten
Dass die Insekten auch vielfältige Anpassungen ihres Verhaltens entwickelt haben, verwundert nicht. Besonders bei der Balz, Paarung und Brutpflege kam es zu interessanten Spezialisierungen. Am auffälligsten sind diese bei den sozial lebenden Hautflüglern (Ameisen, Bienen und Wespen) und den Termiten. Besonders erfolgreich ist die soziale Organisation der Honigbienen (Apis mellifica). Bei ihnen gibt es eine Arbeitsteilung zwischen Königin, Arbeiterinnen und Drohnen und darüber hinaus zwischen den Arbeiterinnen der verschiedenen Altersstufen. Dabei ist die Arbeitsteilung zwischen den Arbeiterinnen nicht starr, sondern kann bei wechselnden Bedürfnissen im Bienenstaat bis zu einem gewissen Grad geändert werden. Trotz des Erfolges der Insekten und des hoch entwickelten Sozialverhaltens vieler Arten wird ihr Verhalten weitgehend durch Instinkte bestimmt. Steuerung der Handlungen durch Intelligenz, wie beim Menschen, ist selten.