Heuschrecken Libellen und verwandte Insektengruppen

Wanderheuschrecke (Schistocerca gregaria)Mehr als eine Million lebender Insektenarten sind bekannt, fast alle besitzen Flügel, obwohl einige von ihnen diese Flügel im Lauf der Entwicklung wieder verloren haben, zum Beispiel die parasitisch lebenden Flöhe. Primär flügellose Insekten (d. h. solche, die von Anfang an keine Flügel hatten) sind primitiver gebaut. Aus praktischen Gründen werden sie noch gelegentlich als Apterygota zusammengefasst. Die geflügelten Insekten heißen Pterygota, sie werden weiter in die folgenden zwei Hauptgruppen unterteilt: Insekten mit unvollkommener Verwandlung, die Hemimetabola und Insekten mit vollkommener Verwandlung, die Holometabola. Vom Ei zum Vollinsekt
Bei den Hemimetabola, zu denen Heuschrecken, Wanzen und Libellen zählen, schlüpft aus dem Ei eine Larve, die sozusagen ein verkleinertes Abbild des erwachsenen Tieres darstellt. Doch unterscheidet sie sich, wie die meisten Jungtiere, in den Proportionen von den Erwachsenen: Die Flügel sind nur angedeutet und die Larve ist noch nicht geschlechtsreif. Die Larve wächst allmählich, wobei sie das Außenskelett mehrmals abwirft. Der neue Panzer ist bei der Häutung unter dem alten bereits vorbereitet, aber noch zart und dehnbar. So kann das Insekt nach jeder Häutung rasch ein Stück wachsen, solange der neue Panzer noch nicht an der Luft ausgehärtet ist. Dann bietet er zwar wieder einen wirksamen Schutz, lässt aber kein Wachstum mehr zu. Die entwicklungsgeschichtlich ältesten Arten häuten sich am häufigsten. Eintagsfliegen zum Beispiel tun dies dreißigmal und öfter, die Heuschrecken nur vier- oder fünfmal. Bei jeder Häutung werden die Geschlechtsorgane reifer und die Flügel länger. Die Lebensweise der Larve entspricht bei den meisten Arten mit unvollkommener Verwandlung etwa der des erwachsenen Tieres: Die Larve lebt mehr oder weniger am selben Ort und nimmt die gleiche Nahrung zu sich. Es gibt allerdings erstaunliche Abweichungen: Bei den Libellen (Ordnung Odonata), den Eintagsfliegen (Ephemeroptera) und den Steinfliegen (Plecoptera) leben die Larven im Wasser, die Vollinsekten können fliegen. Das letzte Larvenstadium (die Nymphe) geht bei diesen Insekten direkt in das Vollinsekt (Imago) über, zumal auch die Mundwerkzeuge sowie die Nahrung der Nymphen und Imagines grundsätzlich übereinstimmen, so dass keine tief greifenden Umwandlungen nötig sind. Eine bemerkenswerte Ausnahme von der allgemeingültigen Regel, dass die Einzeltiere des gleichen Lebensstadiums einer Art einander ähneln, stellen die Termiten oder »weißen Ameisen« (Ordnung Isoptera) dar. Diese Insekten sind ziemlich nahe mit den Schaben (Ordnung Blattodea) verwandt, haben aber, wie die Ameisen, Bienen und Wespen (holometabole Insekten der Ordnung Hymenoptera), eine soziale Organisation entwickelt. Es gibt bei den Termiten nicht nur verschiedene Kasten in einem Bau, sondern einige dieser Kasten – nämlich Arbeiter und Soldaten – gehen aus sterilen Formen beider Geschlechter hervor und stellen ein fixiertes Nymphenstadium dar. So übernehmen Larven Aufgaben der Vollinsekten, ausgenommen die Fortpflanzung. Schäden durch Insekten
Verschiedene höher entwickelte Insekten der Gruppe Holometabola bringen dem Menschen durch Krankheiten, die sie übertragen, Sorgen und Not. Hemimetabole Insekten kommen seltener als Krankheitsüberträger in Frage (so etwa die Läuse). Die Ägyptische Wanderheuschrecke (Schistocerca gregaria), welche die achte biblische Plage verursachte, bedroht ständig die Nahrungsgrundlage von etwa zehn Prozent der Weltbevölkerung. Nach längerem Regen können sich diese Heuschrecken so vermehren, dass sie schlagartig über ganze Länder herfallen. Milliardenschäden und Hungersnöte sind die Folge. Die Wanderheuschrecken (Nomadacris septemfasciata und Locusta migratoria) können heute durch die internationale Zusammenarbeit von Pflanzenschutzexperten erfolgreich unter Kontrolle gehalten werden. Die Ägyptische Wanderheuschrecke stellt jedoch nach wie vor ein ernstes Problem dar. Die kauenden Mundwerkzeuge haben wesentlich zum Erfolg der Hemimetabolen beigetragen. Einige Gruppen haben diese Mundwerkzeuge im Verlauf der Evolution zu einem Saugrüssel umgeformt. Damit können sie pflanzliche oder tierische Säfte saugen. Vertreter einer Unterordnung der Schnabelkerfe (Homoptera), die Blattläuse und Zikaden, und die Schildwanzen (Heteroptera) sind von den Gärtnern als Schädlinge gefürchtet. Mit ihrem Saugrüssel gelangen krankheitserregende Mikroorganismen in das Gewebe der Pflanzen. Wanzen und Blasenfüße (Ordnung Thysanopterd) können dadurch die Ernte direkt und indirekt schädigen. Ähnliches gilt für Läuse, die ihre tierischen Wirte sehr schwächen und dazu gefährliche Krankheiten übertragen können. Sogar relativ harmlose Insekten wie Ohrwürmer und Maulwurfsgrillen vermögen, wenn sie in großer Zahl auftreten, beträchtlichen Schaden an Kulturpflanzen anzurichten. Dank der Art ihrer Ernährung haben sich die primitiveren Insekten mit unvollkommener Verwandlung ebenso erfolgreich auf der Erde verbreitet wie ihre höher entwickelten Verwandten, die Holometabola. Im Vergleich zu den gewaltigen Schäden, die Insekten den Menschen zufügen, gibt es nur ganz wenige nützliche Hemimetabola, beispielsweise die Koschenilleschildlaus (Dactylopius coccus), die den bekannten roten Farbstoff liefert. Die Mannaschildlaus (Trabutina mannipara) scheidet zuckerhaltige Manna aus.

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Info 22.11.2017 17:31
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