Griechenland bis zum Aufstieg Athens

Um 1200 v. Chr. vollzog sich in der griechischen Kultur ein Wandel. Dorische Stämme aus dem Norden wanderten über die Halbinsel und siedelten vorwiegend auf der Peloponnes. Die dort lebenden Völker wurden assimiliert oder in Restlandschaften abgedrängt, Ionier und Äoler vertrieben. Beide Völkerschaften retteten sich über das Meer nach Kleinasien. Dort gründeten sie Städte. Soziale Institutionen entstehen
Von den Veränderungen, die in den nächsten 200 Jahren vor sich gingen, wissen wir wenig. Das, was uns bekannt ist, stammt aus der Literatur, aus den beiden Epen Homers, der Ilias und der Odyssee. Einige Entwicklungen sind jedoch erkennbar, die für die spätere griechische Kultur von Bedeutung waren: Eisen als Material für Werkzeuge und Waffen setzte sich mehr und mehr durch. Ein phonetisches Alphabet, basierend auf der phönizischen Schrift, entstand, ein nationales Bewusstsein entfaltete sich, das mit dem Namen Hellas als der Bezeichnung für die gesamte griechische Welt umschrieben wurde. Zugleich entwickelte sich ein Pantheon von Göttern, das in Homers Gedichten beschrieben wird. Religiöse Zeremonien bildeten sich heraus, große Heiligtümer wie Delphi fanden allgemeine Anerkennung und Verehrung in der griechischen Welt. Als wichtigste politische, wirtschaftliche und soziale Einheit entfaltete sich der Stadtstaat (Polis). Die Küsten Griechenlands sind meist felsig und stark gegliedert, das Innere nehmen schroffe Gebirgsketten ein, die die zahlreichen fruchtbaren Beckenlandschaften voneinander trennen. Deren Einwohner betrachteten sich jeweils als gesonderte soziale und politische Einheit. So wurde Griechenland ein Gebilde aus zahlreichen Kleinstaaten, die eifersüchtig ihre Unabhängigkeit hüteten. Der Gedanke einer größeren politischen Einheit Griechenlands fand nie größere Verbreitung. Landwirtschaft, Handel und Politik
Die ökonomische Grundlage all dieser Staaten war die Landwirtschaft. Auch als sich Städte entwickelten, blieb zwischen Stadt und Land immer eine starke Bindung erhalten. In einigen dieser Stadtstaaten blühten auch Handel und Gewerbe auf, eine Schicht von Kaufleuten und Handwerkern bildete sich. Die monarchische Staatsform, wie Homer sie beschrieben hat, existierte um die Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. in Griechenland nicht mehr. Die reichsten und mächtigsten Bürger regierten diese Staaten in Form einer Oligarchie. Die politische, militärische und religiöse Macht lag in ihren Händen. Stadtstaaten entstehen
Die wachsende Bevölkerungszahl der Städte führte zu sozialen Spannungen. Zunächst bildete die Kolonisationspolitik eine Art Ventil. Die Staaten rüsteten Expeditionen aus, die an den Küsten der einzelnen Mittelmeerländer neue Städte gründeten. Diese Stadtsiedlungen unterhielten enge Beziehungen zu ihren Mutterstädten, waren aber unabhängig. Etwa 750 v. Chr. bestanden überall im Mittelmeerbereich griechische Städte. Die Kolonisation löste aber nicht immer die sozialen Spannungen. In die Klassenkämpfe griff oft ein Tyrann ein. Anfangs gebrauchten die Griechen diesen Begriff ohne moralische Wertung für Männer, die sich die Macht verfassungswidrig angeeignet hatten und – gut oder schlecht – ohne gesetzliche Grundlagen regierten. Neue politische Ordnungen
In Athen bemühte sich SoIon (um 640-um 560 v. Chr.), die landwirtschaftlichen Schwierigkeiten zu beseitigen, die die sozialen Spannungen im Wesentlichen verursacht hatten. Zum Schutz der Schwachen führte er eine soziale Neuordnung des Staates und eine Verfassungsreform durch. Nach 561/560 v. Chr. machte sich Peisistratos (gest. um 527 v. Chr.) zum Tyrannen von Athen und schaltete den um die Herrschaft ringenden Adel aus. Er sicherte die Rechte des Volkes. Diese Entwicklung führte schließlich zu einer festen juristischen Form, auch für das demokratische Regierungssystem. In anderen Staaten verlief die Entwicklung ähnlich. Die Tyrannis hielt sich nirgends lange. Einige Staaten wie Sparta mit seiner eigenartigen Verfassung und Korinth mit einer starken Oligarchie wurden überhaupt nie von einem Tyrannen regiert. Abgesehen von ihren Handelsbeziehungen blieben die Griechen bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. von anderen Ländern weitgehend unbeeinflusst. Das änderte sich, als die Lyder ihre Macht auf die griechischen Stadtstaaten Kleinasiens ausdehnten, 546 v. Chr. wurden die Lyder von den Persern abgelöst. Diese eher lockere Oberhoheit war keineswegs erdrückend. Dennoch kam es 512 v. Chr. zu einem Aufstand, die Griechen konnten ihre Unabhängigkeit vorübergehend zurückgewinnen. Allerdings waren sie untereinander uneins, auch unterstützte sie das eigentliche Griechenland kaum. 499 v. Chr. gelang es dem persischen König Dareios I. (Regierungszeit 522-486 v. Chr.), den Aufstand niederzuschlagen. Diesen Sieg nützte er und wagte einen großen Vorstoß in das eigentliche Griechenland, das Mutterland dieser Stadtstaaten. Athen als größte Stadt und mächtigster Staat war das erste Ziel dieses großen Herrschers. Bevor die erbetene Hilfe kam, trafen Athens Truppen auf die Perser. Diese waren wohl in beachtlicher Überzahl, unterlagen aber 490 v. Chr. den Athenern bei Marathon. Dareios zog sich mit seiner Armee zurück. Die Griechen waren von Neuem von ihrer Überlegenheit über die Perser überzeugt.

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Info 18.12.2017 00:25
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