Die Kretische Flutwelle

Eine Naturkatastrophe an einem Ort kann später an einem anderen Ort eine noch schlimmere katastrophe auslösen. Ein Beispiel dafür ist der Ausbruch des Vulkans auf Thera. Der Vulkan, der um 1650 v. Chr. ausbrach, befand sich auf der Nordhälfte der Insel. Dies war der gewaltigste Vulkanausbruch der letzten 5 000 Jahre. Landmassen verschieben sich
Der Vulkanausbruch war derart gewaltig, dass er den Berg und einen großen Teil der Insel buchstäblich in Stücke riss. Etwa 82 km2 Landmasse verschwanden. Die Folge war die Bildung eines Kratersees in einer schalenähnlichen Mulde, die der zusammenbrechende Berg zurückließ. Das ägäische Meer schwappte in den riesigen Krater, und zu der riesigen Flutwelle kamen noch gewaltige Explosionen hinzu, als das Meerwasser mit dem Magma in Berührung kam. Die von Thera ausgehende Flutwelle war bis zu 150 m hoch und etwa 160 km/h schnell. Die nördliche kretische Küste war rund 110 km vom ausbrechenden Vulkan entfernt. Das minoische Kreta hatte damals den Zenit seiner kulturellen und politischen Macht erreicht, und die großen Palastkulturen, zum Beispiel in Knossos und Malia, lagen beide an der Nordküste. Als die Welle Kreta erreichte – sie brauchte nur Minuten, um die Ägäis zu durchqueren -, beschädigte sie die kretische Infrastruktur an der Küste erheblich. Sie zerschmetterte die vor der Küste verankerten Schiffe, zertrümmerte Wohnhäuser und zerstörte wahrscheinlich Paläste samt den Gebäuden in ihrer Umgebung. Der Niedergang der Kultur
Archäologische Funde belegen auch, dass der Osten von Kreta unter den riesigen Wolken aus Bimsstein und Asche erstickte, die von Thera herübertrieben. Die Landwirtschaft litt sehr unter dieser natürlichen Umweltverschmutzung. Da der Vulkanausbruch auf Thera am Anfang der dokumentierten Geschichte liegt, kennen wir die Zahl der Todesopfer nicht. Wir wissen jedoch, dass der Niedergang der minoischen Palastkultur auf Kreta etwa um diese Zeit begann, und deshalb ist es wahrscheinlich, dass der Vulkan nicht nur einen großen Teil Theras zerstörte, sondern auch den Verfall einer der fortgeschrittensten Kulturen der damaligen Zeit einleitete. Fakten
1. Um 1650 v.Chr. ruft ein enormer Vulkanausbruch auf der ägäischen Insel Thera eine bis zu 150 m hohe Flutwelle hervor.
2. Die Flutwelle verwüstet die nördliche Küste von Kreta und zerstört Fischereiflotten, Siedlungen und einige der schönsten Paläste.
3. Für Kreta folgt eine Periode der kulturellen Instabilität und des Niedergangs.