Hungersnot in Indien

Epidemien und Hungersnöte sind die Katastrophen, welche die meisten Todesopfer fordern. Unglücklicherweise wurde Indien im Laufe seiner Geschichte immer wieder von beidenTragödien heimgesucht. Durchschnittlich trennen fünf bis zehn Jahre die Hungersnöte im Land. Ausgelöst werden sie meist von verheerenden Überschwemmungen oder Monsunregenfällen, aber auch von Dürren. Erschütternde Berichte
Eine Dürre ereignete sich zwischen 1630 und 1639, und etwa vier Millionen Menschen starben innerhalb von neun Jahren an Nahrungsknappheit. Ein Händler aus Holland war Zeuge der schrecklichen Ereignisse: »Die Menschen irrten hilflos hin und her, nachdem sie ihre Städte und Dörfer verlassen hatten. Man erkannte ihren Zustand sofort: eingesunkene Augen, bleiches Gesicht, Schaum auf den Lippen, vorstehender Unterkiefer, ein Magen wie ein leerer Sack. Einige brüllten vor Hunger und bettelten um Almosen.« Der Hunger war so groß, dass Menschenfleisch auf indischen Märkten zu einer Handelsware wurde, und schließlich »war das ganze Land von Leichen bedeckt, die unbestattet blieben« In den am schwersten betroffenen Regionen hatte die Hungersnot zudem eine tiefgreifende Wirkung auf die Gesellschaft. Soziale Folgen
Söhne hatten in der indischen Gesellschaft traditionell einen höheren Wert als Töchter. Der Hauptgrund dafür war die Mitgift, die junge Frauen mitbringen mussten, wenn sie heiraten wollten. Sie galten daher als wirtschaftliche Belastung. Die jungen Männer dagegen brachten der Familie durch Heirat eine Mitgift und erhielten höhere Löhne, waren also ein wirtschaftlicher Segen. Diese Einstellung ist heute noch in Indien vorherrschend, aber während der Hungersnot von 1630 bis 1631 führte sie dazu dass viele hungernde Familien jungen Frauen kein Essen mehr gaben. Ein Viertel der eine Million Toten waren Mädchen unter 14 Jahren, und als das Land sich erholte, herrschte in vielen Gegenden ein enormer Mangel an heiratsfähigen Frauen. Diese Hungerstnot war jedoch bei weitem nicht die schlimmste in der langen indischen Geschichte. Im Jahr 1770 verhungerten in Bengalen 10 Millionen Menschen. Fakten
1. Von 1630 bis 1631 bricht in ganz Indien nach einer Dürre eine gewaltige Hungersnot aus.
2. Insgesamt forderte die Hungersnot eine Million Opfer. Ein Viertel davon waren junge Mädchen, die nichts mehr zu essen bekamen.
3. Kannibalismus war weit verbreitet, und Menschenfleisch wurde auf Märkten verkauft.