Jesus Christus und die Anfänge der Kirche

Jesus Christus war ein Jude, der um das Jahr 7 vor unserer Zeitrechnung geboren und etwa um 50 nach unserer Zeitrechnung außerhalb der Stadtmauern von Jerusalem gekreuzigt wurde. Ihm verdankt das Christentum sicherlich seinen Ursprung, doch ist weniger sicher, ob Jesus eine Kirche gründen wollte. Seine Jünger sahen in ihm den ihnen verheißenen Messias und erwiesen ihm jene Ehre, die sonst nur dem Einen Gott zukommt. Zur Zeit Jesu gab es im Judentum verschiedene religiöse Gruppierungen, die um die rechte Deutung des jüdischen Gesetzes und des göttlichen Willens rangen. Die Erforschung der Schriftrollen vom Toten Meer und anderer zeitgenössischer Quellen hat gezeigt, dass zwischen der Lehre Jesu und der anderer jüdischer Sekten Ähnlichkeiten bestehen. Wer für Jesu Tod die Verantwortung trägt, ist umstritten. Nach den Evangelien verfügte der römische Statthalter die Kreuzigung auf Betreiben der jüdischen religiösen Oberschicht. Die Evangelien weisen darauf hin, dass Jesus wegen Gotteslästerung – ein Kapitalverbrechen zu der Zeit – verurteilt wurde, da er den Anspruch erhob, der Messias zu sein. Gleichwohl war solch ein Anspruch nach dem jüdischen Gesetz keine Gotteslästerung. Der historische Jesus
Die einzigen ausführlichen Berichte über das Leben Jesu sind die Evangelien, die von Christen für Christen geschrieben wurden. Die Worte Jesu sowie die Geschichten über ihn wurden zunächst mündlich weitergegeben und erst später niedergeschrieben. Aus solchen Quellen rekrutierten sich die vier Evangelien, die in griechischer Sprache abgefasst waren, obwohl Jesus Aramäisch sprach. Das älteste Evangelium, das des Markus, stammt etwa aus dem Jahre 62 n. Chr. In den Evangelien liegt eine bereits in hohem Maß gedeutete Geschichte vor, und es ist unmöglich, die bloßen historischen Tatsachen von den Deutungen zu trennen. Die ältesten Zeugnisse (die Paulus-Briefe und das Markus-Evangelium) beschreiben Jesu Geburt nicht. Nach den späteren Berichten des Lukas und Matthäus wurde Jesus in Bethlehem von einer Jungfrau – seiner Mutter Maria – geboren, deren Empfängnis auf die schöpferische Kraft des göttlichen Geistes zurückgeführt wurde. Die Heimatstadt Jesu war Nazareth in der Provinz Galiläa. Im Alter von etwa 30 Jahren ließ sich Jesus von seinem Vetter, Johannes dem Täufer, taufen. Unmittelbar nach der Taufe zog er sich für 40 Tage zum Gebet in die Wüste zurück. Dann trat er auf als Lehrer, heilte die psychisch und physisch Kranken und verkündete die bevorstehende »Herrschaft Gottes«. In der Bergpredigt, in der eine Reihe seiner Aussprüche zusammengestellt sind, sehen viele den Kern seiner Botschaft. Sie betont die Notwendigkeit einer geistigen Wiedergeburt und beschreibt die wahre Frömmigkeit mit ihren fast übermenschlichen Tugendgeboten. Jesus rief die Menschen auf, das jüdische Gesetz nicht dem Buchstaben, sondern dem Geiste nach zu erfüllen. Diese Forderung brachte ihn dazu, die jüdischen Führer seiner Zeit scharf zu kritisieren. Gefangennahme und Kreuzigung
Wie die Kritik im Einzelnen auch ausfiel, die religiösen Autoritäten erklärten Jesus zum öffentlichen Feind. Dies war für die Römer von Belang, da das Ansehen, das er beim Volk genoss, zum Aufruhr führen konnte. Wahrscheinlich erkannte Jesus, dass sein Leben bedroht war. Als er mit etwa 37 Jahren Jerusalem besuchte, um das Passahfest zu feiern, bot er seinen Feinden einen Anlass, ihn gefangen zu nehmen, als er die Geldwechsler und Händler im Tempel tätlich angriff. Die Tempelwache ergriff ihn schließlich, als er im Garten von Gethsemane zum Gebet weilte: Judas Ischariot gab der Tempelwache dabei durch einen Kuss zu erkennen, wer Jesus war. Die jüdischen Führer lieferten ihn dem römischen Prokurator Pontius Pilatus aus, der die Kreuzigung – die in Rom übliche Hinrichtung für Sklaven und niedere Verbrecher – zusammen mit zwei Dieben auf Golgatha anordnete. Die Anfänge der Kirche
Drei Tage nach seiner Kreuzigung gewannen die Anhänger Jesu die Überzeugung, dass der Gekreuzigte ihnen erschienen war. Etwas später wurde die Nachricht verbreitet, dass Frauen zu seinem Grab gegangen waren, um seinen toten Körper einzubalsamieren, dass sie aber das Grab bis auf das Totengewand leer vorgefunden hatten. Etwa sieben Wochen nach der Kreuzigung, zur Zeit des Erntefestes, glaubten die Jünger, von dem vom erhöhten Jesus herab gesandten Geist Gottes ergriffen zu sein. Seit diesem Pfingstereignis verkündeten sie Jesus als den Messias, der gekreuzigt wurde, von den Toten auferstanden ist und durch den das ewige Heil allen Menschen angeboten wird. Paulus, von jüdischer Herkunft, wurde zum Hauptapostel der Heiden (Nichtjuden), nachdem er auf dem Weg nach Damaskus eine dramatische Bekehrung zur Lehre Jesu erfahren hatte. Als Römer, der auch Griechisch sprach, begann er, das Christentum in die Welt zu tragen. Er machte weite Reisen und predigte in Kleinasien und Griechenland. Als er schließlich in Jerusalem gefangen genommen wurde, berief er sich auf sein Recht als römischer Bürger, an das kaiserliche Gericht in Rom appellieren zu können. Dort soll er nach längerer Gefangenschaft hingerichtet worden sein, etwa zur selben Zeit wie Petrus, um 60 n. Chr. Johannes, »der Jünger, den Jesus liebhatte«, lebte nach der Legende bis ins hohe Alter im Exil. Das Johannes-Evangelium ist eine tiefsinnige Meditation über Leben und Lehre Jesu.

Forum (Kommentare)

Info 22.11.2017 14:06
Noch keine Kommentare zu diesem Artikel vorhanden.