Die Pest in Athen

Die große Pest suchte Athen im Jahr 429 v. Chr. heim. Damals baute die Stadt ihre Vormachtstellung in ganz Griechenland aus und befand sich im Krieg mit Sparta und dessen peloponnesischen Verbündeten. Unsere Hauptquelle für die Folgen der Pest ist Thukydides (um 460-400 v. Chr.), der antike Historiker und Anthropologe, der dieser Seuche einen längeren Abschnitt in seiner Geschichte der peloponnesischen Kriege widmete. Die Pest schlägt zu
Für die Athener hätte die Pest zu keiner ungünstigeren Zeit zuschla gen können, denn das Heer des peloponnesischen Bundes war eben in Attika eingedrungen und plünderte die Region. Thukydides weist daraufhin, dass es in Athen schon vor der Epidemie vereinzelte Pestfälle gegeben hatte, doch keiner hatte ein Ausmaß wie die Seuche des Jahres 429 v.Chr. Die ersten Kranken gab es in Piräus, dem Hafen Athens, was die Vermutung stützt, dass die Pest aus Nordafrika oder Persien eingeschleppt wurde. Danach breitete sie sich wie ein Buschfeuer in der Stadt aus. Einige Kranke genasen zwar, aber Thukydides stellt auch eine erschreckende Liste von Symptomen zusammen. Sie beginnt mit Blutungen aus dem Mund und endet mit Organversagen und meist mit dem Tod. Der Zusammenbruch der Gesellschaft
Über die Folgen der Seuche schreibt Thukydides: »Wer von Natur aus stark war, widerstand der Krankheit nicht besser als die Schwachen. Sie raffte alle hinweg, selbst jene, die mit größter Sorgfalt gepflegt und gespeist wurden.« Die Ausbreitung der Krankheit wurde von Zuwanderern begünstigt, die der Krieg aus dem ländlichen Attika nach Athen getrieben hatte. Da der Wohnraum beschränkt war, brachte man die neuen Einwohner in überfüllten, behelfsmäßigen Hütten unter, was die Verbreitung der Krankheit sehr begünstigte. Bald lagen Berge von Leichen auf den Straßen, und man ersetzte die üblichen Bestattungsriten durch Massenbegräbnisse und riesige Scheiterhaufen. Thukydides berichtet auch, dass sich in der Stadt Gesetzlosigkeit ausbreitete: »Was Verstöße gegen menschliche Gesetze anbelangt, so erwartete niemand, lange genug zu leben, um verurteilt und bestraft zu werden.« Man schätzt, dass rund ein Drittel der Bevölkerung Athens während der Pest starb, darunter auch der Staatsmann Perikles. Eine nachträgliche Diagnose der Krankheit ist schwierig, vor allem weil Krankheiten im Laufe der Zeit ihren Charakter ändern, aber den Symptomen zufolge handelte es sich wahrscheinlich um Typhus. Fakten
1. 429 v. Chr. sucht die Pest während des peloponnesischen Krieges Athen heim und tötet etwa ein Drittel der Einwohner.
2. Die Ausbreitung der Krankheit wird begünstigt, weil Kriegsflüchtlinge und Soldaten in die Stadt strömen.
3. Im Jahr 427 v.Chr. schlägt die Pest in Athen erneut zu.

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Info 18.11.2017 13:04
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