Die Wahl Rudolfs von Habsburg zum deutschen König

Neugeborene unterscheiden sich schon deutlich im Ausmaß ihrer Aktivität, im Grad ihrer Störbarkeit und in ihrer allgemeinen Aufgeschlossenheit für die Umwelt. Dennoch ist die emotionale Entwicklung, d. h. die Entwicklung der auf sich selbst bezogenen und der mitmenschlichen Gefühle, offenbar weitgehend von den ersten sozialen Beziehungen und den Lernerfahrungen in der Familie und im weiteren sozialen Umfeld abhängig. Die ersten Gefühle
Es ist schwer abzuschätzen, was für Gefühle das neugeborene Kind schon hat. Das liegt erstens daran, dass es nicht sprechen kann und man sich auf nichtverbale Äußerungen wie Blicke, Veränderungen der Mimik und Lächeln verlassen muss, die auch falsch interpretiert werden können. Ein zweiter Grund für die Schwierigkeit besteht darin, dass die Deutung der Gefühle des Säuglings durch den Erwachsenen von seinen eigenen Vorstellungen, wie er sich in der Situation des Kindes fühlen würde, bestimmt wird. Schon 1917 stellten die amerikanischen Psychologen J. J, B. Morgan und J. B. Watson die Theorie auf, dass Kleinkinder über drei verschiedene angeborene Gefühlszustände verfügen, nämlich Liebe, Furcht und Ärger, und dass alle anderen Gefühle Differenzierungen und Weiterentwicklungen dieser drei Grundgefühle darstellen. Heute nimmt man eher an, dass Neugeborene keine so deutlich verschiedenen Gefühle haben und dass sich erst mit etwa einem Monat positive (Lust) und negative (Unlust) Gefühle zu scheiden beginnen. Gefühle wie Begeisterung, Stolz, Wut und Misstrauen stellen sich erst allmählich innerhalb der ersten beiden Lebensjahre ein. Deutlich wird die Gefühlsentwicklung bei der Reaktion des Säuglings auf fremde Personen: Bis etwa zum 6. Lebensmonat reagiert er positiv auf jedes freundliche Gesicht. Mit zunehmender Fähigkeit zur Unterscheidung anderer Menschen verschwindet die allgemeine freundliche Reaktion, und mit einem Jahr reagiert das Kind häufig auf einen fremden Menschen mit deutlichem Misstrauen. Furcht, Freude und Zuneigung
Die kognitive Entwicklung ist auch für die Gefühlsentwicklung wichtig. In verschiedenen Altersstufen etwa treten verschiedene Ängste auf, Furcht setzt voraus, dass man sich das auslösende Ereignis vorstellen und seine unangenehmen Folgen vorwegnehmen kann. Eifersucht, besonders Eifersucht auf jüngere Geschwister, tritt zum ersten Mal mit etwa 18 Monaten auf und kann dann zwei Jahre lang dramatische Formen annehmen, wobei das Kind u. U. das jüngere Geschwister oder die Eltern oder beide sogar physisch angreift. Mit zunehmender Reife wird die unmittelbare Äußerung der Eifersucht schwächer. Positive Gefühle sind bisher weit weniger erforscht als negative, vielleicht weil sie mit weniger Problemen verbunden sind. Freude ist nach psychologischer Auffassung zunächst vor allem mit der Befriedigung von Triebbedürfnissen, vor allem Hunger und Durst, verbunden. Aber schon das zwei Monate alte Kind zeigt auch positive Gefühle in Situationen, die mit der Befriedigung primärer Bedürfnisse nichts zu tun haben. Neuere Untersuchungen an Affen sowie Beobachtungen an Kindern ergaben, dass zwischen dem Neugeborenen und seiner ersten Bezugsperson (gewöhnlich, aber nicht notwendig, die Mutter) eine enge Beziehung besteht. Die weitere emotionale Entwicklung des Kindes wird durch diese Beziehung wesentlich beeinflusst. Bei Tieren ließ sich auch feststellen, dass die Jungen häufig eine dauerhafte Anhänglichkeit an das erste sich bewegende Objekt entwickeln, das sie in ihrem Leben sehen. Im Alter von einem Jahr und bis zu etwa drei Jahren ist das Kind emotional besonders leicht störbar, wenn die primäre Bindung für eine gewisse Zeit unterbrochen ist, etwa bei einem Krankenhausaufenthalt, wobei das Kind zusätzlich noch in eine völlig fremde Umgebung kommt. Die Störung kann zu einer äußerst kritischen Phase führen, in denen das Kind schreit, sich anklammert und gelegentlich sogar Zeichen von Depression zeigt. Früher wurde in Kinderkrankenhäusern streng darauf geachtet, dass die Eltern die Kinder nicht besuchten, um die kleinen Patienten nicht zu »stören«, von dieser Auffassung rückt man heute ab. Ist eine längere Trennung des Kindes von der Bezugsperson unvermeidlich, soll sie vorher ausführlich  erklärt werden, in fremder Umgebung sollte das Kind soweit wie möglich von vertrauten Gegenständen umgeben sein. Von dem amerikanischen Psychoanalytiker Erik Erikson (1902-1994) stammt die These, dass das Kind mit der ersten Beziehung lernt, Liebe zu empfangen und zu geben und von völliger Abhängigkeit zu wachsender Unabhängigkeit zu gelangen. Weiter sagt Erikson, dass ein Kind, welches in seiner ersten Bindung Sicherheit und Liebe spürt, sich eher als ein anderes zu einem Menschen mit einem grundlegenden Vertrauen in die Welt und sich selbst entwickelt. Die Gefühlskontrolle
Das Kind muss lernen, wie weit es seinen Bedürfnissen Ausdruck verleihen darf bzw. sie kontrollieren muss. Völlig ungezügelte Reaktionen werden nämlich weder im Gefühlsbereich noch in anderen Bereichen geduldet. Ein wichtiges Beispiel dafür ist die Aggression des Kindes: An sich sind kindliche Aggressionen meist unmittelbare und kurzlebige Antworten auf die Vereitelung von Wünschen. Die Kinder lernen aber im Allgemeinen bald, dass Gewalt nicht erwünscht ist, sie beginnen, ihre Wut zu verarbeiten, statt sie auszuleben.

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Info 26.09.2017 - 00:19
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