Israel und die Kanaaniter – Richter und charismatische Helden

Im Siedlungsgebiet zwischen den kanaanitischen Städten und Stadtstaaten lebte die vorpolitische Stämmegemeinschaft Israel. Aus der Wüste waren die Sippen und Stämme gekommen, und im Kulturland suchten sie ihre andere Wesensart durchzusetzen; so wurde die Naturgebundenheit der Erntefeste mit den Geschichtstraditionen, von denen Israel erfüllt war, durchtränkt oder von ihnen verdrängt. Das Verhältnis der neuen Siedler zur sesshaften Bevölkerung Palästinas war unterschiedlich. Mit der Zeit gewannen die Einwandererstämme, die sich zusammengeschlossen hatten, an Macht und Einfluss. Sie lernten von der ansässigen Bevölkerung. Täglich sahen sie die von Ringmauern und Glacisanlagen umgebenen Städte, in deren Mitte sich die Zitadelle erhob. Die aristokratische Herrenschicht dieser fremden Gemeinwesen benutzte im Krieg »eiserne Wagen«, Streitwagen, wie sie die Hyksos der altorientalischen Welt gebracht hatten. Die Städte schienen uneinnehmbar. An einzelnen Stellen hatten die Stämme Israels schon in früher Zeit Erfolg mit ihren Eroberungsversuchen, doch mussten sie sich, wenn sie Siedlungen gründen wollten, größtenteils nach den Bedingungen richten, die sie vorfanden. Für das fremde Heereswesen gab es zunächst keinen Platz in der Welt des sakral begründeten Stämmebundes; indes machten sich kanaanitische Vorbilder in der Siedlungsweise der Israeliten deutlich bemerkbar. Vor allem machten sich die Stämme die Errungenschaften der kanaanitischen Stadtkultur zunutze, die sich in der Bronzezeit entfaltet und beachtliche Leistungen hervorgebracht hatte. Die Menschen aus der Wüste übernahmen die Geräte, aber auch die Lebensformen und geistigen Güter der Einheimischen. Der Übergang von der Kleinviehzucht der Nomaden zur Ackerbaukultur brachte eine nicht geringe Umstellung mit sich. Die Bearbeitung und Bewässerung der Felder, die Herstellung der Geräte und andere mit dem Ackerbau verbundene Arbeiten mussten erlernt werden, und lernen konnten sie die Israeliten nur von den Kanaanitern. Eine völlig neue Arbeitssphäre war die Großviehzucht. Überall mussten sich die neuen Bewohner des Landes Verhältnissen anpassen, die ihnen fremd waren. Auch die geistige Wirkung der kanaanitischen Kultur war beträchtlich: Dichtungen, Mythen und Erfahrungsweisheiten der Eingeborenen gingen auf die Einwanderer über. Aus der Begegnung mit der Sprachwelt der einheimischen Bevölkerung entstand die hebräische Sprache; aus dem unter den Stämmen Israels wahrscheinlich vorherrschenden früharamäischen Sprachtypus bildete sich ein dem Kanaanitischen ähnlicher Dialekt heraus. Zahlreich waren die kulturellen Impulse, die von den Kanaanitern ausgingen. In der Begegnung mit der sesshaften Bevölkerung sprang auf die Einwanderer ein zündender Funke über. Anderseits sah sich der Zwölfstämmeverband in der Berührung mit der kanaanitischen Urbevölkerung auch großen Gefahren ausgesetzt. Vor allem war das religiöse Eigenleben Israels von den Kanaanitern in seinen Wurzeln bedroht. Die Sphäre der Ackerbaukultur trägt den Nimbus eigener religiöser Voraussetzungen und Tendenzen. Orte, an denen geheimnisvoll mächtige Wesen erscheinen, gehören zur Eigenart des Kulturlandes. An den Quellen, unter rauschenden Bäumen und auf ragenden Höhen manifestieren sich die »besitzenden Geister« der Ortschaft, die Baalim (Singular: Baal); ihnen sind weibliche Gottheiten zugeordnet, die Astarte heißen. Diesen Gottheiten fühlt sich der ackerbauende Kanaaniter zu Dienst und Verehrung verpflichtet; er bringt ihnen an den »heiligen Orten« Opfer dar und erwartet von ihnen Fruchtbarkeit und reichen Ernteertrag. Die Fruchtbarkeitskulte zielen darauf ab, die Potenzen der göttlichen Wesen wirksam werden zu lassen: mit Mythen, Riten und kultdramatischen Akten soll die sexuelle Begegnung der Götter im Akt der »heiligen Hochzeit« herbeigeführt und die Fruchtbarkeit gesteigert werden. Orgiastisches Analogiehandeln der Kultgenossen führt zu ekstatischen Exzessen, die gerade für den Baalskult charakteristisch sind. Frauen weihen sich der sakralen Prostitution. Das religiöse Leben ist vom Rausch der Fruchtbarkeitserweckung beherrscht. Die aus der unfruchtbaren Wüste kommenden Stämme Israels empfanden das kultische Leben der Kanaaniter, das auch ins alltägliche Verhalten ausstrahlte, als unheimlich, schamlos und pervers. Dennoch drang das fremde Unwesen in die Lebensbereiche des Zwölfstämmeverbandes ein. Gewiss strömte der zentrale Kultus Israels seine in Geschichte und Gottesgebot gegründeten Festverkündigungen aus, aber im Spannungsfeld der alltäglichen Berührungen mit der kanaanitischen Ackerbaureligion sickerte unvermeidlich der Fruchtbarkeitskult ein. Auch im gesellschaftlichen Leben lassen sich analoge Erscheinungen nachweisen. Die kanaanitischen Stadtstaaten standen unter aristokratischer Herrschaft: den Häuptern der Städte gehörten Länder, Paläste und Schmuck; der Besitz war ungleich verteilt; wer sich am florierenden Handel der kanaanitischen Städte beteiligte und Erfolg hatte, konnte in die einflussreiche Oberschicht der Besitzenden aufsteigen. Umgekehrt herrschte in Israel das Prinzip der Gleichheit aller Stammesgenossen: die Ackeranteile wurden in unbestechlicher Gerechtigkeit ausgelost und gestörte Besitzverhältnisse durch die sakrale Ordnung des Zentralheiligtums reguliert; nomadische, patriarchalische und vor allem religiöse Kräfte gaben den Ausschlag. Aber das starke Gefälle der sozialen Unterschiede in der kanaanitischen Gesellschaft erschütterte die Stabilität dieses Systems. Der kulturelle Gewinn, den der Zwölfstämmeverband aus der Berührung mit der Urbevölkerung zog, wog die Gefahr der Zersetzung nicht auf, die der ständige Kontakt mit sich brachte. Im Alten Testament hat dieser Prozess viele tiefe Spuren hinterlassen. Richter und charismatische Helden
In der vorpolitischen Lebensordnung des Zwölfstämmeverbandes war das Zentralheiligtum der Brennpunkt des Geschehens für alle Gruppen Israels. Der Gottesdienst und die ihm zugeordneten sakralen Institutionen regelten gleichsam den Blutkreislauf des Jahve-Verbandes. Von entscheidender Bedeutung für das Leben der Gemeinschaft war die Institution des »Richters in Israel«. Die Männer, die dieses Amt bekleideten, haben einem längeren Abschnitt der Frühgeschichte Israels das Gepräge gegeben. Die von der Tradition überlieferten Listen der Richter (Richter 10,1-5; 12,8-15) zeigen, dass der Stämmeverband bestrebt war, möglichst alle Stammesgruppen abwechselnd an der Amtsführung zu beteiligen, die zentrale vorpolitische Vertretung auch tatsächlich zu einem Organ aller dem Verband angeschlossenen Gruppen zu machen. Ein eigenartiger Angleichungsprozess in der alttestamentlichen Überlieferung hat aber auch andere Männer als »Richter« erscheinen lassen, die mit Rechtsprechung nichts zu tun hatten und denen die Tradition eine außergewöhnliche Funktion für außergewöhnliche Situationen zuweist. Typisch dafür sind in den Erzählungen des Alten Testaments Barak und Gideon, keine ständigen Amtsträger, sondern für die Verrichtung bestimmter außergewöhnlicher Gottestaten durch einen plötzlichen Designationsakt auserwählte Helden. Der Geist Jahves, so heißt es, kam über sie und ließ sie gewaltige Heldentaten vollbringen; sie traten ab, nachdem sie ihr Werk vollbracht hatten. Nur für eine kurze Zeit zog sie eine von Gott ausgehende Kraft in ihren Bann, eine Inspiration, die sie zu Heroischem befähigte, ein Charisma; so hat man denn in diesem Zusammenhang von »charismatischen Führern«, »charismatischen Helden« gesprochen. Bei näherem Zusehen stellt man fest, dass diese Auserwählten in direkter Beziehung zur Verteidigungsaufgabe im »heiligen Krieg« standen: sie traten plötzlich auf, wenn Gruppen der Zwölfstämmeverbandes bedroht waren. Wichtig ist hier die Gruppensicht: obwohl der »heilige Krieg« in der Idee dem Schutz des gesamten Stämmeverbandes galt, waren gesamtisraelitische Kriegsaktionen selten und die bedrängten Stämme zumeist auf sich allein gestellt; in ihren Sonderkriegen kamen ihnen die Männer des Charismas zu Hilfe, die also recht eigentlich Stammeshelden waren, nicht institutionelle Vertreter des Gesamtverbandes wie die »Richter in Israel«. Aber die Tradition mit ihrer vereinheitlichenden Geschichtsschreibung hat alle Einzelereignisse und Gruppenerlebnisse zu einem von ganz Israel erlebten, erlittenen Geschehen zusammengefügt. Genau lassen sich die Ereignisse der Richterzeit nicht datieren. Was in den Büchern Josua und Richter erzählt wird, dürfte sich etwa zwischen 1200 und 1000 v. Chr. abgespielt haben. Der Zwölfstämmeverband Israel mit seinen Gruppen lebte im Spannungsfeld zwischen den kleinen kanaanitischen Stadtstaaten und den an den Grenzen entstehenden größeren Machtgebilden. Zusammenstöße und Kriege von lokaler, aber auch von überregionaler Bedeutung waren nicht ungewöhnlich, aber in der Regel betrafen sie nur Teile des Zwölfstämmeverbandes. Lokale Auseinandersetzungen ergaben sich daraus, dass die Stämme Israels in Nord und Süd eine Regelung der Koexistenz mit den Kanaanitern finden mussten, was nicht immer auf friedliche Weise gelang. So kam es im Gebiet der kanaanitischen Stadt Gibeon zu einem Kampf, durch den die kritische Situation im Siedlungsbereich Benjamins entschieden wurde. Die Einwohner von Gibeon wurden geschlagen, in einem heiligen Krieg, in dem Jahve »für Israel stritt« (Josua 10, 14), besiegt. Im Süden des Siedlungsgebietes Israels gelang es (Richter 1,10-15) den Kalibitern, einer dem »Hause Juda« angeschlossenen Gruppe, die kanaanitische Stadt Hebron zu erobern. Offensichtlich vermochte sich die Urbevölkerung des Landes an einzelnen Orten gegen die zunehmende Macht der Stämme nicht mehr durchzusetzen; möglicherweise wurden die kämpfenden Gruppen oder Stämme Israels von Nachbarn, die zum Zwölfstämmeverband gehörten, unterstützt. Langsam verschoben sich die Gewichte zuungunsten der Kanaaniter. Aus der Reihe der Berichte über größere Aktionen ragt die Erzählung (Richter 5) über die Schlacht gegen Sisera bei Thaanach, am Wasser Megiddo, heraus, die vor allem für das Schicksal der Nordstämme von außerordentlicher Bedeutung gewesen sein muss. In einem schwungvollen, hinreißenden Gesang, dem »Debora-Lied«, einer der ältesten und imposantesten Dichtungen Israels, sind die Ereignisse festgehalten. Ausgegangen war der Kampf von den Stämmen Naphtali und Sebulon, die für die einheimischen Küstenbewohner Dienstleistungen verrichten mussten. Die Stämme führten einen Befreiungskrieg und erhielten Hilfe vom Zwölfstämmeverband. Bei Thaanach prallten die Heere aufeinander. Unter der Führung Siseras traten die gutausgerüsteten Streitwagenabteilungen der Kanaaniter an. Führer des Heerbannes Israels war der von der Prophetin Debora auserkorene Held Barak. Siseras Heer wurde in die Flucht geschlagen, Sisera selbst, als er auf der Flucht seinen Streitwagen verließ, getötet. Das Debora-Lied, das den Sieg feiert, gibt gleich in den ersten Zeilen die Glaubenserfahrungen des »heiligen Krieges« wieder (Richter 5): Dass Führer führten Israel,
dass sich willig zeigte das Volk,
darob preiset Jahve!
Höret, ihr Könige, merkt auf, ihr Fürsten!
Ich, ja, ich will singen Jahve,
will spielen Jahve, dem Gott Israels. Jahve, als du auszogst von Seir,
einherschrittest von Edoms Gefilden,
erbebte die Erde, es troffen die Himmel,
ja die Wolken troffen von Wasser.
Die Berge wankten vor Jahve,
vor Jahve, dem Gott Israels.
Jahve, der am Sinai hervorgetreten war, ist auch in Kanaan gegenwärtig. Er eilt aus dem Süden herbei, erscheint unter gewaltigem Beben der Erde und vollbringt das Wunder der Befreiung. Was bei Thaanach konkret geschah, verbirgt das Hymnische der historischen Erkenntnis. Wahrscheinlich wurde das Heer Siseras von einem Unwetter überrascht, in dem die Streitwagen nicht operieren konnten, weil der Boden aufgeweicht war und die Bäche überquollen: »Der Kidronbach riss sie fort, der Bach wogte ihnen entgegen – der Kisonbach.« Das Ergebnis der Schlacht war, dass die Nordstämme den Frondienst abwerfen konnten. Beträchtliche Gefahren drohten dem Stämmeverband aus der westlichen Küstenebene. Hier hatten sich die Seevölker niedergelassen, eine neue Herrenschicht, die die Gebiete am Meer beherrschte. Der Name Sisera deutet auf fremde Herkunft, und man darf vermuten, dass die Kanaaniter in der Nähe der Jesreel-Ebene zur Zeit der Schlacht bei Thaanach unter neuer Oberherrschaft lebten. Im südlicher gelegenen Küstenbezirk war die Machtverteilung bereits eindeutig: die Fürstentümer Asdod, Ekron, Askalon, Gaza und Gath hatten sich im Stadtstaatenbund der Philister zusammengeschlossen, der künftighin ein Dom im Fleische Israels sein sollte. Zunächst allerdings spürte die Macht des neuen Gemeinwesens nur der den fünf Stadtstaaten unmittelbar benachbarte Stamm Dan, der sich in der Nähe der Philister auf die Dauer nicht zu halten vermochte und ein neues Siedlungsgebiet im Norden bezog. In die Zeit der Reibungen und Grenzauseinandersetzungen führen die Simson-Erzählungen, alte Sagen von einem Helden, der den Philistern durch verwegene Streiche auf eigene Faust Schaden zufügen wollte. Den historischen Kern bildeten die Konflikte an den Grenzen des philistäischen Stadtstaatenbundes. Die Philister wurden später mit dem kriegerischen Einbruch in alle Teile des israelitischen Siedlungsgebiets zu einem für den Zwölfstämmeverband schicksalhaften Faktor. In der Richterzeit waren sie noch im Aufbaustadium und verhielten sich ruhig. Ruhig waren auch die Aramäer im Nordosten. Die gerade entstehenden Staaten des syrischen Raumes machten sich in der Frühzeit des Zwölfstämmeverbandes noch nicht durch Expansionsbestrebungen bemerkbar, und es gab auch noch keine unmittelbaren Berührungspunkte, da die ostjordanischen Siedler aus dem »Hause Joseph« nicht weit in den Nordosten vordrangen. Wirklich gefährlich waren diesen ostjordanischen Gruppen die alteingesessenen Stadtstaaten und die neuen Reiche der Ammoniter und Moabiter. So mussten sich die ostjordanischen Siedler mit König Og von Basan auseinandersetzen, aber diesen alten Staat konnten die Heere Israels leicht bezwingen. Schwieriger waren die Kämpfe mit den ostjordanischen Reichen, die gleich Israel aus eingewanderten Aramäergruppen hervorgegangen waren. Unmittelbare Nachbarn der Ammoniter wurden die in der Landschaft Gilead siedelnden Glieder des Stammes Ephraim. Unter der Führung des Helden Jephta warfen sie die in ihr Gebiet eindringenden Ammoniter in einem heiligen Krieg zurück und sicherten die Besitzungen Israels »jenseits des Jordans«. Kritischer scheinen die Kämpfe mit den Moabitern gewesen zu sein. Nach der alttestamentlichen Überlieferung des Buches Numeri teilten sich die Moabiter und der israelitische Stamm Gad in das gemeinsame Grenzheiligtum Baal Peor. Aber die gemeinsame Benutzung des Grenzheiligtums brachte keine Abschwächung der Konflikte. Da der Stamm Gad dem Zwölfstämmeverband angehörte, schlugen die regionalen Annäherungen in weitgespannte Zwistigkeiten um, und eines Tages wagten die Moabiter einen Übergriff, der ins westjordanische Gebiet hineinreichte; das Stammesgebiet Benjamins wurde besetzt und Benjamin tributpflichtig gemacht. Bei einer Tributablieferung wurde mm der Moabiterkönig vom charismatischen Helden Ehud ermordet, und diese überraschende Tat verwirrte die Moabiter so sehr, dass sie das benjaminitische Heer, das unmittelbar nach dem Mord angriff, nicht abzuwehren vermochten. Im wesentlichen scheinen die Kriege der Richterzeit Befreiungskriege gewesen zu sein, in denen die Stämme des Jahve-Verbandes ihre Selbständigkeit gegen nahe oder entfernte Nachbarn zu behaupten suchten. Ganz anderer Art war die große Schlacht der Frühzeit, die sich an den Namen Gideon (Richter 6-8) knüpft. Im südlich und südöstlich ans Kulturland Palästina angrenzenden Steppen- und Wüstengebiet lebten große Verbände von Kleinviehnomaden, unter denen um 1200 v.Chr. keine großen Wanderbewegungen mehr zu beobachten waren und mit denen der Zwölfstämmeverband deswegen auch friedlich auskam. Aber nun stießen aus dem Innern der Wüste Schrecken verbreitende Midianiter vor, kriegerische Kamelnomaden, die wiederholt plündernd und friedliches Leben zerstörend ins Kulturland einfielen. Zur Zeit der aufgehenden Saat brachen sie vom Osten her ins westjordanische Land ein, ließen von ihren Kamelen die junge Saat abweiden, raubten die Siedlungen aus und trieben ganze Viehherden von dannen. Bei einem dieser Einbrüche erhob sich aus der Mitte der bedrohten Stämme als charismatischer Führer der Held Gideon vom Stamme Manasse. Die Midianiter waren inzwischen bis zur Küste vorgedrungen und hatten die Jesreel-Ebene überflutet. Am Südwestausgang der großen Ebene trat Gideon mit einem Heerbann den Midianiterhorden entgegen und schlug sie vernichtend. Zersprengte Reste flohen über den Jordan und wurden in die Wüste zurückgeworfen. Das war das Ende der Midianitereinfälle. Gideons großer Sieg war wieder ein Gotteswunder im heiligen Krieg, das von Geschlecht zu Geschlecht weitererzählt wurde. Noch bei Jesaja wird die Freude darüber nachklingen. Waren aber solche Siege von Bestand? Konnte sich die vorpolitische Lebensordnung des Zwölfstämmeverbandes bei zunehmender äußerer Gefahr auch noch halten? Genügte sie zur Abwehr der wachsenden Macht der neuen palästinischen Staaten?

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Info 23.11.2017 19:35
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