Die Justinianische Pest

Die Pest ist seit ältester Zeit ein übler Gast in der Weltgeschichte. Manche Wissenschaftler glauben, dass eine in der Bibel (1. Samuel) beschriebene Krankheit die Beulenpest war und dass man sie etwa auf das Jahr 1320 v.Chr. datieren kann. Historisch besser belegte Berichte über die Pest stammen aus dem 1 Jahrhundert n. Chr. aus Libyen, Ägypten und Syrien. Auch sie betreffen die Beulenpest, die im Mittelalter so berüchtigt werden sollte. Die erste dokumentierte Pestepidemie begann um 542 in Konstantinopel. Eine Katastrophe für das Kaiserreich
Im Jahr 540 war Konstantinopel das Zentrum des mächtigen Byzantinischen Reiches, das sich von Nordafrika und dem Nahen Osten bis zum Balkan erstreckte. Es war eine der prächtigsten Städte der Erde; seine Kunst und Architektur galten als die vorzüglichste der Welt; und die Verwaltung überwachte Kaiser Justinian, der 527 den Thron bestiegen hatte. Aber die Einverleibung Ägyptens ins Reich führte beinahe zum Untergang der Stadt. Im Jahr 542 wütete die Pest bereits in Ägypten, und bald gelangte sie über die Handelswege zu Lande und zu Wasser nach Konstantinopel. Schrumpfende Bevölkerung
Die Folgen hätten kaum verheerender sein können. Prokopius von Cäsarea berichtet, dass die Seuche auf ihrem Höhepunkt jeden Tag rund 10000 Menschen i dahinraffte, und man schätzt, dass etwa die Hälfte der Einwohner starb. Es gab so viele Leichen, dass Türme als Massengräber benutzt wurden. Man deckte die Dächer ab und schüttete ungelöschten Kalk hinein, um die Verwesung zu beschleunigen. Auch Schiffe wurden mit Leichen gefüllt, aufs Meer geschoben und dort angezündet. Das Heer des Byzantinischen Reiches wurde dezimiert, und eine lange Periode der sozialen Unruhe und des Krieges war die Folge. Aber die Pest machte in Konstantinopel nicht Halt. Sie breitete sich bis nach Britannien und China aus, und im Jahr 1610 hatte sie rund 100 Millionen Menschen getötet. Konstantinopel wurde 732 erneut von der Seuche heimgesucht und verlor 40 Prozent seiner Bürger.

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Info 20.11.2017 05:09
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