König Rudolf I. und die Städte

Das städtische Bürgertum wünschte sich einen ›nützlichen‹ König, nützlich jedoch im Sinn von stark! Während sich also die Vorstellungen vom Charakter des Königtums bei Rudolf I. und seinen fürstlichen Wählern nur oberflächlich deckten, war das zwischen Rudolf I. und den Städten anders: Hier bestand zumindest zum Teil eine echte Interessenharmonie. Auch die Vorstellungen von der Rolle, die ein deutscher König spielen sollte, deckten sich annähernd, und so hatte Rudolf I. am Anfang seiner Regierung bei den Städten großen Rückhalt. Diese empfingen ihn begeistert, als er rheinabwärts von Basel, dessen Bischof er bekriegt hatte, nach Aachen zog, sie versorgten seinen Hofstaat und geizten auch sonst nicht mit finanzieller Unterstützung. Der König revanchierte sich, indem er mit Privilegien nicht knauserte, den Städten den Lehnserwerb erlaubte und Städtebünde nicht nur gestattete, sondern unter königlicher Führung sogar anregte: Hier zeigte sich der mit allen Wassern gewaschene Politiker, der dies keineswegs ohne Hintersinn tat, einerseits nämlich war diese Politik geeignet, die Expansionsgelüste der Fürsten zu dämpfen und ihnen beim ›Erwerb‹ neuer Territorien Prügel zwischen die Beine zu werfen, andererseits war Rudolf I. weitblickender als manche seiner Standesgenossen und hatte erkannt, dass im Bürgertum eine neue gesellschaftliche Macht heranwuchs. Er wusste, dass ein deutscher König am Ende des 13. Jahrhunderts gegen die unwiderruflich gewachsene Macht der Fürsten mit der traditionellen Lehnspolitik nichts mehr ausrichten konnte und neue Wege beschreiten musste. Eine Marionette der Kurfürsten, die als »Privilegienquelle« sowie ab und an als »Reichspolizei« fungierte, gedachte der Habsburger nicht zu werden. Neben der Förderung von Städtebünden war Rudolf I. auch immer bestrebt, möglichst viele Städte zu Reichsstädten zu machen, die nur dem König unterstanden und so dem bischöflichen oder fürstlichen Zugriff entzogen waren. Diese Methode königlicher Innenpolitik wurde besonders im Oberrheingebiet und im Elsass deutlich, exemplarisch hierfür ist die Geschichte der Stadt Basel, mit dessen bischöflichen Herren die Habsburger in Dauerfehde lebten: Unter Rudolf I. wurde hier aus einer Bischofsstadt eine Reichsstadt mit später großer historischer Bedeutung. Rudolf I. als ehemaliger Territorialherr wusste nur zu gut, wie es tatsächlich um die Macht eines deutschen Königs stand: Die Vergrößerung der königlichen Machtbasis über das hinaus, was ein Monarch als Eigenbesitz mitbrachte, der »Hausmachterwerb«, war durch das Veto, welches die Kurfürsten jederzeit einlegen konnten, sehr erschwert, nach wie vor verfügte die Krone über keine festen, einplanbaren Bargeldeinkünfte, ein funktionierendes Reichssteuerwesen gab es nicht, geschweige denn einen entsprechenden Beamtenapparat – und das zu einer Zeit mit nahezu ganz entfalteter Geldwirtschaft! Seine staufischen Vorgänger hatten sich hier noch etwas leichter getan, da sie auf die regelmäßig fließenden Gelder aus dem staufisch-normannischen Zentralstaat Süditaliens und Siziliens rechnen konnten. 1275 jedoch war ein deutscher König ärmer dran denn je, und der Habsburger konnte nur auf eine Kombination eigener Hausmacht und königstreuer Reichsstädte hoffen, die allein in der Lage waren, den Geldbedarf der Krone in etwa zu decken.