Alexander der Große

Alexander, Sohn Philipps II. von Makedonien und dessen Gemahlin Olympia, Prinzessin von Epirus, wurde 356 v. Chr. in PeIIa, Makedonien, geboren, er starb 323 v. Chr. in Babylon. Im Alter zwischen 13 und 16 Jahren war er Schüler von Aristoteles. Nach der Ermordung seines Vaters bestieg er 336 v. Chr. den makedonischen Thron. Zwei Jahre zuvor hatte er in der Schlacht bei Chaironeia als Kommandeur der Kavallerie bereits bewiesen, wie tüchtig er als Soldat war. Mit der Niederlage in dieser Schlacht endeten alle Hoffnungen Athens, die Hegemonie in Griechenland zurückzugewinnen. Auf der Halbinsel dominierten von jetzt an die im äußersten Norden Griechenlands ansässigen Makedonien. Dieser Sieg war gleichzeitig ein Sieg des Soldaten über den Rhetoriker, denn vor allem Demosthenes (383-322 v. Chr.), der athenische Redner, hatte zum Kampf gegen die Makedonier aufgerufen. Die Sicherung der Grenzen Makedoniens
In den 13 Jahren nach seiner Thronbesteigung errichtete Alexander das größte bis dahin bekannte Reich, es erstreckte sich von der Cyrenaika bis zum Pandschab. Kaum König geworden, marschierte Alexander in Griechenland ein, sicherte die makedonische Vorherrschaft und ließ sich zum Führer einer Expedition nach Asien wählen, die bereits von seinem Vater geplant worden war. Das Orakel von Delphi erklärte ihn für unbesiegbar. 335 v. Chr. zog er zunächst bis an die Donau, um die Nordgrenze Makedoniens zu sichern. Gerüchte von seinem Tod lösten in Griechenland einen Aufstand aus, den Athen unterstützte. Alexander marschierte sofort nach Süden, er legte mit seiner Armee 386 km in zwei Wochen zurück. Als er den Aufruhr nicht sofort niederschlagen konnte, brandschatzte er Theben, tötete 6000 Menschen und versklavte die Überlebenden. Er verschonte nur die Tempel und das Haus Pindars (etwa 522-um 446 v. Chr., einer der größten griechischen Dichter). Jetzt brach der Aufstand zusammen, von nun an hatte er in Griechenland Ruhe. Jetzt konnte er sich auf den großen Feldzug vorbereiten, auf den ihn sein Vater vorbereitet und für den er ihn erzogen hatte. Er brauchte auch dringend die Schätze Persiens, um die Schulden seines Vaters bei der makedonischen Armee zu bezahlen. Alexander überquerte im Jahre 334 v. Chr. den Hellespont mit einer Armee von 35 000 Mann. Nach einem kurzen Abstecher nach Troja schlug er am Granikos ein persisches Heer und machte sich den Weg nach Kleinasien frei. Er besiegte 333 v. Chr. den Perserkönig Dareios III. bei Issos und marschierte weiter bis Tyros, das 332 v. Chr. fiel. Dareios III. floh und ließ seine Familie im Stich. Nach der Einnahme von Tyros zog Alexander nach Ägypten, wo er Alexandria gründete. Beim Besuch der Oase Siwa wurde er als Pharao, Sohn des Amun, begrüßt, was zur Mythenbildung über seine angeblich göttliche Abkunft führte. 331 v. Chr. marschierte er ostwärts zum Euphrat und besiegte die Perser in der Schlacht bei Gaugamela ein zweites Mal, aber Dareios III. entkam wieder. Alexander nahm die Kapitulation von Babylon und Susa an, die Schätze dieser Staaten fielen ihm zu. 330 v.Chr. besetzte er Persepolis, dann schickte er die Thessalier und Griechen in die Heimat zurück. Offenbar plante er ein persisch-makedonisches Reich. Als Alexander weiter nach Osten vorrückte, wurde Dareios III. auf der Flucht ermordet. Der Makedonier zog anschließend nach Baktrien, Transoxanien und nach Samarkand und gründete Alexandria eschate (heute Leninabad). Er schlug noch eine Reihe von Revolten in den eroberten Ländern nieder, bis er im Jahr 328 v. Chr. Roxane, eine baktrische Fürstentochter, heiratete. Die Ehe sollte offenbar ein Symbol für die Verschmelzung von Ost und West sein. Zur selben Zeit wurde sein Absolutismus deutlicher spürbar. Dass er seinen Freund Kleitos bei einem Zechgelage tötete, machte bei seinen Makedoniern viel böses Blut. 327 v. Chr. führte er seine Truppen in zwei Kolonnen nach Indien. Die eine Kolonne überwand den Khaiberpass, die andere, die er selbst anführte, erkämpfte sich den Weg durch Swat. Die Entscheidungsschlacht wurde am Hydaspes (Jhelum) geschlagen. Nach dem Sieg über Poros, einen indischen Fürsten, weigerten sich Alexanders Soldaten, den Marsch fortzusetzen. Die Rückkehr
Bei der Rückkehr nach Susa stieß Alexander überall auf Korruption und Unterdrückung. Rücksichtslos ging er dagegen vor. Dann wollte er einen Teil seines Plans, und zwar die Verschmelzung von Orient und Okzident, verwirklichen, indem er Griechen und Makedonier in Asien, Asiaten in Europa sesshaft machen wollte. Zunächst heirateten Alexander und Hephaistion (sein engster Freund) zwei Töchter von Dareios III., und 80 makedonische Offiziere ehelichten Töchter persischer Adeliger. Asiatische Soldaten wurden nach entsprechender Ausbildung in die makedonische Armee eingegliedert, persische Offiziere in die königliche Leibwache aufgenommen. Im Jahre 324 v. Chr. meuterten seine 10 000 Makedonier erfolglos gegen diese neue Politik. Alexander und der Hellenismus
Alexander erkrankte an Fieber und starb am 10. Juni 323 v. Chr., noch nicht 33 Jahre alt. Sein Reich brach sofort auseinander, da sich die verschiedenen Befehlshaber zu Königen in ihren Bereichen hatten ausrufen lassen. Obwohl Alexander vor allem wegen seiner militärischen Eroberungen berühmt geworden ist, liegt seine historische Leistung darin, dass er den Einfluss des Griechentums über ein riesiges Gebiet der antiken Welt ausbreitete und die Grundlage für den Hellenismus legte.